Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 747
 

Das Dreißental – eine autarke Welt, ein Dorf im Dorf – Teil 2

Ohverzeihlich. Mea Culpa. Heilandsnei –

hab ich doch einen meiner wichtigsten Unterstützer im Laufe der Jahre vergessen aufzuführen. Obwohl ich meine Sachen mehrfach durchlese, scheine ich manchmal Dinge zu lesen, die da gar nicht stehen. Wie könnte es sonst sein, dass ich den Ludwig Burkhard einfach unterschlagen habe. Er wird’s mir als großzügiger Dreißentaler nachsehen und bei einem freitäglichen Sauna-Bier Nachsucht üben 😊. Seine Arbeit sehen wir dann überwiegend in den Teilen 3 und 4.

 

Des Brandstetters Bruno hat dazu auch viele Erinnerungen.

Nachdem meine Mutter Lydia schon zwei Buben zur Welt gebracht hatte, den Hubert am 15.12.1923 und den Josef am 27.07.1927 war klar, dass jetzt „‘s Mädle“ kommt – also ich der Bruno. Aber s war halt wieder nix mit em Mädle. Dem Albert Holz seine Mutter, vom Beruf Hebamme (➔ siehe Bericht 657), hat mich also als Hausgeburt im Jahr 1936 im elterlichen Schlafzimmer in der Lerchenstraße 1 (früher Bergstraße 289 – im Einwohnermeldebuch 1937 noch nicht verzeichnet) auf die Welt gebracht. Wie es guter Brauch war, stand kurz danach die Taufe an. Meine „Dode“ Josefine Müller und meine Tante Martha Müller sorgten in der Küche für ein gutbürgerliches Essen für die Gäste. Was die aufgetischt bekamen, weiß ich nicht (vermutlich Hase oder Henne aus dem Stall), aber für mich gab’s Muttermilch – sell woiß I gwieß. Im Keller lagerten damals ca. 1.000 Liter Most, aber zur Feier des Tages, dem Buben zuliebe, gab’s ein Fässchen Bier. Zu später Stunde, wurde das Fässle flugs durch das Fenster fliegend entsorgt, jedoch mitsamt dem Fensterkreuz – den Glaser Wingert wird’s gfreut ham. Oifach a scheene Dauf!

Nach den Erzählungen meines Vaters Josef wurde früher sehr viel gesungen. Lieder, die heute keiner mehr kennt, vielleicht noch der Stammtisch in dr Grub‘. Ich denke da an: „Dr Hennastall isch oba leer“, „en Ungarn dronta, hemmer Gxondheit drongka“, „Ich hab‘ mein Feinsliebchen (zum rembele bem bem) so lange nicht gesehen“, „Meine Freud ist die, wenn die Sonn‘ aufgeht“ und „I ben d’r Bua vom Dreißatal“.

 

Da war das Dreißental noch sehr überschaubar (Archiv Müller)

 

Das gesamte Dreißental war, mit Ausnahmen, überwiegend eine Arbeitersiedlung. Meine Eltern gehörten damals zu den ersten, die 1927 dort oben gebaut haben (1 ½ stockig auf 1142 qm). Vermutlich hatte Vater Josef von seinen Eltern ein großes Grundstück gegerbt. Und das war wirklich groß. Von der heutigen Lerchenstraße 1, über den großen Obstgarten, der heute noch in abgespeckter Form besteht über die Grundstücke/Häuser Elmer-Bestle, Schill-Hirner und Meschenmoser/Geis bis zur heutigen Treppenanlage zum Sonnenberg hinauf. Um sich den Hausbau leisten zu können, war Geld notwendig. Von nix, kommt nun mal nix. Meine Mutter Lydia, eine geborene Müller aus dem „Kies“ (Tochter des Hafnermeisters Johannes „Hennes“ Müller) hatte als Erbe ein Realrecht bekommen. Dieses wurde verkauft, damit mein Geburtshaus gebaut werden konnte. Auf dem Grundstück gab es viele Kalksteine und für uns Buaba hieß das „Stoi klopfa“. Daraus entstand Schotter oder es wurde als Baummaterial für kleine Nutria-Ställe verwendet. Nutrias haben wir von 1942 bis 1944 gezüchtet, als der Verkaufspreis für die Felle in den Keller ging, lohnte sich das nicht mehr.

Strom war früher zwar wichtig und ein Zeichen von Wohlstand, aber anfangs wurde nicht der tatsächliche Verbrauch ermittelt, sondern die Kosten wurden anhand der Anzahl der Steckdosen bzw. der Anschlüsse ermittelt. Das rief die Tüftler auf den Plan. Man verzichtete einfach auf ein paar Steckdosen und baute dafür in den Deckenlampenanschluss ein Zwischenstück ein, um einen weiteren kostenlosen Anschluss zu haben. „Des hat koin scheniert“. Die Abrechnung wurde erst nach 1945 auf den tatsächlichen Verbrauch umgestellt.

In meiner Kindheit war es noch so, dass jedes Haus eine Abort-Grube hatte, auf die der Abort aufgesetzt wurde. Mit der Wasserkanne wurde dann nach jedem Gang alles direkt in die Grube gespült. Jeder Hausbesitzer war für das Leeren derselben selbst verantwortlich. Mit dem „Schapf“, der heute noch vorhanden ist, wurde im Dreißental in den Garten entsorgt. Das ganze Tal hat dann „granadamäßig gschdongka“ – unglaublich, aber wie sagt der Bruno immer: „so war’s halt“. Gestunken hat es auch, wenn die Dreißentäler am Samstagnachmittag „d‘ Stroass zamma kehrt hennt“. Alles Mögliche wurde dann im Garten mit einem „Fuierle“ verbrannt.

Mit Eintritt in den Kindergarten ging die sorgenlose freie Kindheit in Feld, Wald und Wiese zu Ende. Aber ich wollte das nicht. Mutter zog mich täglich an der Hand zu den Schwestern und ich kam einfach dauernd wieder zurückgelaufen, sobald ich eine Gelegenheit zum Entwischen sah. Nach drei Tagen des Hinbringens und Abhauens, hatten die katholischen Schwestern nur eine Erklärung für meine Mutter „Dieses Kind ist für den Kindergarten nicht geeignet“. Und somit ging meine kindliche Freiheit noch einige Zeit lang weiter.

Wir haben als Buben natürlich auch Sachen gemacht, wo ich heute sage: „Gottseidank ist nichts passiert“. Im Dreißental gab es damals einen großen Acker (gegenüber vom „Schramm“-Haus, dem späteren „Sogas“-Haus) auf dem später der Schuhmacher Walter sein Haus baute und der Alois Betz sein Gasthaus „Sonne“. Das Grundstück gehörte damals der „Uhla-Theres“ aus em „Kies“. Das war unser Platz beim „Karbid schießen“ Unser, das waren der Bruno und die Schrammbuben Walter und Hermann. Eine alte Bierflasche wurde mit Wasser und Karbid gefüllt, schnell verschlossen und in ein 15 cm tiefes Loch gestellt. Dann schnell in Deckung gegangen und gewartet bis sich in der Flasche durch die chemische Reaktion ein Gas gebildet hat und die Flasche zeitversetzt mit lautem Knall explodieren ließ. Die Randgebiete der Chemie übten auf die Buben schon immer einen Reiz aus.

Abschließend muss ich nochmals auf das Thema Most zurückkommen. Für jeden schwäbischen Hausherrn war es fast schon heilige Pflicht genug Most im Keller zu haben. Überhaupt, der Keller war der frühere begehbare Kühlschrank. In ihm wurde alles Mögliche aufbewahrt und eingelagert z.B. Eier im Kalkbad, Sauerkraut im Fass (Kraut stampfen war eine Arbeit für den Bruno), Äpfel, Kartoffeln, Rosenkohl, Blaukraut u.v.m. Das allerwichtigste, aus Mannes Sicht, war aber „dr Moscht“. Wir hatten zwei große Fässer mit 200 bis 300 Ltr. Inhalt sowie drei bis vier kleinere. Insgesamt dürften es wohl rund 1.000 Liter Most gewesen sein, die darauf warteten, den Keller zu verlassen. Die Fässer standen alle erhöht auf einem Holzbalken damit man den Krug genau unter den Hahn stellen konnte. Unter den Fässern lagen die Rüben für die Hasen. Am Jahresende waren die Fässer denn auch immer leer, denn Anlässe zum Trinken und Feiern gab es genug. Sei es das tägliche Glas beim abendlichen „Veschber“ oder zu familiären Anlässen – die Verwandtschaft traf sich halt immer beim Josef. Oft gab es dabei Schwarzwurst und Schwarzbrot zum „Moooooscht“. Dabei wurde meistens kräftig gesungen, sei es im Gartenhäusle oder in dr Küch‘. Die „Gute Stub‘“ wurde dafür nicht verwendet, denn die durfte nur an hohen Feiertagen wie z.B. Weihnachten oder dem ganz wichtigen Josefs-Tag benutzt werden. Und wenn aus einem besonderen Anlass Bier getrunken werden sollte, holten wir das mit der Milchkanne im Cafe Gold im Turmweg (heute Muckentaler).

Abschließend noch eine Geschichte zum Thema „Wie schnell kam man aus dem Dreißental zum Bahnhof“? Als Bewohner des hinteren Dreißentals vernahm ich das Pfeifsignal der aus Aalen einfahrenden Dampflokomotive auf Höhe des heutigen Stadions. Da war mir klar, jetzt aber die Beine in die Hand und von der Lerchenstraße bis zum Bahnhof „gspronga oder naa gsaut“. Alles war genau kalkuliert. Der Zug aus Heidenheim stand auf Gleis 1 und der Zug von Aalen auf Gleis 2. Zuerst abgefahren ist der auf Gleis 1. Auch das war einberechnet J. Trotzdem hat’s einmal nicht gereicht, aber dann sprangen mir die Kumpels zur Seite. Dem „Täfelesmah“ mit Namen Otto (ein Kolpings-Mitglied), derjenige, welcher die Züge durch Hochhalten einer Kelle, „Täfele“ genannt, abfahren ließ, wurde zugerufen: „Oiner fählt no, dr Bruno‘ kommt aber glei.“ Und so wurde ausnahmsweise der Zug auf Gleis 2 zuerst auf die Reise geschickt und Gleis 1 musste warten bis der Bruno endlich da war.

Jetzt ist es Zeit ein paar Anmerkungen zu den schwäbischen Bewegungsverben zu machen:

Ganga = lediglich der Ortswechsel ist gemeint, nicht die Bewegungsart. Ich fahre mit dem Zug, dem Fahrrad oder dem Auto nach Aalen, dann sagt man: „I gang naoch Aola.“

Laufa = sagen wir, wenn wir gehen.

Sprenga = wenn wir schneller gehen, also springen

Hopfa = das ist auch Springen, aber das andere Springen wie z.B. Weitspringen oder Seilspringen

Renna oder Saua = dann springen wir schnell oder sausen gar

Wenn also der Alte seiner Alten zurief: „Alte, sau.“ Dann war das keine Beleidigung, sondern die Aufforderung sich schneller zu bewegen. Nach dem Motto – „reg de a weng.“

Während des Kriegs wurden beim „Gruppa-Heiner“ Heinrich Grupp, in der Haus Nr. 39, hin und wieder Lebensmittel gekauft. Die Dreißentaler waren ja größten Teils Selbstversorger, denn sie hatten einen Garten und hielten sich „Hasa, Henna ond Goißa“ und sonstiges Getier. Außerdem hatte der Gruppa-Heiner ein Telefon. Diese Telefonmöglichkeit war für das vordere Dreißental und beim Schramm, Ecke Dreißentalstraße. / Lerchenstraße war das zweite Telefon für das hintere Dreißental. Sonst hatte im Dreißental während meiner Kindheit wohl niemand ein Telefon. Oder etwa doch?

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das ganze Viertel verändert und erweitert. Es kam der José Sogas, zog ins Haus „Schramm“ und ließ daneben seinen Edeka-Laden bauen. Die Konditorei Fleury hatte in der Lerchenstr. 5 ihren Standort. Fleury verkaufte später an den Bäcker Wilhelm Engel. Dieser vergrößerte in den 60ern und eröffnete ebenfalls einen Edeka-Laden.

 

Konditorei Fleury, später Bäckerei Engel in der Lerchenstraße 5 (Archiv Müller)

 

Wurst und Fleisch holte man anfangs im Dorf in den Metzgereien im „Grünen Baum“, die dortigen Metzger hießen Bezler und danach Betz und beim Lammwirt Reber, der auch eine Metzgerei betrieb. Der Reber hatte auch eine kleine Verkaufsstelle im Finkenweg 9. Die Familie Betz hatte dann in den 1950er Jahren in der Sperberstraße 19 ein großes Wohnhaus mit Metzgerei gebaut.

Milch mussten wir in der Molke, am Kocher gelegen (in der Nähe des Huga-Schreiners) holen. Später gab es dann noch eine Zweigstelle der Molke bei der „Marie“, beim Karl Gentner Ecke Dreißentalstraße / Volkmarsbergstraße.

 

Welche Menschen haben dort gewohnt?

An zwei Musiker erinnere ich mich besonders. Zum einen den „Stöpsl“, der Josef Wingert aus dem Haus Nr. 70. „Dr Stöpsl“ hatte, wenn ich mich recht erinnere, eine Tuba geblasen. Er war für uns Kinder ein sehr interessanter Mann, denn er hatte ein steifes und, so glaube ich, auch ein etwas kürzeres rechtes Bein. Beim Laufen humpelte er, er ist also gestöpselt, deshalb der Name „Stöpsl“. Er hatte ein umgebautes Damenfahrrad mit nur einem „Trapper“ (Pedal) und auf der anderen Seite des Fahrrads war eine starke Ringfeder besteigt, die den fehlenden anderen „Trapper“ ersetzen musste. Für uns Kinder war das ein Wunderwerk der Technik, „dr Stöpsl“ konnte mit nur einem Trapper Fahrrad fahren. Bekannt und beliebt aber war der „Stöpsl“ durch seine lustige Art bei Vorführungen mit dem Musikverein in „dr Schell“, der damaligen Bahnhofsrestauration.

 

Die Musiker vlnr: Josef Trittler, Ganter (?), Hermann Spranz, NN, Josef Wingert „Stöpsl“ (Archiv Burghard)

 

Auf dem Bild sehen wir s „Trittlerle“, der Musiker Josef Trittler aus dem Haus Nr. 66. Ein kleiner Mann von Statur, aber ein großer mit seinem Instrument, über den noch an anderer Stelle zu berichten ist. Daneben vermutlich der Ganter aus‘m Katzenbach. Gefolgt von Hermann Spranz, der lange Jahre Dirigent beim Musikverein und ein Super-Unterhalter war. Der Mann am Schlagzeug, Josef Wingert, „Stöpsl“ genannt, war ebenfalls ein toller Unterhalter und Theaterspieler. Die Aufnahme ist bei einem Auftritt in dr „Schell“ (Bahnhofsrestauration) entstanden.

Ganz in der Nähe, Dreißentalstraße 56 (später und bis heute das Wohnhaus Sogas), wohnte der Eisenhändler Emil Schramm.

Neben uns (dem „Jermis Josef“), wohnte der „Hoxatläder“ (Hochzeitslader) Karl Elmer in der Sperberstraße 26. Ich erinnere mich noch sehr gut an ihn. Er hatte einen dunklen, schwarzen Anzug und weiße Handschuhe an. Auf dem Kopf trug einen schwarzen Zylinder und im Knopfloch eine schöne große Rose. Aber das Eindrucksvollste an ihm war sein großer Stock, der ganz mit blühenden Blumen umwunden war. Der Hoxatläder ging früher im Ort umher, um die Leute zur Hochzeit einzuladen. Zu unserer Hochzeit 1961 hat er auch eingeladen, aber nur Verwandte und Bekannte nach einer Einladungsliste. Sein Hoxatlader Spruch ging in etwa so:

„Ihr send herzlich eiglada zur Hoaxat von Maria Sing und Bruno Brandstetter am Kirchweih-Mondig im Hirsch. Kirch‘ isch um Zehne na.“

Der Kirchweihmontag war damals noch arbeitsfrei und ein Feiertag. Meistens hat er dann „a Schnäpsle krieagt“. Des Schnäpsle hat sich dann allerdings manchmal vervielfacht! Wenn dann plötzlich vier Füaß siesch, anstatt deiner zwoi, und du bisch koi Gaul, na wirds Hoimlaufa äußerscht schwierig. So musste man den „Hoxatläder“ manchmal halt scho hoim brenga 😊.

Im nächsten Doppelhaus in der Sperberstraße 34 wohnte Josef Schill mit seiner Familie. „Dr Schill“ war bekannt als guter „Hennazüchter“ (Hühnerzüchter) und sein Ratschlag wurde von den anderen Nachbarn gerne angenommen.

Gegenüber vom Engländer-Paul, im Haus Nr. 18, wohnte der Schneider Anton Fischer, der Fischers Done. Über ihn gibt es mehrere nette, aber auch haarsträubende Geschichten. Nicht nur, dass er hin und wieder im eigenen Hühnerstall übernachten musste, da ihn seine bessere Hälfte (die „Alt‘“, wie man früher sagte) nicht mehr ins Haus gelassen hatte. In den 50er Jahren, immer zur Faschingszeit, hat er die „Närrische Schnitzelbank“ in Oberkochen herausgegeben und verkauft, aber er legte ausdrücklich Wert darauf, dass er für Ausgaben ab 1954 nicht mehr verantwortlich sei. Im Jahr 1954 finden wir im Amtsblatt eine öffentliche Abbitte zu seiner Schnitzelbank – wahrscheinlich zu starker Tobak für die Betroffenen.

 

Die „Närrische Schnitzelbank“
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Neben dem Schneider´s Done, im Haus Nr. 16, wohnte der Oberhauptkommissar Gregor Sproll, der bei der Aalener Kriminalpolizei seinen Dienst tat.

Die Dreißentaler haben dann auch eine Hebamme bekommen, dem „Hauber´s Done“ seine Frau. Er selbst war ein großer kräftiger lautstarker Mann, der sein Geld beim Leitz als Meister verdiente. Auch im Gemeinderat erhob er oft seine kräftige Stimme. Es wurde erzählt, dass er am Anfang der Fliegerei als jugendlicher Fluglehrer oder vielleicht auch Einweiser bei den Segelfliegern war. Er selbst hat aber nie einen Flieger geflogen, noch hatte er jemals einen Flugschein.

Oberhalb vom Ludwig Geiß, in der Sperberstraße 40, gab es einen kleinen Tiergarten. Der Lagerist Jean Ruroth aus dem Finkenweg 11, hatte dort ein größeres Grundstück eingezäunt. In dem Garten hielt er Gänse, Schwäne, große besondere Enten und vor allem Pfauen. Die Pfauen mit ihrem wunderschönen farbigen Rad haben uns Kinder besonders beeindruckt. Irgendwann während des 2. Weltkriegs wurde der Garten aufgelöst. Vermutlich aus Geldmangel, wie auch wir damals unsere kleine Nutria-Farm aufgeben mussten, weil Kosten und Ertrag in keinem gesunden Verhältnis mehr standen.

Und wie alle Berichte, die mir der Bruno Brandstetter zukommen ließ, steht ganz unten immer sein Schlusskommentar: „So war’s halt!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Gärtnerei Mahler.

Diese Gärtnerei war vielleicht einmal die älteste im gesamten Altkreis Aalen. Im Jahr 1776 erwarb Franz Mahler, ein Heckenbinder aus Elchingen, ein Anwesen in der Brunnquelle (im Brunkel). Danach übernahm sein Sohn Johannes Nikolaus Mahler den Betrieb und erwarb das Haus in der Dreißentalstraße, wie wir es noch in unserer Kindheit gekannt haben. Ihm folgte sein Sohn Josef und am 27. Dezember 1899 übernahm Anton Mahler die elterliche Gärtnerei und baute diese im Laufe der Jahre (zusätzlich zum vorhandenen landwirtschaftlichen Betrieb) weiter aus – und das alles, trotz rauem Klima und karger Böden. Da blieb nicht viel Zeit für seine Lieblingsbeschäftigung: Lied und Musik. 1939 wurde die Landwirtschaft aufgegeben, der Gartenbau modernisiert und um eine Handelsgärtnerei erweitert. Während des Krieges wurde das Geschäft von ihm, seinen Töchtern und seiner Frau gemanagt. Kurz vor Kriegsende verstarb jedoch seine Frau. Der Krieg war vorbei und ein Sohn galt als vermisst. Der andere Sohn Karl kam erst 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück und übernahm mit seiner frisch geheirateten Frau das Geschäft im Jahr 1950. Nachdem das Geschäft wegen Umbau vorübergehend in das alte „Sogas“-Geschäft in die Heidenheimer Straße 15 gezogen war, ging es am alten Standort ab 23.10.1963 wieder los. Gertrud und Karl Mahler übergaben das Geschäft zum 1. Januar 1977 an Gertrud und Emil Vollmer. Nach dem Tod vom Emil Vollmer, im Jahr 2005, ging des Geschäft in die Hände von Ursula Klewenhagen über und fand im Langen Teich sein neues Zuhause. Am alten Standort ist die Floristmeisterin Renate Schietinger tätig.

 

Familie Mahler vor ihrer Gärtnerei (Archiv Müller)

Teil 3 folgt in zwei Wochen.

 

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 

 

 
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