Das Wasserrad

Die Hauptattraktion der Außenansicht der Mühle war und wird hoffentlich bald wieder das Mühlrad sein – ein gewaltiges metallenes Ungetüm, das im Jahr 2007 genau 130 Jahre alt geworden ist.

Wie aus den in unserer Homepage veröffentlichten Plänen zu erkennen ist, wurde es 1877 gegen vier sehr alte wesentlich kleinere und hölzerne Wasserräder ausgetauscht. Der Plan von 1877 zeigt in einer Zusammenzeichnung sowohl die vier alten als auch das neue Wasserrad.

Im ältesten bekannten Mühlenplan, der sich im Mühlenbuch von 1751 befindet, sind ebenfalls vier Wasserräder eingezeichnet. Erst durch das Studium der von Otto Schaupp beim Wasserwirtschaftsamt aufgespürten Original Mühlenakten, die sich durch Vermittlung der Stadt Oberkochen seit 27.02.2007 in kopierter Form im Besitz des Heimatvereins befinden, wird schlüssig belegt werden können, ob es sich um dieselben handelt wie die, die 120 Jahre später durch das eine große Mühlrad ausgetauscht wurden.


Das Wasserrad vor dem Ausbau

Vor 1877 benötigte man für jeden Prozess der auf dem Weg vom Getreide zum Mehl notwendig war, eine eigene Antriebskraft. Durch das große Antriebsrad von 1877 konnten die verschiedenen Arbeitsgänge (= Mahlgänge) über das Mittel der sogenannten Transmissionen von einer einzigen Kraftquelle übernommen werden. In der Kocherzeitung vom 22. Mai 1877 wird unter „Aalen“ folgende Bekanntmachung veröffentlicht:


Originaltext von 1877

Wolfgang Schnerr, Technikhistoriker und Geograph (an seinen hervorragenden Vortrag zur Mühlentechnik am 25. Mai 2006 sei erinnert) hat in seiner im Auftrag des Landesdenkmalamts gefertigten Dokumentation der technischen Einrichtung und des Wasserbaus der Scheerermühle sowie seiner Beschreibung des damals aktuellen Zustands derselben (Mai 2004) geferrtigt. Dieses reich bebilderte Werk wurde vom Heimatverein käuflich erworten. In ihm ist auch eine Beschreibung des Wasserrads aufgezeichnet, die wir mit seiner Genehmigung hier teilweise zum Abdruck bringen.

  Bezeichnung: Oberschlächtiges Zellenrad. Hersteller: Maschinenfabrik Geislingen.
Funktion: Erzeugung eines Drehmoments durch Umwandlung der Gewichtskraft des Wassers in Drehbewegung.
Konstruktion: Zwei im Umfang gegeneinander versetzte Zellenkränze mit schmalen, jedoch tiefen Zellen: Rosette und Radarme aus Eisenguss, Radkranz und Zellen aus Stahlblech; Radarme mit Radkranz verschraubt. Zellen eingenietet.
Welle aus Stahl, dto. Lagerböcke und Schmieröffnungen.
Der Einlauf erfogte ursprünglich über ein kürzeres nach hinten geneigtes Endstück über die gesamte Breite, so dass die beiden Zellenkränze gleichzeitig beaufschlagt wurden.
Maße: Durchmesser 3,30 m, Breite 3,00 m, geteilt 1:1

Herr Schnerr führt weiter aus, dass durch die geteilte und versetzte Zellenanordnung ein ruhiger Lauf des Rads gewährleistet ist.
Man spricht in diesem Zusammenhang von Lageenergie (potentielle Energie) und Bewegungsenergie (kinetische Energie). Durch das Zusammenwirken der beiden Energieformen bei unserem Wasserrad wird die im Fall erzeugte Luft so günstig abgeführt, dass so gut wie kein Spritzwasser erzeugt wird.
Einige der nun in Wolfgang Schnerrs Dokumentation folgenden Ausführungen zum Zustand sind zwischenzeitlich teilweise überholt.
Was zu den Maßnahmen zur Restaurierung und Wiederherstellung der Funktion der Technik ausgesagt ist, betrifft ausschließlich den Mühlenverein und wird von uns nicht kommentiert.

Am Samstag, dem 14. Juni 2005 wurde das rund 8 Tonnen schwere Wasserrad mit einem Spezialkran der Firma Brendle aus Aalen innerhalb von 15 Minuten aus seiner Lagerung gehoben (Bericht in BuG vom 17.06.2005).....


Wasserradhebetse

 


Bürgermeister Traub hat den „Durchblick“

……und wenig später mit einem Spezialtieflader der Firma Traub aus Ebnat (BuG vom 12.08.2005) nach Heidenheim zur Firma Voith abtransportiert. Wir verweisen auch auf den Bericht in der „Schwäbischen Post“ vom 11.08.2005. Die stark eingelaufene Wellenzapfen mussten plangedreht werden, da bereits zum damaligen Zeitpunkt von Bgm. Traub im Sinne des Denkmalschutzes die Entscheidung für die Beibehaltung der authentische Gleitlagerung getroffen worden war.
Inzwischen ist das Riesenstück am 13.09.2006 wieder in Oberkochen eingetroffen und wartet vor dem Wirtschaftsgebäude in Kunststoffverpackung auf seinen Wiedereinbau.


verpacktes Wassserrad

Nach dem Wiedereinbau des Wasserrads kann immer noch geprüft werden, ob über dieses nicht ebensoviel Energie erzeugt werden könnte wie über die Turbine, denn für das Gesamt-Erscheinungsbild der Mühle wäre es von unschätzbarem Wert, wenn der Blick von der Mühlstraße her auf dieses historische technische Wunderwerk nicht durch das erst 1977 erbaute Turbinenhäuschen versperrt wäre.
Der Mühlenverein hat bereits ziemlich Geld in die erfolgreiche Instandsetzung der Turbine investiert. Hier abzuwägen und zu entscheiden liegt in den Händen des Mühlenvereins und des Regierungspräsidiums Abt. Denkmalschutz.


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