Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 743
 

Alte und teilweise schon verloren gegangene Ausdrücke, Wörter und Begriffe – Teil 3, Nachschlag

 

Intro.

Im Frühjahr 2020, als ich diesen Bericht schrieb, gab es in einer Talkshow bei Maischberger tatsächlich die Forderung, zukünftig DAS Bundeskanzler zu sagen. Es gibt seit 1973 DAS Sams, aber dass wir möglicherweise zu Peter Traub DAS Bürgermeister sagen sollen – ich sag’s frei raus: Die Genderisierung ist mir oft ein Graus. Vielleicht schafft es eines Tages DAS Sprachpolizei, dass wir zu allen Dingen nur noch das Neutrum verwenden. Der Schwabe hat damit sicher kein Problem, denn mit „seim Sach“ kennt er sich bestens aus.

Aber wir wollen uns hier wieder mit alten Wörtern und Begriffen auseinandersetzen. Nach den ersten beiden Teilen haben mich einige sprachliche Hinweise von Richard Burger und Hermann Metz erreicht, die ich gerne aufgreifen und erweitern will.

 

A Rädle Wurscht.

Die Kinder wurden in der Metzgerei z.B. beim „Zimmermann“ oder beim „Betz“ danach gefragt. Meistens gab es aber leider nur die übliche Gelbwurst, die mir überhaupt nicht schmeckte und das ist bis heute so geblieben. Deshalb habe ich in der Metzgerei „Sonne“ auf die Frage wie folgt geantwortet: „Lieber ein Bonbon“.

 

Altvordere.

Das ist das Lieblingswort des örtlichen freien Schwäpo-Mitarbeiters Lothar Schell. Gemeint sind damit alle Vorfahren der noch Lebenden, basierend auf dem mittelhochdeutschen altfordero. In diesem Begriff steckt aber auch höchstes Lob, Anerkennung und Wertschätzung.

 

Anfersich.

Ein wunderbar kreatives Wort. Aus vier hochdeutschen Wörtern „an und für sich“ machen wir oifach ois. Wir neigen zur Verknappung und Verkleinerung. Wir schwätzen gern, aber als schwatzhaft wollen wir nicht gelten. Vermutlich ist das Wort anfersich die Grundlage für Hegels gewaltiges philosophisches Werk.

 

Ätschgäbele.

Eine schwäbische und badische Sitte, wie Kinder einander verspotten. Dabei wird der eine Zeigefinger am anderen entlang gerieben. Auch so eine Verhaltensweise der ich gar nichts abgewinnen konnte. Habe ich auch nur aus dem Kindergarten in Erinnerung. Auf alle Fälle zeigt es, dass wir durchaus Schadenfreude können, das plumpe Ätsch aber durch ein anschließendes -gäbele freundlicher gestalten.

 

B’häb.

Dieses Wort ist ein typisches Beispiel für einen kurzen schwäbischen Ausdruck, der je nach Zusammenhang mehrere Bedeutungen haben kann: Zum einen kann er bedeuten, dass ein Behälter dicht ist. Als b’häb wird aber auch jemand bezeichnet, der geizig ist, nichts verschenkt und sein Geld zusammenhält (auch hier geht nichts nebenraus – er hält seinen Geldbeutel dicht!). Zum Dritten bedeutet es aber auch räumlich nah und wenig Zwischenraum – „der fährt aber b’häb vorbei“. Zuletzt ist aber auch enganliegend gemeint. Ein Kleidungsstück sitzt b’häb, wenn es anliegt oder sogar spannt.

 

Bäbb und Bäbba.

„Bäbba“ bedeutet kleben und abgeleitet davon heißt „bäbbich“ eben klebrig; des „bäbbt aber guat“ meint, dass es gut klebt und wenn ich dir „oina bäpp“, dann klebt die Hand kurz an deiner Wange.

 

Backstoikäs.

Die Mutti hat in der Regel die Krise bekommen, wenn der Vati diesen verbotenen Käse mit nach Hause gebracht hat. Keiner hat mehr gestunken. Das ist ein kräftig würziger Weichkäse mit feiner Rotschmiere im Backsteinformat, hergestellt aus tagesfrischer naturbelassener Milch. Sein Geschmack ist, je nach Reifegrad, leicht aromatisch bis kräftig und im Grunde unzumutbar. In den 1950/60er Jahren gab es ihn noch häufig, weil die Alten ihn gerne mochten – die bessere Hälfte in der Regel „Zuständ“ bekam.

 

Der Backstoikäs – der schwäbische sehr rezente Käs (Internet)

 

Bäffzga.

Damit meint man, dass ebbr bissig hinterhermault oder keift. Ein keifendes Weib nennt man Bäffzga und die männliche Form vielleicht der Bäffzga-Michl.

 

Bankert.

Das Wort lässt sich auf die Silben Bank- und -hard zurückführen. Eine Zeugung im Ehebett ist wohl auszuschließen und der Vater des unehelichen Kindes wird wohl irgendein -hard gewesen sein. Solche Kinder hatten in der Regel eine schwere Kindheit, besonders in ländlichen katholischen Gebieten.

 

Bappadeckl.

Das ist ein Stück flacher Karton. Damit wurde auch manchmal der Führerschein der alten Form gemeint. Warum lauft denn der? Der hat sein Bappadeckl abgäbba.

 

Base, Vetter und Dode sowie Muhme und Oheim.

Es geht hier nicht um die Base aus dem Chemieunterricht, sondern ums Bäsle. Ursprünglich meinte es »Schwester des Vaters«, später »Cousine«, als dieses Wort noch nicht aus dem Französischen übernommen war. Irgendwann wurde »Base« ein Ausdruck für jede nähere oder entferntere Verwandte. Und der Vetter ist das männliche Pendant zu Base. Ebenso standen Muhme und Oheim prinzipiell für Onkel und Tante, aber auch für jegliche Verwandte oder Bekannte, die älter waren als man selbst. Und nicht zu vergessen die Dode (ja nicht falsch aussprechen), die Taufpatin, die einem in der Regel die erste Uhr zur Kommunion geschenkt hat.

 

Blaupapier.

Man kann auch als selbstkopierendes Papier bezeichnen. Mithilfe des Papiers (das manchmal auch schwarz war) war es möglich, eine Kopie eines Schriftstückes herzustellen. Hierzu benötigt man ein festes Schreibgerät, welches in der Lage ist, einen entsprechenden Druck auszuüben. Am besten eigneten sich hierzu Kugelschreiber. Beim Leitz, während meiner Lehrzeit, musste das lose Blaupapier teilweise noch mit Hand in Formularsätze einsortiert werden. Diese Aufgabe übernahm der Portiert Sieber in seinem Empfang. Später kam das teure selbstdurch-schreibende Papier zur Anwendung.

 

Bohnern und Blocken.

Das kommt aus dem niederdeutschen Bereich und bedeutete die Holzböden mit Wachs zu behandeln. Ein perfekt frisch gebohnerter glänzender Holzboden war ein Aushänge-schild für eine perfekte Hausfrau. Heute sind Holzböden mit einem speziellen Lack versiegelt, der das Bohnern überflüssig macht. In meiner Kindheit gab es immer einen Vertreter von der Firma Wöhrl, der von Haus zu Haus zog und Bohnerwachs verkaufte. Blocken ist ein anderes Wort für Bohnern. Die wohlhabenden Haushalte hatten eine Bohnermaschine und die ärmeren einen Blocker.

 

Wir sehen hier einen alten „Blocker“ (Internet)

 

Boscht.

Bei uns ist man immer auf „d’Boscht“ gegangen und nicht zur Post oder gar zur Postagentur. Und dort wartete eine Mutprobe der besonderen Art – der Postassistent Ernst Klenk aus der Mühlstraße 9. Dienstleistung am Kunden war damals noch ein Fremdwort. Der Herr Klenk regierte seine Kundschaft vom Schalter aus, und wehe da war etwas nicht richtig ausgefüllt und um 18 Uhr wurde gnadenlos pünktlich geschlossen.

 

Unsere alte Post in der Bahnhofstraße (Archiv Müller)

 

Dazu eine Episode aus der Schweiz. Jeder Deutsche wird dort mit dem Begriff „Poschta“ konfrontiert. Man geht dort somit „goposchta“ und der Deutsche wundert sich, warum in der Schweiz jeder täglich auf die Post geht. Falsch gewickelt – „Goposchta“ heißt einkaufen gehen. So können die Unterschiede sein, weil halt der Bodensee zwischen beiden Ländern liegt 😊.

 

Bräschtleng.

Das sind Erdbeeren. Mir ganget en d Bräschtleng bedeutete, dass man zum Erdbeerpfücken ging – in den Garten, in den Wald oder auf die neumodische Plantage. Das Höchste für einen Schwaben beim Frühstück ist das Bräschtlengsgsälz – die Erdbeermarmelade. Wobei noch anzufügen ist, dass damit nicht das gezüchtete erdbeerartige Gewächs gemeint ist, sondern die dicke tiefrote und aromatische Erdbeere aus dem eigenen Garten – ein Gedicht. Mutti hat immer zwei Erdbeerkuchen gebacken, weil Harald und ich einen allein oms Nomgugga verschlungen haben.

 

Das macht nach Adam Riese.

Adam Ries meinte, Kaufleute und Handwerker würden der schwer arbeitenden armen Bevölkerung das Geld aus der Tasche ziehen und sie betrügen. Um das zu verhindern, wollte Ries, dass möglichst jeder Mensch die vier Grundrechenarten beherrschen sollte: Zusammenzählen, Abziehen, Malnehmen und Teilen. Er schrieb mehrere Rechenbücher, darunter eins über das Rechnen mit der Feder, schriftliches Rechnen mit arabischen Zahlen. Und er schrieb diese Bücher nicht wie damals üblich in lateinischer Sprache, sondern auf Deutsch. Dadurch konnten viel mehr Menschen sie auch lesen. Adam Ries gilt seitdem als „Vater des modernen Rechnens“, denn ihm verdanken wir, dass sich die arabischen Zahlen gegenüber den römischen schließlich durchgesetzt haben und wir heutzutage mit ihnen rechnen. Und wer dann sagt, „... das macht nach Adam Riese …“, der meint, auf jeden Fall auch richtig gerechnet zu haben.

 

Eine Seite aus einem Buch von Adam Riese (Internet)

 

Das walte Hugo.

Das habe ich beim Leitz in meiner Lehrzeit so oft gehört, und das hatte nichts damit zu tun, dass dort der Hugo Neuhäuser in der Kaufmännischen AV „waltete“. Der Spruch geht auf den Mega-Industriellen Hugo Stinnes aus Mühlheim/Ruhr zurück. Er beschäftigte zu Spitzenzeiten über 600.000 Menschen und von daher kommt der Spruch und meint damit: Das entscheidet Gott – also Hugo – zumindest auf der Erde – also in Deutschland.

 

D Henna send henna,

wenn d Henna henna send. Das braucht keinerlei Erklärung.

 

Dätsch mr net.

Diese Frage haben schon Generationen von Ehemännern gehört. Es ist eine als Frage formulierte freundliche Aufforderung, etwas zu erledigen, was aber sofort zu befolgen ist. Kontern konnte Mann das nur mit dem Satz „Dr-Dätsch-mr-net-Dag isch morga“. Oscar Heiler hat dazu auch ein Lied verfasst.

 

Dees wird dr Schweschter gsait.

Das ist der Ausspruch der jungen, meist weiblichen, Denunzianten aus dem Kindergarten der 50er Jahre im Wiesenweg. Und das meistens im Chor, denn da brauchts ja keinen Mut. Damit wurden überwiegend Buben verpetzt, die sich nicht an irgendwelche Regeln hielten. Das führte dann zum pädagogischen Schwingen eines Handfegers oder zum Einschluss in irgendeiner Kammer durch Schwester Thomasella. Das ging mir so auf den Senkel, dass ich einen weiteren Besuch verweigert und die Sozialisierung auf der Straße bevorzugt habe.

 

Der Kindergarten im Wiesenweg mit den katholischen Schwestern aus dem Kloster Reute (Archiv Müller)

 

Denger.

Das ist wieder sehr speziell. Es bedeutet „Dinge“ aber auch „Menschen“. Dengere ist die weibliche, Denger die männliche Form des fast neutralen Schimpfwortes, das aber in jedem Fall eine gewisse Vertraulichkeit widerspiegelt. A nette Dengere oder a netter Denger ist freundlich, liebevoll spöttisch gemeint. A wiaschte Dengere oder a grober Denger kann aber auch böse, herabwürdigend beleidigend oder bemitleidend gebraucht werden. Beim Gebrauch dieser Wörter ist die Betonung sehr wichtig – hier macht der Ton die Musik! „Wenn Du Denger zu meiner Denge Dengere saisch, no sag i zu Deiner Denge au Dengere“ 😊

Deppich.

Auf hochdeutsch ist das ein Teppich – aber keiner auf dem man herumläuft, sondern in den man sich auf dem Sofa einwickelt – kurz gesagt dr Deppich ist für den Schwaben eine Wolldecke. Einen Debbich legt man z.B. auch bei einem Picknick auf die Erde, also „auf da Boda“ – und „a Degge“ gibt es nur in Form der Zimmerdecke, die früher übrigens auch noch „Blaffo“ (von Plafond) hieß.

 

Des isch ghopft wia gspronga.

Wenn es für eine Tätigkeit oder Aufgabe mehrere gleichwertige Lösungen gibt, es also egal ist, wie man zum Ziel kommt.

 

Die Zeit heilt alle Wunden.

Das will uns der Volksmund weismachen. Dem ist natürlich überhaupt nicht so – es ist nur als Trost gemeint. An der Spitze dieses Wohlmeinens steht das Faschingslied von Ernst Neger „Heile, heile Gänsje. Heile, heile Gänsje, ist bald wieder gut. Kätzje hot e Schwänzje, ist bald wieder gut. In hundert Jahr ist alles weg!“

 

Diener und Knicks.

„Mach mal einen Diener“ sagten die Eltern und erwarteten, dass wir Buben bei der Begrüßung von Gästen die gute Hand reichten und eine Verbeugung machten. Die Mädchen hatten einen Knicks zu machen, der durch das leichte Einknicken beider Knie zustande kam. Diese Verhaltensformen wurden noch zu meiner Zeit im Tanzkurs beim Auffordern eingeübt. Der Pfarrer Konrad Forster erwartete den Knicks sogar auf der Straße mit den Worten: „Grüß Gott Herr Pfarrer“. Wehe das Mädchen hat das vergessen – der Pfarrer nicht…..

 

Dahanna.

Das ist auch sehr speziell. Ein Mädchenname gebildet aus Daniela und Johanna? Weit gefehlt. Beim Militär auf dem Appellplatz schreit jeder hier, wenn sein Name aufgerufen wird, der Schwabe aber meldet brav „dahanna“. Wäre Luther ein Schwabe gewesen……. I stand dahanna…..

Dazu eine kleine Leitz-Geschichte. Ein des Schwäbischen mächtiger Oberkochner Kollege hielt vor einem deutschsprachigen Publikum aus D, A und CH einen Vortrag und schmückte ihn mit 125 Mal „dahanna“. Bis ein Kollege aus Ostwestfalen, ganz schalu geworden, fragte, was er den immer mit seiner Kollegin Hanne aus Troisdorf habe – das würde ihn jetzt schon sehr interessieren. Seit damals findet man in den Vorträgen des lieben Kollegen wohl kein „dahanna“ mehr.

 

Drottwar.

Vom französischen Trottoir abgeleitet und heißt auf hochdeutsch Gehweg oder gar Bürgersteig. In der eigentlichen Bedeutung „Weg, auf dem man trippelt“. Wenn die Familie sonntags spazieren ging. Mann und Frau (eingehängt im Arm des Mannes) und die Kinder sprangen auf der Straße nebenher, kam sofort die Ermahnung: „Kommet sofort auf da Drottwar.“

Das Wichtigste am Drottwar war aber die Kandl (oder auch Rinnstein), über die vor der Kanalisierung in den 1950er Jahren die Abwässer aus Küche, Haus und vom samstäglichen Autowaschen liefen. Nach starkem Regen waren die Kandeln sauber und die Kinder konnten mit der mitgeschwemmten Erde Staudämme bauen und Stauseen erzeugen (auch bei der Schneeschmelze als Spielplatz sehr beliebt); nicht immer zum Gefallen der Eltern und da hieß manchmal „Bleib mr bloß von dr Kantl weg!“

Der Bordstein hingegen dient zur Abgrenzung verschiedener Bereiche der Straße voneinander und zur Befestigung von Grünstreifen und des Fahrbahn- oder Wegrandes. Ornithologen aufgepasst! Der Vogel, der sich dort häufig aufhielt, war die Bordscheinschwalbe – sie ist in vielen Gebieten bereits ausgestorben und steht auf der roten Liste der Gemeindeverwaltungen 😊.

 

Du hasch aber en Balla beinander.

Du hast aber einen ordentlichen Rausch – auf schwäbisch klingt das viel schöner. Die Steigerung ist der Allmachtsballa. Und das Thema richtig investieren spielt hier auch eine Rolle, denn: A halbr Balla isch grad naus gschmissas Geld.

 

Du machsch mi no ganz schalu mit deim Gschwätz.

Dieses Wort verdanken wir auch dem Napoleon, der durch eine frühe Form der Globalisierung dafür sorgte, dass sprachlich überall etwas hängen blieb. Abgeleitet vom franz. „Jaloux“ und bedeutet verrückt, verwirrt, durcheinander.

 

Eingefleischter Junggeselle.

Das totale Gegenteil von Cherchez La Fame 😊. „Eingefleischt“ ist eine Lehnübersetzung von lat. incarnatus, welches ursprünglich nur den zu Fleisch gewordenen Jesus Christus bezeichnet. In der Wendung bedeutet es so viel wie „in Fleisch und Blut übergegangene Überzeugung“. Also einer, dem eine eheliche Beziehung gar nicht mehr vorstellbar ist und im Grunde in seiner eigenen Welt lebt – schlicht und einfach: „Nemme vrmittlbar!“

 

Ein Heller und ein Batzen

ist ein deutsches Gedicht von Albert von Schlippenbach (1800–1886) aus den 1820er Jahren. Mit verschiedenen Melodien war es als Studentenlied und soldatisches Marschlied weit verbreitet. Im Zweiten Weltkrieg wurde es in den von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten als Ausdruck von nationalsozialistischer Hybris wahrgenommen. (Ein Heller und ein Batzen / War’n allzweibeide mein; / Der Heller ward zu Wasser, / Der Batzen ward zu Wein.)

Ein Heller (Münze) Händelheller aus Silber (Prägestätte Hall am Kocher, 13. Jahrhundert) Ein Heller oder Haller, abgekürzt hlr., ist eine frühere deutsche Münze vom Wert eines halben Pfennigs, benannt nach der Stadt (Schwäbisch) Hall, lateinisch dann denarius hallensis oder auch hallensis denarius.

Ein Batzen (Bätz), der auf der Rückseite der Münze aufgeprägt war. Die Herkunft des Begriffs ist aber nicht gesichert. Der Wert eines Berner Batzens entsprach vier Kreuzern. Da der Gulden den Wert von 60 Kreuzer hatte, entsprach ein Batzen auch einem Fünfzehntel des Guldens.

 

Ein Heller und ein Batzen – berühmtes Volkslied (Internet)

 

Eisblume.

Das ist die schönste aller Blumen, die im Winter blühen. Sie ist ein Eiskristall, das wegen seiner Form Ähnlichkeit mit einer Pflanze respektive Blume zugesprochen wird. Es handelt sich um eine Sonderform von Raureif. Eisblumen entstehen typischerweise an Fenstern, sie können aber auch an anderen Oberflächen auftreten.

In meiner Kindheit habe ich sie oft bei meiner Oma in Waldhausen gesehen. Dort hatten sie noch alte Flügelfenster, die man zum Putzen mit einem Schlüssel öffnen musste und da bildeten sich in den damaligen harten Wintern herrliche Eisblumen. Und in meinem ersten eigenen Zimmer im Sonnenberg hatte ich ein Zimmer ohne Heizung und da war für Blumen am Fenster im Winter reichlich gesorgt.

 

Fantastische Eisblumen auf alten Holzfenstern (Internet)

 

Epfelbutza.

Man kann das nicht schöner beschreiben, was damit gemeint ist. Für ein hochdeutsches Wort müsste man fast eine Kurzgeschichte erfinden (Kerngehäuse des Apfels – wie das schon klingt). Mein Vati hat mir immer erklärt und vorgemacht, dass man alles essen kann, nur den Stiehl nicht. Und so halte ich es heute noch. Trotz aller Gerüchte, die durch das Internet wabern, ist die Blausäure in den Kernen nicht ungesund. Damit ein gefährlicher Anteil an Blausäure im Körper umgewandelt wird, müsste man schon einen kompletten Baum leeressen. Ungesunder ist es da schon unreife Äpfel zu essen. Also, im Rahmen der Nachhaltigkeit, der Butza muass weg, der Stiel darf übrigbleiben.

 

Famos.

Im 16. Jahrhundert von lateinisch famōsus‎ „viel besprochen“, „berühmt“, „berüchtigt“ entlehnt und im 19. Jahrhundert unter Einfluss von französisch fameux‎ „berühmt“ mit der heutigen Bedeutung „prächtig, großartig“ versehen, laut Duden in diesem Sinne ein Studentenwort und damit Teil der Jugendsprache des 19. Jahrhunderts.

 

Fei.

Das ist ein Wort, zu dem man als Reigschmeckter nicht lernen kann, wann’s passt und wann et. Als Schwoab woiß mr des oifach und rate dem Unkundigen: „Passet se fei auf, wenn se halt in Gott’s Nama schwäbisch schwätza wellet.“ Also lieber Leser – pass fei bloß auf.

 

Fernsehansagerin.

Ihr Hauptzweck der frühen Fernsehzeit war die Überbrückung des Umschaltvorgangs von einem Fernsehsender zu einem anderen, der mindestens 5 Minuten dauerte. Während dieser Zeit verlasen sie das nachfolgende Fernsehprogramm (Programmmoderation). Überwiegend handelte es sich um Fernsehansagerinnen, deren Aufgabe in der so genannten Anmoderation bestand. Zu den Fernsehansagerinnen und -ansagern der ersten Stunde gehörten unter anderen Annette von Aretin, Dagmar Bergmeister, Claudia Doren, Ingrid Ernest, Anneliese Fleyenschmidt, Elfi von Kalckreuth, Ruth Kappelsberger, Irene Koss, Sonja Kurowsky, Ursula von Manescul, Mady Manstein, Hilde Nocker, Birgit Schrowange, Dénes Törzs oder Victoria Voncampe. Als weltweit erste Fernsehansagerin gilt Ursula Patzschke-Beutel, die am 22. März 1935 ihre Fernsehansage mit den Worten begann: „Achtung, Achtung! Fernsehsender Paul Nipkow. Wir begrüßen alle Volksgenossen und Volksgenossinnen in den Fernsehstuben Großberlins mit dem deutschen Gruß „Heil Hitler!“. Mit der Anmoderation der Sendung „Dinner for One“ durch Dénes Törzs endete am 31. Dezember 2004 die Ära der Fernsehansager des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

 

Ehemalige berühmt Fernsehansagerinnen (v.l.n.r.) Ursula von Manescul, Irene Koss und Dagmar Bergmeister (Internet)

 

Fetz.

Ein solcher Begriff ist ein Schimpfwort – keine Frage – aber eines mit Anerkennung. Ein Fetz isch a Lomp mit Pfiff oder Charme. Die Steigerung ist der Granatafetz. Thaddäus Troll hat dieses Wort in seine Sammlung schwäbischer Schimpfwörter mit aufgenommen.

 

Fiddzele.

In der Physik wurden schon viele kleine Teile entdeckt. Das kleinste unteilbare scheint wohl oberflächlich betrachtet das Atom zu sein. Aber da wurden die Schwaben noch nicht gefragt und deren kleinstes Teil ist eindeutig das Fiddzele.

 

Firlefanz.

Für mich auch ein lautlich schönes Wort. Wie so oft geht auch das Französische zurück „firlei“. Es handelte sich dabei um einen Tanz, bei dem allerlei Blödsinn gemacht wurde. Und da dieser Tanz damals als anstößig galt, war er schlichtweg überflüssiger Firlefanz.

 

Fräulein.

Und da stellt sich sofort die Frage, warum es keine Herrlein gab. Fräulein war bis in die 1970er-Jahre hinein die förmliche Anrede für unverheiratete Frauen, unabhängig von ihrem Alter. Die Frauenbewegung kritisierte die Verkleinerungsform „Fräulein“. 1972 verfügte das Bundesinnenministerium, dass in Bundesbehörden erwachsene weibliche Personen mit „Frau“ anzusprechen seien. 

Die US-Besatzer kreierten dann ihr „Frollein Frollein“ und Chris Howland (Mr. Pumpernickel) sang 1958 von einem „Fraulein“.

 

Chris Howland sang 1958 vom „Fraulein“ (Internet)

 

Früher galt die Anrede Fräulein vor allem für berufstätige Frauen (z. B. Angestellte in Warenhäusern, Kellnerinnen und Lehrerinnen), da weibliche Berufstätigkeit damals noch strikt auf die Zeit vor der Ehe beschränkt war und davon auszugehen war, dass keine Frauen arbeiten gehen, sondern nur Fräuleins.

Der Todesstoß für das Fräulein kam sicher auch, weil die Doppelanrede Frau – Fräulein nichts anderes war als die offizielle Einteilung und Wertung des ganzen weiblichen Geschlechts nach seiner erklärten Beziehung zum Manne. Der Personenstand ist beim Mann Privatangelegenheit, bei der Frau aber Gegenstand öffentlichen Interesses.

Auch bei Goethe (war eh klar) findet man einiges zum Thema Fräulein:

Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?
Bin weder Fräulein, weder schön,
Kann ungeleitet nach Hause gehn.
Denk, Kind, um alles in der Welt!
Der Herr dich für ein Fräulein hält.

Galoschen.

Ganz korrekt sind das Überschuhe, die zum Schutz der eigentlichen Schuhe bei Bedarf über diese gestreift werden. Da sie meist aus Gummi bestehen, ist das An- und Ausziehen aufgrund des elastischen Materials leicht. In der Umgangssprache war damit aber gemeint: „Was trägst du denn da für abgetragene und ausgelatschte Schuhe“? Hast du nichts Besseres?

 

Gaudscha.

Gaudsch et so, sonscht hagelsch na – hörte ich oft aus Vatis Mund, wenn ich am Tisch sitzend, auf den zwei Hinterbeinen des Stuhls jonglierte. Der berühmteste Gaudscher der Literaturgeschichte ist der Zappelphilipp aus dem Struwelpeter.

 

Der Zappel-Philipp aus dem Struwelpeter (Archiv Müller)

 

Gammler.  

Der Ursprung ist ein völlig anderer. Gammeln bedeutet alt werden und was zu alt wird, isch vergammelt. In den 50ern und 60ern änderte sich der Sinn in „langsam sein und faul rumhängen“. Und weil all diese Langhaarigen in ihren Jeans und ihrem grünen Parka irgendwo rumhängten, nannte man sie flux „Gammler“; die keine Einstellung zu Arbeit hatten und sich oft anhören mussten „Des hätts beim Hitler et gäbba.“ Heute gammelt man nicht, heute hängt man ab oder chilled…..

 

Gammler in Deutschland – Auch ein Thema für den „Spiegel“ (Internet)

 

 

Wilfried „Billie Wichai“ Müller, Email: wichai@t-online.de, Mobil: 0171 2217 530, Frühlingstraße 2, 73447 Oberkochen oder Postfach 1328, 73444 Oberkochen

 

 

 
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