Funde in Hülle und Fülle im Museum

Das Heimatmuseum in Oberkochen ist das geschichtliche Domizil der Stadt und des Heimatvereins. Dietrich Bantel hatte Aufbau und Konzept initiiert.

Funde im Heimatmuseum Oberkochen

Die Geschichte der Stadt Oberkochen in einer hervorragenden museumstechnischen Didaktik bietet das Heimatmuseum im Schillerhaus in der Aalener Straße. Dass Oberkochen keine Geschichte habe, wie viele immer wieder behaupten, wird er eines Besseren belehrt. Jeweils am ersten Sonntag im Monat öffnet das Heimatmuseum seine Pforten für die Öffentlichkeit. Es erwarten die Besucher sehenswerte Exponate, den die Ehrenamtlichen mit ihrem Sammlerinstinkt für ihre Geschichtsstube eingebracht haben.

1997 wurde der Oberkochener Heimatverein gegründet. Als Vorsitzender hat der all zu früh verstorbene Dietrich Bantel immenses Herzblut und lokalgeschichtliches Wissen eingebracht. Als „Mann der Geschichte“ hat der Ehrenbürger der Stadt Oberkochen zwischen 1993 und 1997 Aufbau und Konzeption des Heimatmuseums initiiert, um kontinuierlich ein geschichtliches Bild von Oberkochen entstehen und reifen zu lassen. In der Vergangenheit gab es viele Sonderausstellungen mit Lokalcharakter – leider ist es in den letzten Jahren etwas ruhiger geworden. Die Übersichtlichkeit und Transparenz der Raumdidaktik spricht für das Kleinod im Schillerhaus, wobei Oberkochener Geschichte durch eine Fülle von Exponaten, Karten, Bildern und anderen Quellen filigran und nachvollziehbar veranschaulicht wird.

 

Ein Blick in die Räume

Dem Jura der Schwäbischen Alb ist die Ausstellung in Raum eins (Geologie) gewidmet. Das Schwergewicht liegt dabei auf dem in Oberkochen vorkommenden Weißen Jura. Die Frühgeschichte ist in Raum zwei zu Hause – ein besonderer Blickfang ist hier die Tradition der Stadt mit den ältesten Oberkochener Werkzeugen. Besonders hervorzuheben ist auch das Thema „Römerkeller“, den Dietrich Bantel mit seinen Schülern vom hiesigen Gymnasium 1971 freigelegt und konserviert hat. 2021 feiert der Römerkeller seinen 50. Geburtstag. Das Ernst-Abbe-Gymnasium hat eine besondere öffentliche Würdigung signalisiert. Alamannischen Spuren wird im dritten Ausstellungsraum nachgegangen – im sechsten und siebten nachchristlichen Jahrhundert bestand im Bereich des heutigen alten Ortskerns eine alamannische Siedlung. Die Dorfentwicklung ab dem Jahre 1337, der ersten schriftlichen Erwähnung des Orts, wird in Raum vier veranschaulicht – mit Beiträgen wie Hochöfen am Kocherursprung, Schlackenwäsche, Köhlerhandwerk und die Geschichte um die „Bilz und den Bilzhannes.“ Das Hafnerhandwerk war in Oberkochen über dreihundert Jahre lang heimisch. Über dieses Handwerk und den Übergang zu neuzeitlichen Materialien, die dieses Handwerk verdrängten, wird in Raum fünf informiert. Handgeschmiedete Bohrer in Hülle und Fülle gibt es im sechsten Ausstellungsraum zu sehen. 1860 legte Jakob Christoph Bäuerle in Oberkochen den Grundstein für das Bohrermacher-Handwerk, aus dem sich die weltweit bedeutende Oberkochener Holzbearbeitungswerkzeug- und Maschinenindustrie entwickelt hatte. Vom „Dorf zur Stadt“ handelt das Thema in Raum sieben. Dort geht es um die Beschreibung der Entwicklung bis hin zur Stadterhebung 1968, die wesentlich durch die Nachkriegsansiedlung des Unternehmens Zeiss geprägt wurde.

Zur Geschichte der Stadt zählt aber auch die Land- und Forstwirtschaft. Im Heimatmuseum sind Gerätschaften zu bewundern, wie sie bis um die Mitte des letzten Jahrhunderts in Oberkochen im Gebrauch waren. Insgesamt ist das Heimatmuseum geradezu ein Fundus für den Heimat- und Sachkunde-Unterricht – leider zu selten in Anspruch genommen.

Lothar Schell, Schwäbische Post

 
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