Gruseliges vom Wollenberg

Das Wollenloch, der geologische Star Oberkochens

Der Titel des Vortrags, sowie der Name des Referenten des 49. Vortrags im Rahmen der heimatkundlichen Berichtreihe des Heimatvereins Oberkochen hatten letzten Donnerstag ca. 70 Besucher ins Schillerhaus gelockt, darunter auch Gäste von Stuttgart, Aalen, Unterkochen, Königsbronn, Heidenheim und natürlich viele alte und auch junge Oberkochener, die der Vorsitzende Karl Elmer mit launigen Worten begrüßte.

Erich Hahn, 85 Jahre alt und jung wie einst im Mai, gleichzeitig der letzte Überlebende des Wollenlochklubs 1, der 1949 von Josef Paul (PX) Fischer („Kriminaler“) gegründet worden war, berichtete in seiner unnachahmlichen Art aus einer Zeit vor demnächst 65 Jahren. Die Veranstaltung bestand aus mehreren inhaltlich gegliederten Teilen.

Zunächst berichtete der „Friseur vom SAV“, wie Erich Hahn auch genannt wird, Spannendes zu den geologischen Hintergründen unserer Landschaft und des Wollenbergs: Jurameer, Hebung unserer Landschaft um mindestens 50 m, Abfluss der Wasser, Urbrenz, Verkarstung, Höhlenbildung. Die Bemerkung, dass der Rieskrater „explodiert“ sei, deutete darauf hin, dass die Grundlagen zur Berichterstattung in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts geschrieben wurden, – einer Zeit, zu der noch die „Explosionstheorie“ des Tübinger Professors Georg Wagner galt, und der Meteoriten-Einschlag (Ries/Steinheimer Becken) noch unbekannt war.

Dann folgten Presse-Berichte aus den Anfängen des Wollenlochklubs, die im Wesentlichen von PX Fischer stammen. Der wichtigste und ausführlichste war der mit dem Titel „Warum Wollenlochforschung“?

Ein dritter Teil des Vortrags befasste sich mit den eigentlichen Tätigkeiten der Wollenlochmitglieder, die zuerst per Hand-, später per Motorwinde nicht nur lastwagenweise Wollenlochverfüllung ans Tageslicht beförderten, – und am Ende in angeblich 80 m Tiefe (?) fast – was das Ziel war – den gesuchten unterirdischen Bach hören konnten, der irgendwann nach dem 30-jährigen Krieg den Pantoffel der vom Wollenlochschäfer ermordeten Ehefrau, deren Gerippe bis zum heutigen Tag in den Tiefen des Wollenlochs zu suchen wäre, zur Ziegelbachquelle befördert hatte, – sondern die an „besuchsaktiven Tagen“ auch viele zig Gäste in das grausige Loch beförderten. Mit dem tragischen tödlichen Unfall, der letztlich 1953 für den Wollenlochklub 2 das Ende der Aktivitäten am Wollenloch herbeiführte, gleichzeitig aber auch den Start der „Naturfreunde“ bedeutete, war, mit bedingt auch durch nicht mehr finanzierbare Auflagen des TÜV, das endgültige Aus des Wollenlochklubs (Wollenbergklubs) gekommen.

Die digital an die Wand geworfene Text- und Noten-Form des „Wollenlochlieds“ brachte – nach dem bei den Anwesenden spontan aufgekeimten Lied „Kein schöner Land“ am Fritz Leitz Ausflugs- und Kinderfest-Filmanhängsel zur 26. OHV des HVO am 7.3. d.J. – die HVO-Gäste innerhalb zweier Wochen zum zweiten Mal zum Singen. Faszinierend.

Große Heiterkeit verbreitete der DB-Bericht von Anneliese Heeber (Bericht 387 „Oberkochen – Geschichte, Landschaft, Alltag“ vom 2.3.2001 auf dieser Homepage, der schildert, wie die ersten Wollenlochbefahrungen vermittelst heimlich verwendeter Glockenseile stattfanden. Die Alt-Oberkochenerin Frau Heeber war mit ihrem Gatten zu diesem markanten Vortrag eigens aus Stuttgart angereist.

Ein weiterer recht heiterer Teil der Veranstaltung war eine Bilderschau. Der Ehrenvorsitzende des Vereins hatte 1980 aus dem Besitz der Wollenlochklubmitglieder Georg Weng und Helmut Grüning ca. 80 Fotos erhalten, die, in Dias verwandelt, eigens für diesen Vortrag von Rainald Püschner digitalisiert worden waren, sodass sie unter bemerkenswert großem Interesse, Spannung und Erinnerungsfreude ausgiebigst begutachtet und kommentiert werden konnten. Viele bislang unbekannten Personen konnten von den Besuchern identifiziert werden.

Der auswärts lebende Oberkochener Gerhard Schuster stellte mit speläologischem fachkundlichem Wissen ein faszinierendes Link zwischen der Sage vom Wollenlochschäfer, der europäischen Wasserscheide, der Ziegelbachquelle und möglicher großer Hohlräume hinter dem Kocherusprung her, von denen möglicherweise noch in der ersten Hälfte dieses Jahres die Rede sein könnte.

Erich Hahn beendete den spannenden Abend mit „Jetz beene ferdich, – meh woiß i nemme“. – Schwäbischer und besser gat’s net.

Dietrich Bantel

Unser 2. Foto zeigt den Blick aus den Tiefen des Wollenlochs hinauf in den trichterförmigen Zugang der senkrechten Höhle. Ein Seil ist erkennbar.

 

Dieses Foto zeigt 8 Wollenlochmitglieder – das Geheimnis, wer wer ist, hat Erich Hahn am Abend des 21. März gelüftet. Der Chef vom Ganzen, – »PX« Fischer ist mit dabei...

 

Dieses Foto zeigt den 85-jährigen Erich Hahn (li.) am 21. März 2013 nach seinem Wollenlochvortrag zusammen mit Paul Fischer (Woidle) vor dem an die Wand projizierten 64 Jahre alten Foto, das im Jahr 1949 Mitglieder des Wollenlochklubs auf der Brücke überm Wollenloch zeigt. Das Spannende an diesem Foto ist, dass hinter dem aktuellen Erich Hahn ("alt" 2013) in der Person des 1. jungen Mannes links vorne derselbe Erich Hahn ("jung" - 1949) zu sehen ist, d.h.: Erich Hahn um 64 Jahre jünger, - ein Foto von absolutem Seltenheitswert. - Bei der 2. Person von links in der hinteren Reihe erkennt man die graue Eminenz des Wollenlochklubs, Paul Josef (PX) Fischer. - Die 1. Person von rechts außen in der vorderen Reihe ist unser unlängst verstorbener Martin Gold, ("Bär") als junger Mann. (DB)

 
 
zurück

[Home]