Vereinsleben quasi im Winterschlaf

Oberkochener Verein hat im Museum im Schillerhaus einiges zu bieten. Wegen Corona ist es jetzt allerdings auch dort ziemlich still geworden.

Der Pandemie geschuldet sind im Schillerhaus die Schotten zur Zeit noch dicht. Die Macher des Oberkochener Heimatvereins scharren aber bereits mit den Hufen, wie Vize-Vorsitzender Richard Burger sagt. Foto: ls

Weit über 10 000 Besucher bilanzierte Oberkochens Heimatverein bei seinen offenen Sonntagen und bei zahlreichen Sonderausstellungen seit der Eröffnung des Heimatmuseums im Schillerhaus. Jetzt ist ganz still geworden in der Aalener Straße 19. Die Schotten sind dicht. Schuld daran ist Corona.

Vorerst vorbei ist es mit der lokalgeschichtlichen Entdeckungstour, die es in sieben verschiedenen Abteilungen normalerweise zu bestaunen gibt. Dabei fanden Oberkochener Geschichten wie das „Hafner- und Bohrermacher-Handwerk“, die alemannischen Reihengräberfriedhöfe oder die Geschichte des Bilzhannes besonderes Interesse.

Das Heimatmuseum trägt in breiten Facetten die Handschrift des verstorbenen Ehrenvorsitzenden Dietrich Bantel. Er durfte es noch erleben, dass das gegenüberliegende Gebäude in der Aalener Straße 10 für Sonderausstellungen eröffnet wurde.

„Wir befinden uns quasi im Winterschlaf“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Richard Burger. Es gebe aktuell nur noch telefonische Kontakte. Ab und an treffe man sich mal im Museum, aber nur, wenn dies unbedingt nötig sei.

So etwa kürzlich, als Ausstellungsstücke für eine Hinweistafel am Römerkeller fotografiert werden sollten. Oder vor gut einer Woche, als Bücher, Zeitschriften und Ordner – vollbepackt mit Heimatgeschichte – wegen des Ausbaus im Dachgeschoss der Dreißentalschule in Umzugskartons verpackt und im Gebäude Aalener Straße 10 zwischengelagert wurden.

Es gebe keine Vorstands- und Ausschusssitzungen, weil die Hygiene-Auflagen so groß seien, dass nicht einmal der Schillersaal ausreichen würde, so Burger weiter. Hinzu komme, dass der Vorsitzende Karl Elmer „als Arzt derzeit in Corona-Zeiten auf der letzten Rille läuft“, wie Richard Burger sagt.

 

„Nach Corona soll wieder Normalbetrieb sein.“ – Richard Burger, zweiter Vorsitzender des Heimatvereins Oberkochen

 

Keine Zeit fürs Vereinsleben

Burger erinnert daran, dass auch andere kulturelle Veranstaltungen, wie bei der Volkshochschule oder bei Dell‘ Arte, ja ebenfalls nicht möglich und auf null heruntergefahren worden seien. Auch das Museum ist nicht geöffnet. Die zu treffenden Hygiene-Maßnahmen seien so exorbitant, dass einer Öffnung kategorisch der Riegel vorgeschoben werde. Eine Besuchergruppe von zehn bis 15 Besuchern bei 1,5 Meter Abstand sei nicht realisierbar.

Man scharre bereits mit den Hufen und fiebere der Öffnung entgegen, denn der Heimatverein habe noch viele lokalhistorische Schätze ins Museum zu integrieren. In einer Scheune im Wolfertstal beispielsweise liegen noch jede Menge landwirtschaftlicher Geräte und sperrige Gegenstände, die allerdings im Heimatmuseum nie Platz finden würden. Als Zwischenlager könne man sich das Gebäude in der Aalener Straße 10 vorstellen.

Klar, angesichts der Vielfalt des historischen Fundus könnte man eigentlich ein zweites Domizil füllen „Nach Corona soll wieder Normalbetrieb sein“, sagt Burger, der mit dieser Zeitung in Vertretung des Vorsitzenden Karl Elmer sprach. Es werde dann auch wieder Sonderausstellungen, Vorträge und die beliebten „Kleinen Fahrten“ geben.

Finanziell gesehen habe die Pandemie keine nennenswerten Einbußen gebracht, weil ja auch weniger Ausgaben zu verzeichnen waren. Burger lobt die Zusammenarbeit mit der Stadt. Man habe einvernehmlich der Stadtbibliothek im Schillersaal eine Interimslösung für die Zeit des Umbaus ermöglicht.

Bei der Mitgliederzahl habe es durch Corona Gott sei Dank auch keine Einbrüche gegeben. Der Heimatverein zählt rund 350 Mitglieder. Einen Wunsch hat Burger: Auch vor Corona schon hätten die Besucherzahlen im Heimatmuseum Luft nach oben gehabt. Man hofft auf bessere Frequentierung durch die Schulen. „Unsere große Herausforderung wird sein, wieder mehr Menschen unser sehenswertes Museum schmackhaft zu machen“, so Burger am Ende.

Lothar Schell, Schwäbische Post

 
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