Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 760
 

Ein paar Details zu besonderen Lehrern – Teil 9 und Ende

 

Josef Menzl.

Dem Lehrer Menzl wurden bereits die eigenständigen Berichte mit den Nummern 665 und 666 gewidmet. Dazu hat mich jetzt noch eine E-Mail mit seinem weiteren Lebensweg von seinen beiden Söhnen erreicht. Damit können wir den Lebenslauf ihres Vaters nun vervollständigen.

 

Josef Menzl – einst Lehrer in Oberkochen, später in Kirchheim / Teck (Archiv Müller)

 

Erinnerung an Hauptlehrer Josef Menzl – erzählt von seinen Söhnen Werner und Helmut.

So manchem wird unser Vater noch in Erinnerung geblieben sein, der bis 1956 an der Volkschule in Oberkochen unterrichtet hat, und als Gemeinderat und in verschiedenen Vereinen aktiv war. Nach dem 2. Weltkrieg war er als Heimatvertriebener aus dem damaligen Egerland, zusammen mit seiner Frau Maria, nach Oberkochen gezogen. Neben seiner normalen beruflichen Tätigkeit bildete er sich zum Mittelschullehrer fort und bemühte sich schließlich um eine solche Stelle, die er 1956 in Kirchheim unter Teck fand. Im Laufe seines 23jährigen Wirkens unterrichtete er dort eine Vielzahl von Fächern: Deutsch, Englisch, Mathematik, Physik, Chemie, Maschinenschreiben, Stenografie. Es war für ihn anfangs allerdings schwierig, an seinem neuen Wirkungsort eine Wohnung für die Familie zu finden. So bezog er zunächst allein ein möbliertes Zimmer. Nach einem Jahr war eine passende Wohnung gefunden und seine Frau und wir Söhne konnten nachkommen. 1958 erwarb er ein älteres Bauernhaus, das er umbauen und renovieren ließ, wobei auch viel Eigenarbeit notwendig war.

Nachdem an seiner Schule die Stelle des Rektors frei wurde, bewarb er sich um diesen Posten und wurde 1966 zum Schulleiter ernannt. Damit begannen harte Berufsjahre. Die ersten beiden waren gleich Kurzschuljahre, wodurch der Beginn des Schuljahres von April in den September verlegt wurde. Allein der aus dem Rhythmus geratene Schulbetrieb brachte schon einiges an Mehrarbeit mit sich. Mit den geburtenstarken Jahrgängen stieg auch die Zahl der Mittelschüler enorm an. Das Schulgebäude wurde zu klein, einige Klassen wurden daher ausgelagert. Nachdem in einem anderen Stadtteil ein Schulneubau bezugsfertig wurde, ohne dass die dortige Schulleiterstelle schon besetzt war, musste unser Vater für eine Übergangszeit diese beiden weit auseinander liegenden Schulen gleichzeitig leiten. Mit den bescheidenen technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit gelang ihm dabei eine organisatorische Meisterleistung.

Und noch eine Neuerung fiel in diese Zeit. Diese Schulart, zwischen der einer Hauptschule und der eines Gymnasiums wurde nun Realschule genannt. So erhielt die neu erbaute Schule den Namen „Teck-Realschule“, die ältere Schule unter der weiteren Leitung unseres Vaters wurde jetzt zur „Freihof-Realschule“. Neben seinen Aufgaben als Schulleiter übernahm er zu der Zeit auch noch einen Lehrauftrag für Mathematik am damaligen Fachpädagogischen Institut in Kirchheim, das es immer noch gibt, allerdings unter anderem Namen.

In den folgenden Jahren wurden wegen der immer noch ansteigenden Schülerzahlen auf dem Freihof aufwändige Um-, An- und Neubauten notwendig, die Vater mit viel Sachkenntnis und Verhandlungsgeschick initiierte und begleitete. Neben seiner Kompetenz schätzten die Schüler, Eltern und das Kollegium an ihm vor allem seine verständnisvolle, freundliche und umgängliche Art sowie seine Hilfsbereitschaft. Nach seiner Pensionierung im Sommer 1979 verbrachte er einen ruhigen Lebensabend. Er widmete sich der Gartenarbeit und zeigte sich weiterhin am Weltgeschehen und in vielen Bereichen interessiert. Leider machten ihm in den letzten Lebensjahren diverse gesundheitliche Probleme immer stärker zu schaffen. Nach kurzer schwerer Krankheit verstarb unser Vater nach einem prall gefüllten Lehrer-Leben am 11. März 1999 im hohen Alter von 85 Jahren.

 

Horst Riegel (Archiv Rathaus)

 

Horst Hubertus Riegel.

Er kam am 2. Mai 1963 an das hiesige Gymnasium und in einem Vorstellungsbericht finden wir folgenden Daten und Fakten:

Geboren wurde er am 15. Juni 1932 in Breslau. Im Nachbarkreis Trebnitz verbrachte er die Volksschulzeit und die ersten 3 Jahre der höheren Schule, bevor die Vertreibung begann. Die führte ihn nach Regensburg, wo er 1951 seine Reifeprüfung ablegte. Durch ein Austauschstipendium gelangte er an das Lafayette College nach Easton in Pennsylvania, wo er Biologie und Mathematik studierte. Abenteuerlustig machte er sich zwischen dem Ende des Sommersemesters und der Abfahrt von New York auf eine 8-wöchige Tour durch 33 der damals 48 Bundesstaaten. Nach seiner Rückkehr studierte er an Universität Erlangen Biologie, Chemie und Geographie und daneben ein wenig Mathematik. 1958 bestand er in Erlangen das 1. Staatsexamen und 1962 das 2. Staatsexamen in Nürnberg. Ab 1961 ging es auf Schulen in Baden-Württemberg. Als Vertretung auf das Gymnasium für Jungen in Stuttgart-Vaihingen sowie auf das Hohenlohe-Gymnasium in Öhringen. Geheiratet wurde 1960, aber noch ist die Familie getrennt – er in Oberkochen und der Rest der Familie im bayrischen Nördlingen. Aber auch das Problem wurde gelöst. Am Gymmi in Oberkochen war er 24 Jahre lang der stellvertretende Schulleiter.

Auch im Heimatverein war er nach seiner Pensionierung engagiert und das Heimatmuseum im Schillerhaus war sein besonderes Lebenselixier in seiner Freizeit. Dort gab es mit ihm zahllose Führungen und er war ein profunder Kenner der Heimatgeschichte. Jahrelang pochte er bei jeder Hauptversammlung, dass jetzt endlich mal jemand konkret über die Zeiten des III. Reichs in Oberkochen schreiben müsse, aber das traf auf taube Ohren. Die Sache war „oifach z‘ hoikl“. Nachhaltig hat Horst Riegel die museale Didaktik des Heimatmuseums geprägt und sich um Ausstellungen und Sonderausstellungen verdient gemacht. Horst Riegel verstarb am 18. November 2017 im Alter von 85 Jahren.

 

Friedrich Ruoff (Archiv Rathaus)

 

Friedrich Ruoff.

War ein Lehrer, den ich gut kannte, da er anfangs in meiner Nachbarschaft wohnte, schräg gegenüber im Haus Sonnenbergstraße 21 mit Ehefrau Gudrun und den Kindern Thomas und Inga und Karin.

Er stammte aus Heubach, wurde dort am 9. April 1928 geboren und besuchte dort auch die Grund- und Oberschule bis 1943. Die Lehrervorbereitung begann 1943 in Schwäbisch Hall und wurde durch einen kurzen Kriegsdienst und Gefangenschaft unterbrochen. Nach dem Krieg machte er das Abitur und vollendete seine Lehrerausbildung 1953, wo er am Pädagogischen Institut seine 1. Dienstprüfung ablegte. Zuerst ging es dann nach Rüsselshausen bei Bad Mergentheim, bevor er 1957 an die Dreißentalschule kam. Er unterrichte häufig die Klassen 3 und 4, aber auch die Oberklassen in Physik, Chemie und Mathematik. Am 1. Dezember 1966 erfolgte die Ernennung zum Konrektor. Sein 25jähriges Dienstjubiläum konnte er am 6. Juni 1973 feiern.

Lehrer Ruoff war mit seiner Physik AG dafür verantwortlich, dass der heutige Prof. Dr. Thomas Vilgis, trotz seinem damaligen Scheitern bei der Aufnahmeprüfung für das Gymmi in Oberkochen, erfolgreich seinen Weg ging und später eine beeindruckende Karriere hingelegte. Prüfungsaufgaben wie: „Ein Bauer hat für seine 16 Rinder noch Futtervorräte für 105 Tage, als er zwei Rinder verkauft. Wie lange recht der Vorrat jetzt?“ waren nicht die Sache von Thomas Vilgis. Seine Welt war die der Formeln, wie sich später herausstellen sollte, und er damit den Beweis antrat, dass man auch mit Hauptschule Professor werden konnte.

Seit 1987 war er Mitglied im Heimatverein und arbeitete dort emsig im Bereich der Digitalisierung der heimatkundlichen Berichte und dem Aufbau eines digitalen Fotoarchivs. Leider sind die Dinge in die Zeit gekommen und so nicht mehr brauchbar. Er trat im Verein so auf wie sein Wesen war: Bescheiden, liebenswürdig, dabei aber zielstrebig und ausdauernd. Er verstarb am 2. Dezember 2012 im Alter von 78 Jahren. Seine Tochter unterrichtet heute an derselben Schule, an der er einst wirkte.

 

Adolf Schellmann (Archiv Rathaus)

 

Adolf Schellmann.

Stammte aus Oberkochen und war aber nur kurzfristig als Lehramtsanwärter an der alten katholischen Volksschule im alten Schwesternhaus (heute Edith-Stein-Haus) tätig. Seine Eltern besaßen die Schankwirtschaft mit Brauerei in „Dr Schell“, der Bahnhofsrestauration in der heutigen Bahnhofstraße Nr. 3. Er wurde am 19. Februar 1869 geboren. Seine Berufung fand er in der Leitung der Volksschule in Rechberghausen, die er bis zu seiner Pensionierung 1934 leitete. Im Jahr 1954 feierte er seinen 85ten Geburtstag.

 

Kurt Schmieg.

Er legte seine 1. Dienstprüfung im Jahr 1943 an der Lehrerbildungsanstalt in Esslingen ab. Seine erste Stelle fand er 1948 in einer zweiklassigen Schule in Schweindorf auf dem Härtsfeld, deren Schulleiter er ab 1953 war. Seit 1. Januar 1954 war er an der Dreißentalschule und unterrichtete in ununterbrochener Reihenfolge die Klassen 5 und 6 als Klassenlehrer. Wegen seiner vorzüglichen Englischkenntnisse unterrichtete er selbstredend Englisch an der Hauptschule. Der Aufbau und die effektive Umsetzung des Sprachlabors in den Unterricht lag daher auch in seinen Händen. Außerschulisch brachte er den Englischunterricht zur Firma Carl Zeiss und in die Volkshochschule.

Im Jahr 1. August 1976 verließ er Oberkochen und ging als Konrektor an die Grund-, Haupt- und Realschule nach Königsbronn, deren Schulleiter er am 9. November 1983 wurde.

 

Volkmar Schrenk (Archiv Rathaus)

 

Volkmar Schrenk.

Schlechthin das Gesicht und die prägende Gestalt des hiesigen Gymnasiums. Wir schreiben den 6. Februar 1962 als sich folgende Herren zu einer kleinen Feier zusammenfanden:

Bürgermeister Bosch mit Gemeindeammann Bahmann, das überschaubare Lehrer-Kollegium und Regierungsschulrat Dr. Schmid, der Studienrat Volkmar Schrenk die Ernennungsurkunde zum Studiendirektor. Damit begann eine ungeahnte Entwicklung des damaligen Progymnasiums zum heutigen EAG Ernst-Abbe-Gymnasiums.

Im April 1959 wurde die Außenstelle des Schubart-Gymnasiums in der Aalener Straße 19 in eine selbständige Anstalt umgewandelt und zog in das alte HJ-Heim im Turmweg 24 ein. Es erfolgte der Ausbau in eine 6-klassige Schule, die sich bald einen guten Ruf erarbeitete. Das Umfeld in Oberkochen war durch das Zusammenspiel von einer aufgeschlossenen Bevölkerung, einem umtriebigen Bürgermeister, zusammen mit einem engagierten Gemeinderat und der dazugehörigen Verwaltung, äußerst günstig und führte bald zu einem kräftigen Wachstum und Ausbau.

Kaum im Ruhestand, nach 30 Jahren der schulischen Leitung am Gymnasium in Oberkochen, bekam er von Landrat Dr. Winter am Vorabend seines 63. Geburtstages das Bundesverdienstkreuz verliehen. In seiner Laudatio führte der Landrat aus, dass es Hr. Schrenk nie darum ging, berühmt zu werden oder Aufsehen zu erregen, seine Intention war schulisch etwas zu erreichen, das Gymnasium auf eine hohe Stufe hinzu entwickeln und sich für seine Mitmenschen einzusetzen. 30 Jahre lang war er „Chef“ und führte die Schule vom Turmweg bis zum Tierstein – ein Werk, das sich bis heute sehen lassen kann. Selbstredend unterrichtete er auch sein Lieblingsfach Mathematik – „was zu beweisen war“ (sein Spruch, den ich nie vergessen werde, denn den mussten wir unter jede geometrische Aufgabe als Abschlusssatz schreiben). Zudem war der Schulchor eine Herzensangelegenheit für ihn und zusammen mit Otto Fischer brachten sie wirklich Außergewöhnliches zustande.

Nicht genug Aufgaben? Er fand noch Zeit sich 14 Jahre im Gemeinderat einzubringen. Der Schüleraustausch mit der französischen Partnergemeinde Dives-sur-Mer musste Jahr für Jahr organisiert werden. Mitglied im Kirchengemeinderat und Leiter des evang. Kirchenchors waren ihm wichtige Aufgaben in der Gemeinde sowie ein engagiertes Arbeiten im Heimatverein mit 116 interessanten heimatkundlichen Berichten. Kurz ein imposanter Mensch, der große Fußstapfen hinterlassen hat, wie der Nachfolger feststellen durfte. Geboren wurde er am 13. Januar 1927 und gestorben ist er am 14. April 2007 im Alter von 80 Jahren.

 

Wolfgang Schwab.

Der Physiklehrer unseres Gymnasiums begann ebenfalls im Jahr 1961 als Assessor seine Laufbahn in unserer Stadt. Geboren wurde er im Jahr 1932 in Möckmühl im Kreis Heilbronn. Die Eltern zogen 1940 über Uhingen nach Göppingen, wo er die Volksschule und das Hohenstauffen-Gymnasium besuchte. Nach dem 1952 abgelegten Abitur ging er an die Technische Hochschule Stuttgart und belegte die Fächer Physik und Mathematik. Nach der 1. Staatsprüfung war er an Gymnasien in Ludwigsburg und Esslingen tätig. Am 18. September 1965 wurde er zum Studienrat befördert und unterrichtete Physik und Mathematik. Inzwischen verstarb auch er am 7. Aug. 2022.

 

Albert Seckler.

Einer der jungen modernen dynamischen Assessoren, die in den 60er Jahren ans Progymnasium nach Oberkochen kamen. Er wurde am 10. September 1937 in Gotha geboren. Die Familie zog umgehend nach Stuttgart-Vaihingen. Der Vater starb jedoch 1941 in Russland. Seit 1944 wohnte die Familie in Ellwangen und so besuchte er auch dort das Peutinger-Gymnasium von 1947 bis 1956. An den Universitäten Tübingen, Mönchen und Freiburg studierte er Latein, Griechisch und Geschichte. Das 1. Staatsexamen absolvierte er in Freiburg. Danach ging es an das Georgii-Gymnasium nach Esslingen und bis 1963 an „sein“ Gymnasium zurück nach Ellwangen.

Studienfahrten 1958 und 1963 führten ihn nach Italien und Griechenland. Seit 1. März 1963 unterrichtete er in Oberkochen die Fächer Latein, Deutsch und Geschichte.

1983 feierte der Gymnasialprofessor sein 25jähriges Dienstjubiläum. Schulisch engagierte er sich als Fachberater und als Multiplikator bei der Lehrplanreform sowie als Beratungslehrer, Personalvertreter und Pressereferent. Da er bei uns Griechisch nicht unterrichten konnte, absolvierte er eine Weiterbildung zur Lehrbefähigung der katholischen Religion. Überörtlich war der Verstorbene als Referent und Leiter von Fortbildungen für Gymnasiallehrer und Schulleiter tätig. Zudem war er Mitglied verschiedener Kommissionen des Oberschulamts. Nicht wenige seiner Schüler erinnern sich noch gerne an seine Rom-Fahrten, die er mit seinen Klassen unternahm.

Am 19. Juni 1964 übernahm er als Nachfolger von Rektor Hagmann das örtliche Bildungswerk, später VHS genannt und leitete diese bis 1974. Zudem brachte er sich außerordentlich engagiert in der katholischen Kirchengemeinde ein. Auch als Autor des mehrfach aufgelegten Oberkochen-Buches und im Heimatbuch können wir seine Spuren finden. Er verstarb am 23. September 2011 im Alter von 74 Jahren.

 

Udo Streu (Archiv Rathaus)

 

Ulrich Streu

wurde am 6. Dezember 1937 in Danzig geboren. 1952 fand er, zusammen mit Schwester und Mutter, eine neue Heimat. Das Abitur legte er am Hellenstein-Gymnasium ab. Die 1. Dienstprüfung legte er am PI in Schwäbisch Gmünd ab, unterrichtete dann ein Jahr lang an der Bohl-Schule in Aalen. Es folgte eine Zeit in Heuchstetten, wo er zwei Jahre lang Kinder aller neun Schuljahre in einem Klassenraum unterrichtete. In dieser Zeit lernte er Constanze Armbruster kennen, die in Gerstetten unterrichtete. Nach Absolvierung der 2. Dienstprüfung wurde im Frühjahr 1965 geheiratet. Es folgte die Versetzung für beide an die zweiklassige Volksschule Ochsenberg. 1969 wurde er Schulleiter und Rektor der Grund- und Hauptschule Bondorf bei Böblingen. Seit 1. Dezember 1971 agierte er in Oberkochen als Nachfolger von Georg Hagmann. Die damalige Einsetzungsfeier wurde von Oberstudienrat Otto Fischer mit seinem Chor umrahmt.

Am 3. Februar 1984 endete seine Zeit in Oberkochen, denn er wurde vom Minister in Stuttgart als stellvertretender Leiter des Seminars für schulpraktische Ausbildung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen in Lörrach bestellt. In den Reden, die diesem Abschied gehalten wurde, ging es immer wieder um eines: Er war wohl ein ungewöhnlicher, nahezu unheimlich, dynamischer Rektor, der viel bewegte und erreichte. In diesen 13 Jahren, in die viele Reformen fielen, bedurfte es wohl eines solchen Rektors, um die Schule so umzugestalten, dass sie am Ende „gut dastand“ und einen guten Ruf hatte. Obwohl er nur eine schlichte Abschiedsfeier wollte, wurde dieser Abschied dann doch angemessen, mit allem Drum-Herum zelebriert.

 

Rudolf Thiem.

Auch er gehörte zu den Männern der sog. Ersten Stunde am hiesigen „Gymmi“. Geboren wurde er am 2. Oktober 1928 in der Gemeinde Ribnik (Bezirk Olmütz, heute Olomouc) im Sudetenland (dem heutigen Rybnik in Tschechien). Dort besuchte er die Volksschule und später das Gymnasium in Mährisch-Neustadt (heute Unicov Tschechien). 1944 musste auch er mit 16 in den Krieg ziehen und kam anschließend in Kriegsgefangenschaft und Internierung in Böhmen. Danach kehrte er nach Ribnik zurück und im Herbst 1946 landete er zusammen mit seiner Mutter in Baden-Württemberg und musste erstmal wieder auf die Schulbank, um das Versäumte nachzuholen und 1951 in Stuttgart das Abitur zu machen. Sein Vater kam erst 1954 aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause. Es schloss sich ein Studium in Tübingen und Freiburg an. Ab 1956 unterrichtete er als Referendar und Assessor an den Gymnasien in Schorndorf und Fellbach die Fächer Deutsch, Englisch und Latein. Am 23. August 1963 wurde er zum Studienrat ernannt und unterrichtete in Oberkochen Deutsch, Englisch und Erdkunde. Nach 25jähriger Lehrtätigkeit ging er krankheitsbedingt in den Vorruhestand. Er war Fachleiter für Deutsch und Englisch und war intensiv mit der Oberstufenreform am EAG in Oberkochen befasst.

Er wohnte erst in Oberkochen und später in Ochsenberg. Die Philatelie war eines seiner Steckenpferde – hier machte er sich in Fachkreisen einen Namen als Motivsammler.

Privat engagierte er sich bei den Sudetendeutschen, schrieb Berichte in der monatlichen Zeitschrift für die Sudetendeutschen (der Sternberger Heimatpost) und organsierte häufig die regelmäßigen Treffen „seiner Ribniker“, oft in Ochsenberg und einmal sogar in Unicov, wo er einst zur Schule ging. Nachdem er sein altes Gymnasium mit englischer und deutscher Literatur versorgte, bot man ihm sogar an als „Gast“ in seinen Fächern vor Ort zu unterrichten. Über seinen Heimatort Ribnik erstellte er eine Ortschronik.

Völlig außergewöhnlich die Liebe zum japanischen „Haiku“. Er veröffentlichte häufig eigene Haikus und thematische Abhandlungen darüber, über die „Deutsche Haiku-Gesellschaft e.V.“ in der Deutschen Haiku-Zeitschrift.

Japanische Haiku bestehen meistens aus drei Wortgruppen von 5 – 7 – 5 Silben. Im Deutschen werden Haiku meist dreizeilig geschrieben. Nachstehend zwei Veröffentlichungen von Rudolf Thiem:

Er starb am 20. April 2008 in Dossenheim im Alter von 79 Jahren kurz bevor ich ihn besuchen konnte. Er hinterließ seine Frau Ursula, die beiden Kinder Klaus und Helga und 5 Enkel.

 

Franz Uhl.

Nachdem die Schulleiterstelle an der Tiersteinschule nach dem Abgang von Anton Nuding ein halbes Jahr vakant war, bekam sie einen neuen Schulleiter – den Uhla-Franz aus Oberkochen. Er absolvierte nach einer Ausbildung zum Speditionskaufmann auf dem zweiten Bildungsweg das Lehramtsstudium an der Gmünder PH. Nach Schulstellen in Heidenheim, Aalen und an der Dreißentalschule wurde Uhl 1986 zum Rektor der Tiersteinschule berufen und er bekleidete dieses Amt bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2013. Gradlinig wie er ist, war es sein Ziel, mit 63 aufzuhören und auch all die Ehrenämter anzugeben und es einfach mal ruhiger im Kreis der Familie angehen zu lassen. „Einmal Freiheit und das Häusle am Meer in Spanien genießen, wie ich sie wohl zeitlebens noch nie hatte“ das wollte er. Auch wenn Covid 19 das ein oder andere nicht zuließ, ich bin sicher, er genießt seine freie Zeit ausgiebig.

 

Außerhalb der Schule war in vielerlei Hinsicht in der Gemeinde und im Kreis tätig (Kein Anspruch auf Vollständigkeit, denn wer hat schon den kompletten Überblick – nur er 😊:

Das alles kann man auch erreichen „wenn man im 70. Lebensjahr noch im selben Haus wohnt, in dem man geboren wurde“, wenn man es einfach nur oft genug verlassen hat.

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Das Uhl’sche Haus in der Heidenheimer Straße, Geburts- und Wohnhaus von Franz Uhl (Archiv Müller)

 

Gerade von diesem, seinem Geburts- und Wohnhaus aus (einst mit einer Miste vor dem Haus, im Amtsdeutsch Dunglage genannt), konnte er die ganzen Veränderungen in Oberkochen sehen und verfolgen. Wie sich die bäuerliche Gemeinde, durch die noch 1945 die Panzerkolonnen der US-Armee donnerten und die GI’s den Kindern am Straßenrand mit Kaugummis und Trockenmilchpäckchen zuwarfen, im Laufe der Jahrzehnte entwickelte und heute ein weltweit bekannter Standort für Hochtechnologie geworden ist.

 

Helmut Wagner.

Ihm war nur ein kurzes Leben vergönnt, aber viele erinnern sich noch an ihn. Am 15. April 1976 verstarb er nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von nur 33 Jahren. Die Schüler und Kollegen waren geschockt und konnten es kaum glauben. Er war seit 1966 Werklehrer und Sporterzieher an der Dreißentalschule und ob seiner toleranten kameradschaftlichen Art äußerst beliebt. Seine Liebe galt dem Volleyball und mit großem Engagement setzte er sich dafür ein, dass die Erlasse für den Sportunterricht umgesetzt wurden und dass er modernisiert wurde. Und so kämpfte er mit seinen Schülern dafür, dass dieses Fach auch eine Wertschätzung an der Schule erhielt. Er setzte es durch, dass seit 1972 die Klassen 8 und 9 nicht mehr im Klassenverband sondern in Neigungsgruppen unterrichtet wurden. Unter seiner Führung wurde die Volleyball-Mannschaft seiner Schule württembergischer Schulmeister und seine Mannschaft siegte auch oft bei „Jugend trainiert für Olympia“.

 

Kollegium Dreißentalschule im Jahr 1965 (Archiv Müller)

Untere Reihe sitzend: Braun, Kny, Forster, Hagmann, Geiger, Timm, Herrmann, Westphal
Mittlere Reihe stehend: Zielonka, Erben, Ulmer, Börner, Bischler, Wientzek, Jensen, Lindner, Batzill, Holz, Gradner, Heitele, Ruoff
Hintere Reihe stehend: Jungk, Burghard, Kalmbach, Ulrich, Schmieg, Happ, Franz, Nowotny, Seel, Gunzenhauser, Heller

 

Abgesang.

Basta, Aus und Ende. Das war’s jetzt definitiv mit Schulen und Lehrkräften. Wer jetzt noch nicht genug hat, kann sich ja mal wieder die „Feuerzangen-Bowle“ anschauen, die im Fernsehen in der Winterzeit todsicher wieder als 127te Wiederholung zu sehen sein wird.

So Müller, setzen: 2+ für’s Schreiben und 1+ mit Sternchen* für’s Recherchieren und Sammeln.

 

Abschließend noch zwei Sprüche.

Zuerst der für erfolgreiche Lehrer. Konrad Lorenz gab zum Besten: „Ich habe meinen Schülern beigebracht, dass sie mir kein Wort glauben dürfen, sondern alles selbst nachprüfen müssen“. (Das hat allerdings genau so der Buddha auch schon gelehrt!) S koscht halt viel Zeit 😊.

Wenn der Lehrer in seinem Bemühen nicht so erfolgreich war, konnte ein Unterrichtsdialog schon einmal so verlaufen: „Wer kann mir die Weinsorte nennen, die am Fuß des Vesuvs wächst?“ „Ganz einfach“, sagt Peter „Das ist der Glühwein 😊!“ Da ist manchmal halt Hopfen und Malz verloren – auch beim Wein.

 

Liebe LeserInnen dieser heimatkundlichen Reihe.

Mit diesem Bericht Nr. 760, dem letzten aus der 9teiligen Serie über „Schulen und ihre Lehrkräfte“ geht etwas zu Ende, was so nicht hätte sein müssen.

Ich will hier nicht näher auf die Gründe eingehen, denn diese sind vereinsintern und müssen dort auch gelöst werden. Ich habe die Hoffnung, dass es irgendwie, vielleicht in anderer Art und Weise, weitergehen kann – sicher bin ich aber nicht. Aus vielen Rückmeldungen zu den Berichten weiß ich, dass diese Reihe, die Dietrich Bantel einst begonnen hatte, viel Anklang in der Leserschaft gefunden hat und auch die Veröffentlichungen im Internet und auf Facebook fanden regen Zuspruch.

Ich hatte die Ehre und Freude mit 120 Berichten in 16 Jahren zum Erfolg der Reihe „Oberkochen – Geschichte, Landtag, Alltag“ beitragen zu dürfen.

Ich sage DANKE für die lange Treue und hege die Hoffnung, dass bis Jahresende die notwendigen Entscheidungen getroffen sein werden.

 

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 

 
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