Anmerkungen zum Wirtschaftsgebäude (Stallungen)


Wirtschaftsgebäude

Unsachliche Eingriffe in die Dachkonstruktion wohl noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die so genannten “Zangen“ - die statisch unverzichtbaren Hypotenusen der tragenden Dachdreieckskonstruktion - die die Dachkonstruktion druck- und schubsicher zusammenhalten, störten den Müller offenbar beim Einbringen des Heus auf den Speicher - also wurden sie kurzerhand in völliger Unkenntnis der statischen Auswirkung dieser unüberlegten Aktion herausgesägt. So begann die schwere Last der Dachziegeldeckung die tragenden Wände außen zu schieben – das Gebäude drohte einzustürzen. Deshalb wurden wohl die heute noch sichtbaren Stützpfeiler, die weder im Plan von 1877 noch im Plan von 1942 eingezeichnet sind, gegen die Wand gemauert. Als sich zeigte, dass diese hauptsächlich im Mittelalter übliche Maßnahme zur statischen Sicherung des Gebäudes bei Weitem nicht ausreichte, und das Dach noch weiterschob, wurden die ebenfalls noch heute auch von außen sichtbaren Stahlzuganker eingezogen – wie übrigens auch beim Gesindehaus. Unglücklicherweise wurden sie beim Wirtschaftsgebäude so eingebracht, dass sie mitten durch die wunderschönen neuromanischen Kreuzgratgewölbe laufen und diesem an sich wunderschönen Stallungs-Raum, wenn er eines Tages irgendwelchen anspruchsvolleren Zwecken dienen sollte, optisch stark zusetzen.


Kreuzgratgewölbe im Inneren des Gebäudes

Die laut LDA-Aussage statisch und denkmalpflegerisch nicht notwendige Wiederherstellung des „status quo“ stellt finanziell gesehen den Hauptbrocken bei der Sanierung des Wirtschaftsgebäudes dar.

Außer dem beschriebenen Schwabenstreich des Heraussägens der „Zangen“ wurde in die Giebelwand des Wirtschaftsgebäudes gegen den Kocher ein großes Tor aus der Wand ausgebrochen – damit der Stall als Garage genutzt werden konnte, welchem Zweck es bis zum heutigen Tag dient.

Höchste Zeit also, dass der Denkmalschutz (1979 wurden das Mühlengebäude und das Wirtschaftsgebäude, die schon zuvor unter Schutz standen, als geschützt bestätigt) und der Ensembleschutz für das gesamte Mühlenareal (1997) endlich wirksam geworden sind.

Anmerkungen zur Scheuer


Scheuer

 


Alte und neue Scheuer in einer Zusammenzeichnung im Bauplan von 1954

Die Scheuer wurde 1954 nach Plänen von Architekt Georg Kolb / Aalen neu errichtet, nachdem der über 312 Jahre alte Vorgängerbau baufällig geworden war.
Die Ausführung der heute bemerkenswerten großen Dachkonstruktion ist das nach den Kolb’schen Plänen gezimmerte Meisterstück des erst 29 Jahre alten Zimmermanns Willibald Mannes jr.

Durch die weitausragenden Dachvorsprünge (3,80 m) und den riesigen Innenraum eignet sich die Scheuer unter Miteinbeziehung des Gartengeländes hervorragend für Veranstaltungen. Man ist unwillkürlich an die riesige Markthalle von Dives-sur-Mer (Partnerstadt Oberkochens) erinnert.

Der Heimatverein begann dort im Jahr 1993, nach den Gartenfesten der Soldatenkameradschaft, noch zu Lebzeiten von Frau Scheerer, sein schnell beliebt gewordenes Mühlenfest abzuhalten, das er ab 2006 mit guten Wünschen in die Hände des neu gegründeten Mühlenvereins gibt.

Anmerkung zum „Ausding“

Das „Ausding“ ist 1882, nach 5 Jahre nach der Mühle erbaut. Auch 1932 sind Baumaßnahmen aufgeführt. Das Gebäude ist von Privat bewohnt.


„Ausding“

 

Das „Ausding“ wurde Ende April 2015 abgebrochen. An seiner Stelle wird ein modernes „Zugangsgebäude“ mit Mehrzweckfunktionen für das in den nächsten Jahren zur Restaurierung anstehende Wirtschaftsgebäude errichtet. Durch diese Maßnahme wird auf der einen Seite das ursprünglich unter Ensembleschutz stehende Scheerermühlenareal in seiner Gesamtwirkung zwar stark verändert – auf der anderen mag ein einfühlsamer Neubau durchaus interessant und vor allem nützlich sein.


zurück

weiter

[Home]          Seite 5 / 9