Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 758
 

Ein paar Details zu besonderen Lehrerinnen – Teil 7

 

Unserer Lehrerinnen.

Jetzt will ich noch drei Teile zu den Lehrkräften nachlegen. Einen über die weiblichen und zwei über die männlichen Lehrkräfte. Da kann ich aber nicht anders und will erst mal eine persönliche Ansicht abgeben: In unserer Kindheit gab es für die Grundschule (Klassen 1 bis 4) Lehrerinnen und Lehrer. Ich halte das für nicht ganz unproblematisch, wenn Kinder vom Kindergarten bis einschl. Klasse 4 ausschließlich von weiblichen Pädagogen unterrichtet werden. Warum das so ist, hat sich mir nicht erschlossen, aber ich gehe davon, dass mir das die Leserschaft sicher erklären kann. Ist es die Gehaltsstruktur, die Männer in Kindergärten und Grundschulen nicht auftreten lässt? Oder ist das von den Kulturministerien politisch so gewollt? Sei’s drum – aus meiner Sicht brauchen Kinder beide Versionen der Spezies „Pädagoge“ – auch in jungen Jahren 😊.

Doch jetzt zum Thema. Ich wähle einige Lehrkräfte subjektiv aus (abhängig davon, ob ich genug Material beim Recherchieren gefunden habe) und stelle sie mal etwas persönlicher vor. Der Betrachtungs-Zeitraum endet 1990 und die Reihung geht, wie wir’s in der Schule gelernt haben nach A-Z.

 

Zwischenbemerkung zum Thema A-Z.

In unserer deutschen Sprache haben wir es mit 26 Buchstaben, 3 Umlauten und dem Eszett ß, davon 6 Vokale (Selbstlaute) und 21 Konsonanten (Mitlaute) zu tun.

Da haben es die chinesischen Schüler schon deutlich schwerer. Es gibt kein Alphabet, sondern rund 100.000 Schriftzeichen! Für den täglichen Gebrauch sind dennoch 3.000 bis 5.000 Zeichen notwendig. Und damit das Sprechen auch nicht so einfach ist, denn es handelt sich um eine tonale Sprache, unterscheiden wir auch noch 5 Tonhöhen.

Da sage noch jemand – Deutsche Sprach‘, schwere Sprach‘ 😊.

 

Lehrerkollegium der Tiersteinschule im Jahr 1969 (Archiv Rathaus)

1te Reihe stehend vlnr: Humpf, Zielonka, Timm, Gunzenhauser, Jensen, Fahr
2te Reihe stehend vlnr: Bäuerle, Erben, Bischler, Wurst, Schultz, Kalmbach, Herrmann

 

Lehrkräfte

werden heute nicht mehr vorgestellt und man weiß im Grunde nichts mehr über sie. Früher war es üblich, dass sich Neueintritte ins Lehrerkollegium im Amtsblatt vorstellten und bei Dienstjubiläen und Geburtstagen ein kurzer Bericht über sie erschien und dass sie als Verstorbene einen Nachruf erhielten. Zudem galt die sogenannte „Residenzpflicht“ – will sagen: Man wohnte an dem Ort, an dem man auch arbeitete, und war damit im Ort bekannt.

Diese Dinge sind heute alle verpönt. Bei Nachfrage erschallt sofort das Unwort „DATENSCHUTZ“. Das geht inzwischen so weit, dass es keine Bilder mehr für Lehrerkollegien und Abschlussklassen gibt und schon dreimal nicht mit Namen. Wenn schon ein Elternpaar ein Foto seines Kindes verbietet, darf vermutlich die ganze Klasse wegen Diskriminierung nicht aufs Bild. Weit isch’s komma – aber in den sozialen Diensten kennen wir alle keine roten Linien. Bis auf die Lehrerschaft, denn die tut gut daran, sich an diesem „Daten-Zirkus“ erst gar nicht zu beteiligen – denn nicht selten, steht bei fast jedem Tun einer Lehrkraft der Rechtsanwalt der Eltern unsichtbar daneben. Da könnte man Sachen erzählen woran der gesunde Menschenverstand manchmal verzweifeln möchte.....

 

Das Lehrerkollegium 1962 an der Dreißentalschule (Archiv Rathaus)

Sitzend vorn vlnr: Kny, Zilonka, Timm, Grassel, Forster, Hagmann, Geiger, Braun, Bischler, Maikler
2te Reihe stehend vlnr: Bazill, Gunzenhauser, Jungk, Ruoff, Kalmbach, Heller, Holz, Westphal, Burghard
3te Reihe stehend vlnr: Franz, Thiele, Heitele, Herrmann, Erben, Schmieg, Gradner, Ulrich, Sund, Strobel

 

Ludmilla Bischler.

Auch eine Lehrerin, die bleibende Eindrücke hinterlassen hat und sich wohl auch sehr um begabte Kinder aus sozial schwächeren Familien gekümmert hat. Im Februar 1937 hat sie ihr Abitur abgelegt, danach studierte sie 4 Semester Pädagogik an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Nach der 1. Dienstprüfung im Herbst 1939 lehrte sie an den Volksschulen in Runsdorf und in Gößnitz. Nach Ablegung der 2. Dienstprüfung im März 1945 blieb sie in Gößnitz. Auch sie kam 1956 in den Altkreis Aalen und lehrte bis 1959 an der Volksschule in Fachsenfeld, bevor sie zum 1. April 1959 ins Dreißental nach Oberkochen wechselte. Am 1. Nov 1965 wechselte sie ebenfalls an die Tiersteinschule. Dort engagierte sie sich stark in den 3. und 4. Klassen und bereitete nicht wenige von den SchülerInnen auf das Gymnasium vor. Auch sie hatte ab und an mit körperlichen Beschwerden zu tun, was sie aber nicht hinderte, ihren Lehrauftrag engagiert auszufüllen. Rektor Gunzenhauser bedankte sich bei ihrem Abschied 1975 für ihre gute Arbeit und bat sie den Kontakt zur Schule beizubehalten. Sie starb am 30.12.1989 im Alter von 72 Jahren.

 

Margot und Hans Düver (Archiv Müller)

 

Margot Düver.

Am 24. November 1978 konnte sie im Rahmen einer Lehrerkonferenz ihr 25jähriges Dienstjubiläum feiern. Wie viele ihrer Generation hatte sie in jungen Jahren ein bewegtes Leben, das sie von Elbing in Westpreußen (Heute Elblag in Polen) nach Weiler im Kreis Heilbronn führte. Von 1947 bis 1951 besuchte sie die Lehrerbildungsanstalten in Stuttgart und Markgröningen. Nach der Reifeprüfung erfolgte das Studium mit Abschluss der 1. Dienstprüfung am Pädagogischen Institut in Esslingen. Ihre erste Stelle war die Volksschule in Oberkochen. Nach weiteren Einsätzen in Cleebronn und Lauffen legte sie an der Hölderlinschule in Lauffen ihre 2. Dienstprüfung ab. Über eine Kurzstation in Aalen fand sie dann am 1. April 1966 ihr pädagogisches Zuhause an unserer hiesigen Dreißentalschule. Sie betreute sehr oft die Abschlussklassen, ging mit in die Schullandheime und engagierte sich bei den Betriebspraktika. Auch sie gehörte zu den beliebten und geachteten Pädagogen in unserer Gemeinde. Verheiratet war sie mit Hans Düver, der bei Gebr. Leitz Leiter der Konstruktion war; ein Hobby-Künstler, dessen Bilder sicher auch heute noch in einigen Haushalten hängen und dessen Liebe dem Skifahren, dem Skiverein und dem Lift am Volkmarsberg galten.

 

Frau Erben mit ihren Schulkindern vor dem alten Schulhaus, dem Fuchsbau (Archiv Müller)

 

Eva-Maria Erben.

Kommen wir nun zu meiner ersten Klassenlehrerin in Klasse 1 und 2 an der Volksschule im Dreißental in den Jahren 1959 und 1960. Am 28. Mai 1974 konnte sie ihr 25jähriges Dienstjubiläum feiern und wurde gleichzeitig in den Ruhestand verabschiedet. Ihre pädagogische Ausbildung begann sie in ihrer schlesischen Heimat in Bolkenhain (Bolkow in Polen) und beendete sie an den pädagogischen Instituten in Künzelsau und Esslingen. Bevor sie nach Oberkochen kam, lehrte sie an Schulen in Westhausen, Lippach, Stödtlen, Ellwangen, Rosenberg, Hohenberg und Matzenbach. Von 1958 bis 1965 war die Dreißentalschule ihre pädagogische Heimat. 1965 wechselte sie zur Tiersteinschule. Rektor Gunzenhauser wünschte sich zum Abschied als hauptamtliche Lehrerin eine Rückkehr als Pädagogin in Teilzeit – wenn es Gesundheit und familiäre Anforderungen zuließen. Gunzenhauser hob ihre außerordentliches Engagement bei der Organisation und künstlerischen Gestaltung von Schulfeiern hervor und vergaß auch nicht auf ihre Kollegialität und eine ausgeprägte Geselligkeit hinzuweisen. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, kümmerte sie sich um ihre Kinder, auf dass keines den Anschluss verpasse. Da hat sie auch oft den Kontakt zu den Eltern gesucht, wenn sie den Eindruck hatte, etwas durch Nachfrage klären oder bewirken zu können. Verheiratet war sie mit Bruno Erben, ebenfalls einem guten engagierten Pädagogen, der, das muss ich erwähnen, wunderbar auf der grünen großen Wandtafel herrliche Bilder malen konnte. Leider starb sie allzu jung am 16. Juni 1991 im Alter von 64 Jahren.

 

Gisela Herrmann.

Wahrscheinlich hat sie gehofft, dass dieser „journalistische Kelch“ an ihr vorübergehen möge 😊 – aber weit gefehlt. Als Oberkochnerin aus dem Dreißental muss man hier einfach aufgeführt werden. Im Jahr 1973 wurde sie als neue Klassenlehrerin der 4a an der Dreißentalschule eingesetzt. Geboren wurde sie am 21. Sep. 1944 in Heidenheim und besuchte anfangs die Volksschule im Dreißental. Nach dem Abitur am Schubart-Gymnasium in Aalen studierte sie an der Pädagogischen Hochschule PH in Schwäbisch Gmünd, an der sie 1966 die 1. Dienstprüfung ablegte. Es folgte eine Reihe an schulischen Einsätzen im Kreis Backnang und an der Ostschule in Heidenheim, bevor ihr Weg sie über die Friedensschule in Unterkochen an die alte Stätte im Dreißental zurückführte. Sie war auch die Klassenlehrerin in den ersten Schuljahren meines Sohnes Sascha. Heute sitzen wir manchmal bei Kaffee und Kuchen oder einem guten Glas Weißwein mit ihrem Mann (meinem früheren Französisch-Lehrer) zusammen und plaudern über dies und das sowie über die alten schulischen Zeiten – jeder von seiner Warte aus. Das ist gute gepflegte Nachbarschaft. Natürlich muss erwähnt werden, dass sie aus einer alten Oberkochner Familie mit Namen Fischer entstammt. Und zwar der Schreinerei Fischer in der Dreißentalstraße 4 (heute frisch umgebaut durch Rainer Kaufmann).

 

Dreißentalstraße im Jahr 1953 – Haus ganz rechts Schreinerei Fischer (Archiv Müller)

 

Doris Jensen.

Sie wurde 1938 in Schwäbisch Hall geboren. Nach dem Abitur am Mädchen-Gymnasium in Stuttgart-Bad Cannstadt studierte sie an der Pädagogischen Hochschule in Stuttgart, an der sie 1961 die 1. Dienstprüfung ablegte. Anschließend unterrichtete sie an den Grund- und Hauptschulen in Oberndorf am Ipf und in Markgröningen. Von 1963 bis 1966 lehrte sie an der Dreißentalschule und war, soweit ich mich erinnere, auch die Klassenlehrerin meines Bruders Harald. 1967 wurde sie an die Tiersteinschule versetzt und 1977 wieder zurück an die Schule im Dreißental, wo sie nun auch evangelischen Religionsunterricht erteilte. Ich habe sie als junger Bub beim Zeitungsaustragen immer als sehr spendable Person erlebt. Sie legte immer reichlich „Trinkgeld“ auf die übliche Abo-Gebühr. Auch sie starb viel zu früh im Alter von 72 Jahren am 5. August 2010.

 

Gabriele Jungk.

Auch sie ist vielen als langjährige Lehrerin in Oberkochen im Gedächtnis geblieben. Da ich sie nie kennengelernt habe, weiß ich nicht, ob sich ihre Wiener Herkunft in ihre Sprache bemerkt machte oder nicht. Bis zum Abitur und der 1. Dienstprüfung blieb sie ihrer Heimatstadt treu. Zusätzlich machte sie noch eine Ausbildung zur Kindergärtnerin (einfach ein herrliches Wort). Ihre erste Stelle war sicher eine Herausforderung: Eine einklassige Stelle für alle 8 Schuljahre in Kunitz bei Jena. Nach dem Krieg war erst mal Schluss mit Lehrtätigkeit, da sie sich nicht in dem erforderlichen Maß politisch engagierte. So war sie eine Zeitlang als Bibliographin an der wissenschaftlichen Auskunftstelle der Universität Jena tätig. So wie ich das sehe, „hat sie dann rüberjemacht“, denn ab Dezember 1956 finden wir sie als Lehrkraft im Altkreis Aalen. Seit 1957 unterrichtete sie an der Dreißentalschule, 1963 erfolgte die Beförderung zur Oberlehrerin und feierte dort auch 1974 ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Im Jahr 1981 wurde sie, nach fast 25 Jahren in Oberkochen, feierlich von Rektor Streu und dem Schulamtsdirektor Müller in den Ruhestand verabschiedet. Sie hatte wohl ausgezeichnete Kontakte zur Schüler- und Elternschaft. Ihre Arbeit war an 9.600 Schultagen von großem Engagement getragen. Der Schüler Markus Brenner übergab ihr einen Bildband, die Feierstunde wurde von der Flöten-, Tanz- und Orff-Gruppe gestaltet sowie mit einem szenischen Spiel in englischer Sprache vervollständigt. Auch Gabriele Jungk starb am 10.10.1991 relativ jung im Alter von 69 Jahren.

 

Margot Kalmbach.

Über 20 Jahre prägte sie den Sport- und Kunstunterricht an der Tiersteinschule. 1989 wurde sie mit einer großen Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet. Die Laudatio hielt der Schulleiter Franz Uhl und Schulamtsdirektor Hans Meroth (beide sind Oberkochner Buben). Uhl beschrieb sie als überaus gewissenhaft, mit fachlichem Können und künstlerischem Geschick und Phantasiereichtum ausgestattet, die alle ihre Fähigkeiten in den Dienst der Schule stellte und so eine außergewöhnliche Pädagogin war. Gerne engagierte sie sich auch außerschulisch bei Sportveranstaltungen. Uhl dankte ihr für Menschlichkeit und Kollegialität.

PS: Wer sich Hans Meroth interessiert wird im Internet einen Nachruf der Heidenheimer Zeitung finden „Nachruf Hans Meroth – Ein Leben lang engagiert für Bildung und Kultur“. Der ehemalige Bergschulrektor und Schulamtsdirektor Hans Meroth ist im Februar 2021 mit 86 Jahren gestorben.

 

Herdula Herta Kny.

Ein äußerst seltener Vorname. Sogar Wikipedia stößt hier an seine Grenzen und bringt nur ein vages Anlehnen an Herta zustande, wie sie auch in Oberkochen geführt wurde. Sie wurde am 17. April 1922 im Sudetenland geboren und aufgrund der damaligen dortigen politischen Verhältnisse, war sie schon früh gezwungen während ihrer Ausbildung mehrfach einen Ortswechsel vorzunehmen. Über Prag kam sie nach Mies in Ostböhmen, wo sie, trotz aller kriegsbedingten Erschwernissen, die 1. und 2. Dienstprüfung ablegte. 1945 kam für auch für sie die Flucht nach Bayern und der Neuanfang in der Oberpfalz. 1949 zog sie zu nach Thüringen. Und wieder stand eine Flucht an – dieses Mal nach West-Berlin. Von dort kam sie 1956 nach Oberkochen und das Fahrwasser des Lebens wurde von nun an etwas ruhiger. Im Jahr 1961 wurde sie, nach einem aufregenden unsteten Pädagogenleben, an der Schule im Dreißental Beamtin auf Lebenszeit. Während der Feier wurde explizit erwähnt, dass es ihr durch ihre mütterliche Art gelang, Angst und Nöte aus der Schule zu verbannen und die Kinder zu spielerischem Lernen anzuleiten. Der damalige Elternbeiratsvorsitzende Dr. Schulle beschrieb sie als gute gerechte und beliebte Allround-Lehrerin, die eine ganze Schülergeneration positiv beeinflusst habe. Ihre Pensionierung erfolgte im Alter von 57 Jahren und sie verstarb am 19. Mai 1999 im Alter von 77 Jahren.

 

Herta Kny mit Schülerinnen (Archiv Kny)

 

Gertrud Schmid.

Viele werden sich an sie nicht erinnern, aber als echte Oberkochnerin muss an sie erinnert werden. Geboren 1940, wohnte sie mit ihren Eltern Jakob Schmid und Fanny geb. Gold sowie mit ihren Geschwistern Peter und Hildegard in der Dreißentalstraße 17. Das Haus wurde durch Granatenbeschusses beim Einmarsch der US-Army im April 1945 schwer beschädigt. Jetzt lassen wir Gertrud selbst zu Wort kommen und ihren beeindruckenden Lebenslauf zu schildern:
„Wir Schulanfänger gingen damals in die ehemalige evangelische Schule in der Aalener Straße (heute Heimatmuseum) in den Unterricht bei Lehrer Gottlieb Braun. Er zeigte sich beeindruckt von meinen Zeichnungen, die ich stets neben die Rechenaufgaben auf der Schiefertafel kritzelte und meinte, ich solle doch auf Papier malen. Aber damals, in den Jahren 1947/48 gab es kein Papier! Später kam ich dann zu Lehrer Leo Klotzbücher an die Dreißentalschule, der aus dem Stegreif gewünschte Gedichte an die Tafel schrieb.

1951 machte ich die Aufnahmeprüfung am Mädchengymnasium in Aalen. Es folgte das Abitur im Jahr 1960 auf dem Aalener Schubartgymnasium. Ich fuhr täglich 9 km mit der Bahn nach Aalen, um dann noch vom Bahnhof aus runde 2 km bis zur Schule zu Fuß zu gehen.

Da aus finanziellen Gründen ein Universitäts- oder Kunststudium nicht in Frage kam und damals händeringend Lehrer gesucht wurden, meldete ich mich in Schwäbisch Gmünd zum Lehramtsstudium an. 1962 absolvierte ich die 1te Dienstprüfung und die anschließend erste Dienststelle war in Steinheim am Albuch. Der Lehrauftrag beinhaltete den Unterricht in einer 6ten Klasse mit 57 Schülern für aller Fächer, außer Religion und Sport. 1963 folgte ein Einsatz in Schlossberg, damals eines der verrufensten Dörfer in der Gegend. In der Klasse, die zu unterrichten war, befanden sich auch einige geistig schwer behinderte Kinder. 1964 ging es dann weiter an eine Zweiklassenschule nach Unterriffingen. An die Schule angeschlossen war ein Kinderheim mit Kindern aus Problemfamilien, das von Nonnen geführt wurde. 1965 bestand ich erfolgreich die 2te Dienstprüfung. Erst jetzt durfte ich den Dienstort wählen – ich entschied mich für Oberkochen. Aber ich wurde nach Wasseralfingen versetzt, wo ich für zwei erste Klassen mit jeweils 40 Schülern im Schichtunterricht verantwortlich war. 1967 ging es dann doch nach Oberkochen mit genau der gleichen Aufgabe und Schülerzahl wie in Wasseralfingen.

Da ich meine berufliche Ausbildung abgeschlossen hatte, wollte ich mich endlich meiner künstlerischen Weiterbildung widmen und nahm Privatstunden beim Kunstmaler Wanner in Aalen.

1969 ließ ich mich beurlauben, um eine Stelle als „assistant teacher“ an einer Highschool ind Stafford / England anzutreten. 1970, zurück in Oberkochen, übernahm ich eine dritte Klasse als Klassenlehrerin, nebenbei gab ich Englischkurse für Mitarbeiter der Firma Carl Zeiss. 1973 ging es noch Montevideo / Uruguay. Ich unterrichtete dort als Klassenlehrerin an der Deutschen Schule die Fächer Kunst und Musik, auch für spanischsprachige Klassen. Die Ferien nutzte ich zum Reisen. Von 1978 bis 1987 war ich an Schulen in Reutlingen tätig (Ohmenhausen und Mittelstadt), dem damaligen Wohnsitz meiner Schwester Hildegard Feinäugle. 1987 wechselte ich an die Hohbuchschule, einer ehemaligen Ausbildungsschule der Pädagogischen Hochschule, wo ich bis zu meiner Pensionierung im Jahr 2004 blieb.

Ferienzeit war für mich immer Reisezeit und so besuchte ich über die Jahre viele Länder auf allen Kontinenten. Die Eindrücke auf diesen Reisen boten mir reichlich Stoff und Inspiration für die meisten meiner Bilder. Meine Werke, inzwischen rund 450 an der Zahl, habe ich in Öl oder in Gouache gemalt. (Das ist ein wasserlösliches Farbmittel aus gröber vermahlenen Pigmenten unter Zusatz von Kreide. Als Bindemittel wird Gummi arabicum verwendet). Meine Bilder durfte ich zwischen 1986 und 2015 in einigen Ausstellungen zeigen.

 

Oberkochen in Öl von Getrud Schmid (Archiv Schmid)

 

Rosa Timm.

An sie hingegen werden sich viele erinnern. Auch ich hatte mit ihr zu tun und ich bilde mir ein, sie in der 3. und 4. Klasse in Musik gehabt zu haben. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, hat sie in unserer Klasse den ersten Klassensprecher (aber nur für das Fach Musik wählen lassen) und der hieß (heißt immer noch so 😊? Eckart Irion). Von 1936 bis 1948 war sie an 19 Schulen tätig. Die Gründe für die häufigen Wechsel sind unbekannt, aber womöglich der damaligen besonderen Zeit geschuldet. Am 1. April 1948 erhielt sie die sechste Lehrstelle an der hiesigen Volksschule. Nach 18 Jahren ließ sie sich 1966 auf eigenen Wunsch an die Tiersteinschule versetzen. Obwohl ihr Gesundheitszustand sie öfters zu, auch längeren, Pausen zwang, war sie bis zu ihrer Pensionierung mit Leib und Seele Lehrerin und hat sicher gute Eindrücke bei Schülern und Eltern hinterlassen. Sie starb am 25. Juli 1994 im Alter von 81 Jahren.

 

Hildegard Ulrich.

Ich erinnere mich gut an sie aus meiner Zeit am Gymnasium. Sie hatte es nicht leicht mit uns Buben und Mädchen der 60er Jahre. Wir waren nicht ihre Schüler – sie nannte uns Kinderchen! Und sie musste auch einiges aushalten, da sie eben nicht gut dagegenhalten konnte. Denn die Kinderchen waren manchmal etwas anstrengend und suchten rote Linien.

Sie stammte aus der sächsischen Oberlausitz (Die größte Stadt ist Görlitz, damit wir das etwas einordnen können). Ihr Vater war Arzt. Nach dem Abitur studierte sie weit weg von der Heimat in Marburg und Heidelberg, und zwar die Fächer Deutsch, Englisch und Erdkunde. Nach dem Staatsexamen trat sie in Schlesien in den Schuldienst ein und wurde dort auch zur Studienrätin ernannt. Nach dem Krieg war sie eine längere Zeit nicht als Lehrerin tätig. Nach ihrer Übersiedlung in den Westen durfte sie rasch wieder in den höheren Schuldienst eintreten. Bevor sie 1961 nach Oberkochen ins „Bergheim“ kam, war sie am Hans-Baldung-Gymnasium in Schwäbisch Gmünd tätig. Im Laufe der Jahre wurde sie Fachleiterin für Erdkunde und ging den Weg bis zum sogenannten „Vollgymnasium“ mit. 1975 wurde sie im Rahmen einer Feier in den Ruhestand verabschiedet.

 

Elisabeth Zielonka.

Im Jahr 1977 wurde eine weitere sehr beliebte Lehrerin in den Ruhestand verabschiedet. Das gesamte Kollegium, Rektor Gunzenhauser, Elternbeiratsvorsitzende Kämmerer und Oberamtmann Bahmann geizten nicht mit lobenden Worten. Schüler ehrten sie mit einem Gedicht und der Chor gab der ganzen Veranstaltung einen festlichen Rahmen.

Sie war eine „Bielitzerin“. Das sagt den alten Oberkochnern noch viel, denn es kamen viele Bielitzer in den Kriegswirren nach Oberkochen, weil es zwischen dem Ort und der Fa. Bäuerle eine tiefe gewachsene Beziehung gab. Nach der 1. Dienstprüfung in Bielitz führte sie ihr Weg an verschiedene Schulen in Oberschlesien. 1944 absolvierte sie die 2. Dienstprüfung erfolgreich in Kattowitz. Seit 1951 wirkte sie im Kreis Aalen in den Schulen in Hüttlingen, Wössingen und Eggenrot und seit November 1960 in Oberkochen im Dreißental. Sie gehörte mit zu den ersten Lehrkräften an der Tiersteinschule, deren Aufbau sie ab 1965 kräftig mitgestaltete. Auch sie gehörte zu den Lehrkräften, die trotz teils großer gesundheitlicher Probleme ihre Lehrtätigkeit mit großem Willen trotzdem engagiert ausübte und sich um die Kinder kümmerte. Sie wurde sehr alt und starb am 1. Januar 2007 im hohen Alter von 91 Jahren.

 

Jetzt noch ein Blick auf das Jahr 1962 und die Daten an der Dreißentalschule, die damals sage und schreibe 794 SchülerInnen hatte und die Klassenteiler waren herausfordernd und die Wohnadressen – überhaupt kein Problem:

 

Handarbeit und Hauswerk: Maria Holz (Enzianweg 7) und Margot Kalmbach (Heideweg 10)
Gymnastik: Helga-Heidi Thiele (Schulhaus)
Religion kath.: Konrad Forster (Bühlstr. 33) Ralf Grassel (Bühlstr. 33) Stefanie Bazill (Heidenheimer Str. 82)
Religion evang: Peter Geiger (Aalener Str. 23/1) Lore Gradner (Jenaer Str. 8) Gustav Franz (Adalbert-Stifter-Weg 12)

 

Das waren sie – die Lehrerinnen unserer Kindheit und Jugendzeit. Ich bedauere die zukünftigen Schreiber, die meine Arbeit möglicherweise eines Tages fortsetzen wollen und feststellen werden – da gibt’s gar nichts mehr zu recherchieren – weil keiner mehr etwas öffentlich von sich gegeben hat und Bilder gibt’s auch keine mehr. Schade – das ist halt der Lauf der Zeit…….. Immer mehr und doch nichts.

 

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 

 
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