Nachruf Dietrich Bantel: Regelmäßige Treffen im „Sechser-Klub“
Ein Schüler erinnert sich an seinen Lehrer

Dietrich Bantel 2014 mit dem Mühlenbuch des Heimatvereins Oberkochen. Foto: SP-Archiv/ ls

Dietrich Bantel (seine Freunde nannten ihn oft Didi) wurde in Stuttgart geboren. Er kam 1962 als Referendar an das Progymnasium Oberkochen und unterrichtete dort bis 1995 Englisch und Bildende Kunst. Im Jahr 1974 wurde er zum Gymnasialprofessor ernannt.

Zusammen mit dem damaligen Studienrat Otto Fischer engagierte er sich auch für die Musik am Progymnasium. Er leitete als erster Geiger ein Streichquartett, das wöchentlich in seiner Wohnung probte. Zum Abschluss jeder Probe gab es ein kleines Essen, das von seiner tollen Frau Susi liebevoll zubereitet wurde. Das Streichquartett trat zum Beispiel bei einem Sommernachtskonzert im Progymnasium auf und spielte ein wunderschönes und schweres Quartett von Franz Schubert.

Mit seiner ersten Schulklasse, die die mittlere Reife erreichte (Abschluss der damals sechsten Klasse), gründete Bantel den „Sechser-Klub“ mit dem Ziel, sich regelmäßig zu treffen und Erinnerungen an die Schulzeit aufrecht zu erhalten. Die Gründung erfolgte in einem Restaurant im Niesitz bei Ebnat. Jedes Mitglied musste bei der Aufnahme ein mindestens zweizeiliges lustiges Gedicht verfassen und sich damit charakterisieren. Es gab also von Anfang an Spaß und intellektuelle Anforderungen.

Didi organisierte dann immer wieder Treffen der Mitglieder des Sechser-Klubs. Manche reisten dazu von weit her an, ein besonders engagiertes weibliches Mitglied sogar von Connecticut (USA). Das letzte Treffen war im Juli 2017 in Oberkochen in der Nähe des Bergheimes, des ersten Sitzes des Progymnasiums. Jeder zitierte dabei sein Gedicht, das er bei der Aufnahme verfasst hatte, jeder berichtete, was er seit der mittleren Reife beruflich und privat erlebt hatte. Auch der frühere Studienrat Otto Fischer war anwesend und von den Karrieren seiner ehemaligen Schüler sehr beeindruckt. Didi zeigte Bilder aus alten Zeiten. Tags darauf organisierte er noch einen Besuch im Heimatmuseum.

Bei diesem letzten Treffen schien „Didi“ keine gesundheitlichen Probleme zu haben und alle hofften, dass er bald wieder ein solches Treffen organisieren werde. Er starb aber am Dienstag, 6. März, mit 82 Jahren.

Alle Mitglieder des Sechser-Klubs sind schockiert und sehr traurig. Sie verloren nicht nur ihren früheren Lehrer und den Gründer des Sechser-Klubs, sondern auch ihren sehr guten Freund.

Dietrich Bantel hinterlässt eine große Lücke in Oberkochen, wo er im Heimatverein viele Jahre tolle Dinge organisierte. Die Sechser-Klübler wünschen seiner Frau Susi, die immer in sehr liebevoller Weise die Treffen begleitete, viel Kraft, mit der neuen Lebenssituation umzugehen. Sie hatte einen ganz außergewöhnlichen, liebevollen und hochgebildeten Ehemann, der jahrzehntelang sehr große Dinge leistete und viele gute Freunde gewann.

Die Mitglieder des Sechser-Klubs werden sich immer nicht nur ehrfurchtsvoll und dankbar, sondern vor allem in großer Liebe an Didi erinnern. Sie werden sich auch weiterhin in gewissen zeitlichen Abständen treffen, um die Erinnerung an Didi aufrecht zu erhalten.

Prof. Dr. Manfred Fähnle

 
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