Ist in Oberkochen eine Vereinsehe in Sicht?

Um den Heimatverein ist es still geworden. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden Karl Elmer

Zwei Vereine, bald ein gemeinsamer? Das Wort von der Fusion macht seit langem die Runde. Beim Mühlenverein gibt es eine Wachablösung, der Heimatverein dümpelt vor sich hin. „Ja, es kocht zur Zeit hoch“, sagt Karl Elmer, Nachfolger des verstorbenen Granden Dietrich Bantel. „Klar, er hat viel Arbeit gemacht, das fehlt uns“, gibt Elmer zu. „Wir selber sind nicht von großer Energie durchsetzt.“ Elmer ist niedergelassener Arzt in Oberkochen, zehn bis zwölf Stunden in der Praxis, da bleibt wenig Zeit für den Verein übrig.

Auch beim Heimatverein ist eine Mitgliederversammlung überfällig. „Corona und das Zeitbudget, man geht auf dem Zahnfleisch“, sagt Elmer unverblümt. Grundsätzlich wehre er sich nicht gegen eine Fusion mit dem Mühlenverein.

Man müsse abwarten, wer das „großartige Erbe“ von Herbert Soutschek fortsetzt und wie das in die Gänge komme. Entscheiden über eine Fusion müsse sowieso die Vereinsversammlung - hier wie dort. Natürlich könne man in einem zusammengefassten Verein Synergien entfalten.

Entscheidend sei das Verwaltungsproblem und wie man das Zeitbudget für die Mühle schaffe. „Einen zusammengeführten Verein werde ich selbst nicht leiten können“, unterstreicht Karl Elmer.

Nicht außen vor lässt Elmer die „Dissonanz der Altvorderen“, die einer Fusion in der Vergangenheit abgeneigt waren. Da sei es um Personen gegangen, jetzt müsse die Sache im Fokus sein. Elmer will das Thema zunächst im Ausschuss des Heimatvereins diskutieren. Er selbst ist auch Mitglied im Mühlenverein.

Beim Heimatverein muss auch der gesamte Vorstand für drei Jahre neu gewählt werden. „Die Luft wird immer dünner“, so Elmers ehrliche Aussage. Er erhärtet: „Ich stehe einer Fusion offen gegenüber.“ Allerdings könne er sich vorstellen, dass die Meinungen in der Versammlung gespalten sein werden. Der „gemeinsame Vereinszweck“, der immer wieder genannt werde, sei doch etwas divergent. Da sind auch die Besitzstände: Hier das Mühlen-Areal, dort das Schillerhaus mit den Schätzen des Heimatmuseums, das allerdings nur ganz spärlich frequentiert wird. Vielleicht, wenn der Mühlenverein personell wieder fest im Sattel sitzt, eine neue Herausforderung für den Mediator Peter Traub.

Lothar Schell, Schwäbische Post

 
 
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