Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 759
 

Ein paar Details zu besonderen Lehrern – Teil 8

Unsere Lehrer.

Nach den Damen kommen nun die Herren. Was auffällig sein wird – über die männlichen Lehrkräfte wird mehr zu berichten sein, da es mehr Männer gab und die Berichterstattung umfangreicher war. Dann schauen wir mal was ich so gefunden habe. Auch hier wende ich die Sortierregel A-Z an und wenn jemand nicht aufgeführt ist, so ist das nicht mangelnder Respekt, sondern Mangel am Recherchematerial. Los geht’s:

 

Dietrich „Didi“ Bantel (Archiv Homepage)

 

Dietrich Bantel.

Geboren wurde er am 25. Juli 1935 in Stuttgart. Als jungen Lehrer verschlug es ihn 1962 ans Gymnasium Oberkochen, wo er bis 1995 Lehrer für Bildende Kunst und Englisch gewesen ist und sich bei den Schülern einer veritablen Beliebtheit erfreute. 1974 wurde er zum Gymnasialprofessor ernannt.

Auch die klassische Musik war ihm in Anliegen. Er leitete als erster Geiger ein Streichquartett, das wöchentlich in seiner Wohnung probte. Schule war ihm aber nicht genug. Er war umtriebig und hat sich vielfältig ins Gemeindeleben eingebracht. Sei es in der Kommunalpolitik als Gemeinderat für die BGO (heute: Freie Bürger Oberkochen FBO) von 1968 bis 1993. Als treibende Kraft 1971 bei der Ausgrabung des Römerkellers mit „seinen“ Schülern, bei der Gründung des Heimatvereins und dem Aufbau des Heimatmuseums (1987 bis 2008). Ab 1984 arbeitete er auch als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes. Auch das 1986 erschienene „Heimatbuch“ hätte wohl ohne ihn nicht das Licht der Welt erblickt. Immer an vorderster Front und so erhielt er im Laufe der Jahre einige Ehrungen:

 

 

Bis zu seinem Tod waren ihm der Heimatverein, der ihn nach dem Vorstandwechsel zum Ehrenvorsitzenden ernannte, und die Kontakte zu seinen ehemaligen Schülern, im Besonderen zum sog. „Sechser-Club“, ganz besonders wichtig.

Zwei heimatkundliche Berichte sind zu erwähnen, in denen er einiges über sich erzählte: Im Bericht 600 schildert er „Wie ich nach Oberkochen kam“ und im Bericht 615 erzählt er „Über das Kinderfest und den Kessel“.

 

Gottlob Braun (Archiv Rathaus)

 

Gottlob Braun.

Der Mann war eine Institution und überaus lange am selben Ort – seinem Oberkochen. Geboren wurde er am 1. September 1901 in Dornstetten im Schwarzwald und gestorben ist er am 23. Juli 1984 im Alter von 82 Jahren. Dazwischen lag ein reich gefülltes Leben als Pädagoge. Im Jahr 1967 versammelte sich zu seinem Abschied in den Ruhestand alles was Rang und Namen hatte, um ihm den Respekt zu erweisen, den er sich in Oberkochen, auch außerhalb der Schule erworben hatte. Nach 42 Jahren als Lehrer war aber noch nicht Schluss, denn er arbeitete auf Bitten der Schule noch bis 1975 nebenamtlich in den Fächern Musik und Religion. Also hat der Mann letztendlich 50 Jahre lang als Pädagoge gearbeitet.

Er besuchte die Volksschule, das Gymnasium und die Aspirantenschule, bevor er von 1916 bis 1922 das Lehrerseminar in Nagold absolvierte. Nach einigen harten Jahren bekam er 1925 die erste Anstellung als Praktikant. Es schlossen sich die damals üblichen Wanderjahre eines Lehrers an. Sein Weg führte ihn nach Garrweiler, Dornhan, Grömbach und Freudenstadt bevor er 1934 mit seiner jungen Familie nach Oberkochen kam und als Schulleiter in das damalige evangelische Schulhaus (mit einer Klasse für alle) in der Aalener Straße 19 zog (heute Heimatmuseum). 1936 wurden die katholische Schule aus dem Schwesternhaus und seine evangelische Schule zusammengelegt und es entstand die Dreißental-Volksschule (der Backsteinbau, auch „Fuchsbau“ genannt), an der er bis 1954 als Klassenlehrer fungierte. Am 12. Oktober 1954 erfolgte seine Ernennung zum Konrektor.

Während des II. Weltkrieges wurde er für ein Jahr an die Hauptschule in Schorndorf abgestellt. Während dieser Zeit zog er sich während eines Dienstunfalls beim Skilaufen eine Verletzung zu, deren Folgen ihn wohl sein Leben lang begleitet haben. Seine besondere Liebe galt den musischen Fächern und so bereicherte er auch viele Schulfeste mit Flötengruppen und Schülerchor. Im privaten Bereich engagierte er sich stark im Schwäbischen Albverein und dem Bund für Vogelschutz. Unvergessen sind seine regelmäßigen Berichte im Amtsblatt über die Flora auf dem Volksmarsberg und rund um Oberkochen. Auch im Kirchengemeinderat war er tätig, ebenso wie als Chorleiter und Organist. Er hatte ein Gespür für das Echte. Leeres Geschwätz, Pathos und Oberflächlichkeit waren ihm zuwider.

 

Dr. Sigurd Enders.

Er wurde am 8. Februar 1926 in einer Kolonisten-Siedlung in Galizien (heute Süd-Polen und West-Ukraine geboren. Den größten Teil seiner Jugend verbrachte er jedoch in Bielitz, wo er das Volks- und Gymnasium besuchte. In den letzten beiden Kriegsjahren wurde er Soldat, geriet in amerikanische Gefangenschaft, aus der er sich einen Tag später davonmachte. Mit diesem Trumpf in der Hand, konnte er gegenüber vielen anderen, frühzeitig sein Studium an der Karl-Franzens-Universität in Graz in Österreich aufnehmen. Dort legte er auch seine Staatsprüfung ab und promovierte im Folgejahr. Eine Aufnahme in den österreichischen Staatsdienst war wegen seiner deutschen Staatsangehörigkeit unmöglich, deshalb begann er seine berufliche Laufbahn in Rheinland-Pfalz und war zuletzt in Frankenthal tätig, bevor er zu uns kam. Er betrieb seine Versetzung nach Oberkochen aus gesundheitlichen Gründen und meinte bei seiner Vorstellung: „Wenn mich nicht alles täuscht, ist Oberkochen eine Versetzung wert.“

Da füge ich hinzu, dass das aber nicht so war. Er wurde hier nicht glücklich. Die Schüler und er kamen miteinander nicht zurecht. Sein Unterricht war, sagen wir mal „nicht zeitgerecht“. Oft wurde er zur Zielscheibe von Streichen und grenzwertigen Boshaftigkeiten bis hin zum „Schalten seiner eigenen Todesanzeige“. Da war das Maß für ihn sicher voll und er verließ Oberkochen. Obwohl er ständig kränkelte, ist er doch einer der ältesten geworden. Wohnhaft im Haag am Hausruck in Oberösterreich – wenn er noch lebt, dann ist er inzwischen 96 Jahre alt, was wiederum belegen würde, dass kränkelnde Menschen nicht selten sehr alt werden. „Inzwischen hat mir sein Sohn Ulrich mitgeteilt, dass er am 2. Okt. 2013 gestorben ist.“

 

Albrecht Gunzenhauser.

Ein wahres pädagogisches Schwergewicht unter all den Oberkochner Lehrkräften, der seinen beruflichen Bogen bis hin zum Schulrat schlug. Er stammt aus einer kinderreichen Familie aus Ulm-Söflingen und absolvierte dort auch einen Großteil seiner Schulzeit. Seine 1. Dienstprüfung legte er 1952, wie viele andere auch, am damaligen Pädagogischen Institut in Esslingen ab und begann seine Laufbahn an der Knabenvolksschule in Ellwangen. Am 1. September 1953 erfolgt die Versetzung als 22jähriger Junglehrer an die Schule im Dreißental. Am 3. November 1965 wurde die Tiersteinschule eingeweiht. Er leitete die Schule ab dem ersten Tag kommissarisch und erhielt zum 23. September 1966 die Ernennungsurkunde zum offiziellen Rektor und Schulleiter.

1976 konnte er sein 25jähriges Dienstjubiläum feiern. Dr. Saller vom Schulamt Gmünd lobte seinen Sachverstand und sein Engagement für „seine“ Schule sowie seine positiven Bande, die er zwischen den Oberkochner Schulen und Kollegien sowie den Eltern und Schülern knüpfte. Als Seminarleiter lag ihm immer eine praxisnahe Ausbildung der Junglehrer am Herzen. Aus den häufigen Reformplänen der damaligen Zeit versuchte er das „Machbare“ umzusetzen und so bekam die Tiersteinschule im Laufe der Jahre einen sehr guten Ruf. Von Seiten der Eltern hieß es, dass die Kinder gerne in die Schule gingen und das ist schon ein Prädikat.

Außerhalb der Schule engagierte er sich in der evangelischen Kirchengemeinde, sowie als Leiter des Kirchen- und des Posaunenchores.

Am 23. März 1981 versammelte sich alles was Rang und Namen hatte, um ihn von seiner Tiersteinschule zu verabschieden. Nein, noch nicht in den Ruhestand. Er wechselte die Seiten und wurde Schulrat beim Staatlichen Schulamt in Schwäbisch Gmünd mit Schwerpunkt für die Grundschulen in Schwäbisch Gmünd und Lorch.

 

Georg Hagmann (Archiv Rathaus)

 

Georg Hagmann.

Zum 28. April 1954 wurde die Stelle des Rektors, die bis dato Herr Maikler innehatte, an der Volksschule im Dreißental neu besetzt. Aus dem Lehrerkollegium machte sich der eine oder andere Hoffnung auf diesen Posten, aber er wurde mit einem Auswärtigen besetzt. Dr nui Rektor kam also vom Härtsfeld, aus Ebnat.

Geboren am 5. Oktober im Jahr 1906 aus Ummendorf im Kreis Biberach. Er besuchte die dortige Volksschule und absolvierte anschließend das Gymnasium in Ellwangen. Die 1. Dienstprüfung absolvierte 1931 er nach dem einjährigen Besuch der Lehrerbildungsanstalt in Schwäbisch Gmünd. Nach Aufenthalten u.a. Schnürpflingen, in Grünkraut, in Burgrieden, in Zuffenhausen, in Äpfingen legte er die 2. Dienstprüfung in Matzenbach ab. In Ingoldingen heirate er und 1943 ging es mit der jungen Familie nach Ebnat. Zwischen 1939 und 1947 gibt es bei der Durchsicht der beiden Berichte im Amtsblatt (zur Amtseinführung und zur Pensionierung) ein paar Unklarheiten. Einerseits wird vom Dauereinsatz, während einer 8jährigen (!) gesamten Kriegszeit (da wurde die Gefangenschaft einfach miteingerechnet), überwiegend an der Front berichtet, andererseits wurde er 1943 zum Schulleiter (bis 1954) in Ebnat befördert. Wie auch immer, die meiste Zeit des Krieges verbrachte er in Finnland und nach dem Krieg bis 1947 in französischer Gefangenschaft.

Von 1950 bis 1954 leitete er (jetzt aber richtig) die damals vierklassige Volksschule in Ebnat. Dem Zeitgeist entsprechend findet sich im Begrüßungsbericht im Amtsblatt eine größere Abhandlung zu den Themen ORDNUNG und UNTERORDNUNG sowie LEISTUNG. Wichtig war ihm wohl auch, dass gute Schüler nicht durch schlechte Schüler in ihrer Entwicklung gehemmt werden dürfen. Jahrzehnte später ist das etwas anders geworden. Vielleicht auch ein Indiz dafür, dass heute immer mehr Eltern, so sie es finanziell vermögen, ihre Kinder auf eine Privatschule schicken.

Auch kulturell hinterließ er in unserer Gemeinde seine Spuren. Von 1958 bis 1964 war er Leiter des hiesigen Bildungswerks. Daneben betreute er bis zu seinem Wegzug die Schmalfilmfreunde und prägte auch den Theaterring sehr stark. Jahrelang war er auch Personalratsvorsitzender im Bezirk Aalen sowie im Ausschuss des Kreislehrerverbandes tätig. 1971 zog er mit seiner Frau in das umgebaute elterliche Haus in Ummendorf und so schloss sich sein Lebenskreislauf.

Eines seiner Lieblingsprojekte war das Kinderfest und hier besonders die Version „Volkmarsberg“. Ganz wichtig waren ihm immer die unvergesslichen Lieder zu Beginn des Festes „Geh‘ aus mein Herz und suche Freud…“ und zum Abschluss des Festes am Waldrand an der Brunnenhalde „Kein schöner Land in dieser Zeit….“. Ich erinnere mich aber noch gut, an mein letztes Kinderfest mit ihm, als er fast schon allein am Waldrand stand, so gut wie keiner mehr stehen blieb, um DAS LIED zu singen. Die Zeiten begannen sich zu ändern und das „Fest der Feste auf dem Hausberg“ verschwand dann auch nach und nach – letztendlich ein paar Jahre nach ihm – im Jahr 1979.

Es ist sehr interessant, im Jahr 1954 einmal einen detaillierten Blick auf die damaligen Klassen zu werfen. 13 Lehrkräfte unterrichten 13 Klassen. Das waren deutlich andere Zeiten – kaum mehr vorstellbar, aber es ging, wohl auch weil Schüler und Lehrer und die Zeit anders waren:

Summa summarum 626 Schüler

 

Rudolf Heller.

Ein Lehrer der besonderen Art. Er war zunächst an verschiedenen Grund- und Hauptschulen in Nordwürttemberg tätig, bevor er 1956 nach Oberkochen kam. Im Laufe der Jahre wollte er es nochmal wissen und setzte sich, unter großen persönlichen Opfern, wieder auf die „Schulbank“, um eine Fachgruppenprüfung erfolgreich zu bestehen, um dann 1969 auf das Oberkochner Gymnasium zu wechseln. Seine Fächer, die er dort unterrichtete waren Bildende Kunst, Musik und Ethik. Die Fächer „Technik und Werken“ wurde an der Schule stark von ihm geprägt und die Arbeiten seiner Schüler gewannen zahlreiche Preise und Auszeichnungen. So durfte der engagierte Oberstudienrat Heller 1987 sein 40jähriges Dienstjubiläum feiern.

Darüber hinaus kannten wir ihn als langjährigen Organisten der katholischen St. Peter und Paul-Kirche sowie als emsigen Organisator und Antreiber für die berühmten Kinderfeste und die Weihnachtsfeiern für die Senioren in unserem Ort. Wie man liest, unterrichtete er in seiner langen Laufbahn wohl um die 3.000 Schüler. Das ist schon eine Hausnummer. An der Dreißentalschule wirkte er 16 und am hiesigen Gymnasium 20 Jahre. Auch die Ölmalerei mit verschiedenen Techniken, in denen er versuchte, sein Wesen auszudrücken, war ihm eine Herzensangelegenheit.

Er hätte so viel aus „alten Zeiten“ zu erzählen gehabt. Trotz mehrerer Versuche meinerseits, war er dazu leider nicht zu bewegen und so blieb es bei gelegentlichen Gesprächen während der Freitags-Sauna, bei der er immer (solange es eben noch ging) ein gern gesehener Gast war. Und so ist es eben in dieser Berichtsreihe: „Schüler erzählen gerne, Lehrer eher nicht.“

 

Alfons Herrmann.

Auch diese Lehrerfamilie wohnte anfangs, ab 1957, im Lehrerhaus Sonnenbergstraße 21; Ruoffs im ersten Stock und Hermanns (Ehefrau Elisabeth und die Töchter Mechthild, Roswitha und NN) im EG. Er unterrichtete bis 1966 an der Dreißentalschule, bevor er an die Tiersteinschule wechselte und dort 13 Jahre Unterricht erteilte und 1979 als Konrektor in den Ruhestand ging. Dort lehrte er auch das Fach Religion.

Neben der Schule war er von 1962 bis 1975 Mitglied im örtlichen Gemeinderat. Dem katholischen Kirchengemeinderat gehörte er seit 1962 an. Er starb 21. Juli 1989 im Alter von 73 Jahren.

 

Hans-Jürgen Herrmann.

Noch einer der 60er-Jahre-Assessoren, der in Oberkochen heiratete, lehrte und im Dreißental heimisch wurde. Er kommt aus „Hoarna“ oder „Hoidna“ – sprich Heidenheim, ging dort auf das Hellenstein-Gymnasium, um es 1960 mit dem Abitur in der Tasche zu verlassen. Es zog ihn an die Universitäten in Tübingen und Freiburg, wo er die Fächer Französisch, Geschichte und Geographie belegte. Er unterbrach die Studienzeit, um das Schuljahr 1962/63 als Deutsch-Assistent am Lycee Anatole-le-Braz in ST. Brienc (F) zu verbringen. Dieser Aufenthalt sowie weitere Reisen ab 1958 nach Frankreich vertieften seine Kenntnisse über Kultur, Sprache und Land des Nachbarlandes. Während der Studienzeit war er zeitweise in der Jugendarbeit in Deutschland und Frankreich tätig. Seine erste Stelle in Deutschland fand er am Freihof-Gymnasium in Göppingen. Nach der 2. Dienstprüfung kam er in unsere Gemeinde. Verheiratet ist er praktischerweise mit einer Lehrerin – Gisela Herrmann geb. Fischer (ur-oberkochnerisch aus dem Dreißental) – da fällt das gegenseitige Verständnis für die Anforderungen des Lehrerberufes nicht so schwer. Wir Schüler mussten uns erst an den dynamischen französisch-sprechenden Assessor gewöhnen – hatten wir doch vorher einen eher gemütlichen deutsch-französischen Unterricht bei Otto Krug genossen. Auch die Stadt und der Partnerschaftsverein benötigten seine Sprachkenntnisse, wenn Gäste aus Dives-sur-Mer bei uns weilten.

 

Siegfried Höfel.

Ein geliebter und verehrter Lehrer, der Grundschule und obere Klassen konnte. Im Jahr 1958, am Samstag, den 8. November, im Alter von 38 Jahren, erlitt er mitten im Unterricht einen Schlaganfall und verstarb kurz danach. Auch wenn er nur 7 Jahre im Dreißental tätig war, so hinterließ er doch Spuren und seine Namen taucht heute noch oft in Erinnerungen der damaligen Schülerschaft auf. Er hatte eine harmonische liebenswerte Art, die auch das Kollegium schätzte.

Sein Lebensweg war der typische eines Heimatvertrieben seiner Generation. Geboren wurde er am 30. März in Seimeny in Bessarabien (heute zu Moldau und Ukraine gehörig), wo er auch die Volksschule besuchte. Von 1932 bis 1936 besucht er ein Lehrerseminar, darunter auch 3 Jahre lang ein Knabengymnasium, um sich auf den Beruf des Lehrers vorzubereiten. Seine erste Anstellung bekam er in Andrejewka (heute Ukraine), die aber durch den Kriegsbeginn abrupt beendet wurde und er in den Krieg ziehen musste. Er geriet 1945 in englische Gefangenschaft. Zwischenzeitlich fand seine vertriebene Familie in Aalen ihre neue Heimat. In Aalen-Unterrombach war er von 1947 bis 1949 als Hilfslehrer tätig, bevor er sich von 1949 bis 1951 auf das Pädagogische Institut in Schwäbisch Gmünd begab. Nach Ablegung der 1. Dienstprüfung ging er als Stellvertreter (heute würde man wohl Springer sagen) an die Volksschule Unterkochen. 1951 kam er nach Oberkochen, wo er 1956 eine dauerhafte Anstellung bekam und 1958 war sein Lebensweg bereits zu Ende.

 

Anton Hölldampf (Archiv Rathaus)

 

Anton Hölldampf.

Ein Name, der nach Energie klingt. Er war mein Nachbar und bewohnte das Lehrerhaus im Sonnenberg mit der Hausnummer 23. Von 1952 bis 1961 war er an der Dreißentalschule tätig, bevor er am 1. April 1961 auf eigenen Wunsch nach Heubach versetzt wurde. Er unterrichtet im Dreißental ausschließlich die Oberklassen, von denen es im Abschiedsbericht hieß, dass es „eine schwere Aufgabe war, für die Jungs in diesem schwierigen Alter Lehrer und Erzieher zu sein“. Außerhalb der Schule hat er sich sehr stark für den Aufbau der Gemeindestelle des Bundesluftschutzverbandes engagiert. Die Soldaten- und Kriegerkameradschaft durfte 1957 wieder gegründet werden und als Nachfolger von Karl Elmer fungierte er bis zu seinem Abschied aus unserer Gemeinde. Ich empfand ihn als sehr angenehmen Nachbarn mit seiner netten Ehefrau Klara, die uns Kinder oft mit Bananenmilch versorgte, die sie in einer modernen amerikanischen Küchenmaschine herstellte. Ein weiterer Bewohner des Hauses war ein großer ruhiger Hund mit weißem Fell und hörte auf den Namen Adrian.

 

Leo Klotzbücher (Archiv Rathaus)

 

Leo Klotzbücher.

Ein Lehrer des alten Schlags, des ganz alten Schlags. Und ja, es gibt unter der Leserschaft noch ehemalige SchülerInnen, die sich an ihn erinnern – besonders an seine besondere Art.

Geboren wurde er am 4. Juli 1887 in Lautern unterhalb des Rosensteins. Aufgewachsen im Haus der Eltern, die eine Molke betrieben und eine Landwirtschaft hatten. Diesem Ort blieb er sein Leben lang innig verbunden. Von 1901 bis 1906 besuchte er das katholische Lehrerseminar in Schwäbisch Gmünd. Seine Wanderjahre führten ihn nach Berlichingen, Böhmenkirch, Pfullingen, Bersbach und Wurmlingen. In Ebersberg (Kreis Backnang) fand er seine erste ständige Anstellung. Während des I. Weltkrieges war er von 1916 bis 1918 Soldat im Infanterieregiment 125 „Kaiser Wilhelm“ in Frankreich und Italien.

In Oberkochen wirkte er 25 Jahre lang als Lehrer (von 1926 bis 1951). Anfangs zog er in die Lehrerwohnung im „Fuchsbau“ im Dreißental ein. Er war der Nachfolger von Oberlehrer Wörner, der nach Ellwangen versetzt wurde. Damals war die Schule noch rein katholisch und es lehrten 4 Lehrer.

Schulleiter war damals Alfons Mager, der ebenfalls im Schulhaus wohnte. Wie dem Amtsblatt zu entnehmen ist, sind wohl rund 1.300 Schüler im Laufe der Jahre vor seinem Pult gesessen.

Seiner kath. Kirchengemeinde diente er zudem 27 Jahre lang als Organist. Sein erster Auftritt war das Fronleichnamsfest 1926, das er mit Bravour meisterte. 1953 löste ihn Rudolf Heller ab. Die Liebe zur Natur und eine tiefe Heimatverbundenheit waren ein wesentlicher Charakterzug, das auch in vielen seiner Gedichte zum Ausdruck kam, auch wenn sie aus heutiger Sicht doch sehr rührselig, vielleicht sogar kitschig wirken. Selbstredend, dass er jahrzehntelang Mitglied im Schwäbischen Albverein und im Bund für Vogelschutz war. Am 26. Mai 1964 konnte er zusammen mit seiner Frau Antonie geb. Fäßler (damals wohnhaft im Enzianweg 3) das Fest der Goldenen Hochzeit feiern. Am 9. November 1978 verstarb er hochbetagt im Alter von 91 Jahren. Ein paar Tage vorher spielte er noch mit Inbrunst die Orgel in der katholischen Kirche.

Lassen wir ihn abschließend noch mit einem seiner Gedichte zu Wort kommen:

„Ja, Dörflein lieb, Stätte lieb und traut / wo meine Wiege stand / ein schön’res Plätzchen gibt‘s wohl nicht / im weiten Schwabenland / Drum denk ich stets in Treue Dein / Oh Heimatdorf am Rosenstein / Und wenn nach diesem Lebenslauf / ich schließ die Augen zu / dann möge mir der liebe Gott / verleih’n die ewige Ruh‘ / doch meine Ruhstatt möge sein / im Heimatort am Rosenstein“

 

Otto Krug (Archiv Rathaus)

 

Otto Krug.

Von seiner Schülerschaft liebevoll „BotJug“ genannt, kam er mit Familie am 11. April 1960 nach Oberkochen. Er erhielt damals die 2te ständige Lehrstelle am hiesigen Progymnasium, das damals noch am Turmweg 24 beheimatet war. Geboren wurde er am 7. Februar 1920 in Gamburg a. d. Tauber. Es war ihm wichtig zu erwähnen, dass seine Eltern und Großeltern Bauern und Handwerker waren. Von 1930 bis 1938 besuchte er das Gymnasium in Tauberbischofsheim, das er mit dem Abitur in der Tasche verließ. In der damaligen Zeit schloss sich Arbeitsdienst, Wehr- und Kriegsdienst an, gefolgt von der üblichen Kriegsgefangenschaft. Danach begann er mit dem Studium der Neuphilologie (konkret Französisch, Englisch und Geschichte) an der Universität in Erlangen und 1950 legte er die Staatsprüfung für das höhere Lehramt ab. Als Studienreferendar war er in Heidelberg tätig und als Assessor an einer katholischen Privatschule in Bruchsal. 1953 erhielt er einen Lehrauftrag am Burghardt-Gymnasium in Buchen im Odenwald an der er 1955 zum Oberstudienrat befördert wurde. Im Rahmen einer Familienzusammenführung bat er um Versetzung nach Oberkochen. Er war der erste, der mit seiner Klasse ein Schullandheim besuchte. Später sollten Studienfahrten nach Rom, Berlin und Prag folgen. Am Aufbau der Schule stand er an vorderster Front und engagierte sich als Personalrat und Betreuer des Rechnungswesens. Die Installation des Sprachlabors geht auf ihn zurück und auch die Partnerschaft mit Dives-sur-Mer brauchte ihn wegen seiner Französisch-Kenntnisse. Auch im Bildungswerk hatte er einige Jahre mitgearbeitet. Beim Abschied, im Jahr 1983, betonte Schulleiter Schrenk, dass die ruhige stille Art und sein Gespür für das Wesentliche im Kollegium vermisst werden würde. Auch sei ihm der Abbau von Rücksichtslosigkeiten und Aggression ein Herzensanliegen gewesen. Leider ist ihm keine erbauliche Zeit als Pensionär geblieben. Vier Monate nach seiner Pensionierung verstarb er nach kurzer schwerer Krankheit am 2. Dezember 1983. Für mich speziell war er auch ein außergewöhnlicher Lehrer, der sich um alle kümmerte und für seine Schülern immer das Beste wollte und ich bin, (aus eigener Erfahrung) sicher, dass er auch im Konvent sich immer auf die Seite der schwächeren Schüler stellte.

 

Anton Maikler.

Ebenfalls ein Urgestein der hiesigen Schule im Dreißental. Am 16. April 1963 ging der Oberlehrer nach 44 Dienstjahren in den wohlverdienten Ruhestand. 10 Tage vorher wurde er im Festsaal der Schule offiziell verabschiedet. Er begann seine Tätigkeit als selbständiger Lehrer am 1. August 1919 in Justingen. Jenem Albdorf, das als erstes die Pumpenwasserversorgung einrichtete und damit für die gesamte Wasserversorgung bahnbrechend wirkte. Nach Oberkochen kam er mit seiner Familie am 8. September 1940 und zog in die Lehrerwohnung im 3. Stock des „Fuchsbaus“, dem roten Backsteingebäude in der Volksschule im Dreißental. Es war die freigewordene Stelle des Oberlehrers Mager, die er nun innehatte. Er gehörte zu denen, die zweimal zu den Waffen gerufen wurden, um in beide Weltkriege zu ziehen und diese auch zu überleben. Im zweiten wurde ja noch 1944 jeder einberufen „der laufen konnte“. Nach dem Krieg waren die Zeiten schwierig, besonders an den Schulen, so auch in Oberkochen: „Steigende Schülerzahlen, fehlende Lehrkräfte und beengte Raumverhältnisse“. Das alles musste gemanagt werden. Oberlehrer Maikler unterrichtete in diesen Zeiten Klassen mit über 100 Schülern !!! Engagement und Auftreten in der Öffentlichkeit lag dem schweigsamen und grüblerisch veranlagten Pädagogen nicht. Er ging in Vorbereitung und Unterricht auf und kümmerte sich auch besonders um die Schwächeren. Und bis zum letzten Unterrichtstag hinterfragte er sich immer, ob er noch irgendetwas besser machen könnte und stand daher allen Reformbewegungen aufgeschlossen gegenüber. Er leitete die Volksschule von 1949 bis 1954. Danach übernahm Rektor Hagmann die Schule. Im Laufe der Jahre baute er ein Haus in der Sonnenbergstraße, dass heute von Sonja Heim mit Familie bewohnt wird.

Aber auch das Fernweh hat ihn einmal gepackt. 1927 ging er im Alter von 40 (da wird der Schwabe ja gewöhnlich g’scheit 😊) ins Ausland an die Deutsche Schule in Bogota in Kolumbien und blieb dort bis 1935. Wirklich beeindruckend. Er starb am 17. September 1974 in Langenfeld und wurde in Oberkochen beerdigt. In einer Grabrede (die wohl Rudolf Eber hielt) wurde nochmals darauf hingewiesen, dass er, wie wohl viele Oberländer, markant, schweigsam, nach innen gerichtet und es ihm nicht gegeben war, in der Öffentlichkeit große Worte zu machen. Er war zeitlebens ein Suchender nach ständigen Verbesserungen und die Frage nach Vergütung von geleisteten Überstunden war seine Sache nicht. Lehrer sein mit Leib und Seele – alles andere kam danach.

 

Das Kollegium des Gymnasiums im Jahr 1969 (Archiv Müller)

Sitzend 1te Reihe vlnr: Schröpel, Wick, Thiem, Zimmer, Kühn, Schrenk, Ulrich Oberkampf, Klappenecker
Stehend 2te Reihe vlnr: Schnapper, Seckler, Seckler, Bantel, Bantel, Jäger, Krug, Hermann, Rapp, Riegel
Stehend 3te Reihe vlnr: Enders, Sauerer, Herrmann, Fäser, Hohmuth, Schwab, Thiem, Heller, Fischer

 

…. und der wirklich allerallerletzte Teil zum Thema in Kürze.

 

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 

 
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