Der Possible

Zu Zeiten, als man im Bad noch kein Fließwasser hatte, und auch die Hygiene die Ostalb-Welt noch nicht erobert hatte, also vor fast 100 Jahren, war ein alter Oberkochener zu Besuch in Kalifornien und Gast bei einer befreundeten amerikanischen Familie. Der Oberkochener, ein gewisser FG, stellte schnell fest, dass das Bad der amerikanischen Gastfamilie entschieden besser ausgestattet war, als sein Oberkocher Gegenstück. Zwar hatte man auch dort noch das berühmte irdene gelblichweiß glasierte „Waschlavor“ und die ebenso gelblichweiß glasierten Wasserkrüge. Aber die Lavore waren doppelt so groß wie das zuhause, und es gab tatsächlich zwei davon nebeneinander. Statt einem irdenen Familienbecher fürs Zahnputzwasser gab es zwei Zahnputzwassergläser die auf einer marmornen Abstellleiste unterm Kommodenspiegel standen. Für die Handtücher, die in Oberkochen – zwei für die ganze Familie - an einem Haken hingen, gab es in den USA schöne Aufhängebügel beidseits der Waschkommode.

Was dem Gast am meisten auffiel, war, dass es für ihn als Gast zwei Extrahandtücher und zwei Extrawaschlappen gab. Da der Oberkochener nicht wusste, weshalb er zwei Waschlappen und zwei Handtücher bereit gelegt bekommen hatte, fragte er, für was das gut sei. - Vor allem irritierten ihn die zwei Waschlappen. Also fragte er am Abend vor der ersten Nacht den wenig deutsch sprechenden Gastgeber in seinem besten Englisch, für was die beiden Waschlappen da denn gut seien: „For what are se two waschläps good?“ fragte er. Der Gastgeber antwortete lächelnd: „The links is for your Gesicht runter bis as far as possible, and the rechts is for your Fieße rauf bis as far as possible.” Der Oberkochener kannte das Wort „possible” nicht und fragte deshalb: „Oh, I see, - and was und wo isch nao bitte „der Possible?“

Gehört und bearbeitet von Dietrich Bantel – 12.7.2011

 
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