Gruppe 2 – Kleindenkmale außerhalb Etters – Seite 1

  1. Scheerers Stoile (Bericht 442)



    Vor ein paar Tagen erhielt ich einen Brief aus Blaichach bei Sonthofen im Allgäu. Absender: Hansjörg Fischer. Er schreibt:

    Als Mitglied des Heimatvereins erlaube ich mir, die Korrektur einer Aussage im »Heimatbuch« »Oberkochen – Geschichte, Landschaft, Alltag« vorzuschlagen: In dem Kapitel »Flurnamen in Oberkochen« von Karl Schurr wird im Abschnitt »Waldflurnamen« b) westliche Gemarkung, Seite 252 unter 6. Fuchskohlplatte ausgesagt, dass »Scheerers Stoile«, wie die alten Oberkochener sagen, nicht mehr vorhanden ist. Dem ist nicht so.

    Um die Begründung meines Widerspruchs darzulegen, muss ich »ein wenig ausholen«:

    Meine Familie wohnte von 1928 - 1955 in der Försterstraße, benannt nach dem von einem Wilderer auf dem Ochsenberger Feld erschossenen Förster Braun. Die Witwe dieses Försters war unsere Nachbarin, und wir Buben durften für sie ab und zu einen Schoppen Bier im Steinzeugkrug vom Grünbaumwirt holen. Das von uns bewohnte Haus hatte keine Zentralheizung, die Räume wurden ausschließlich mit Buchenholz beheizt. Aus diesem Grund war es für uns selbstverständlich – und für sehr viele Oberkochener auch – jedes Jahr einen »Schlag« zu kaufen, der im Laufe des Sommers »aufgemacht« werden musste. Nach meiner Erinnerung wurden die »Schläge« im Frühjahr bei einer Auktion in der »Schell« versteigert. Durch diese »Schläge« kamen wir schon als Kinder in die verschiedensten Waldbereiche der Gemarkung: Realwald – Gemeindewald – Staatswald.

    So führte unser Weg in den »Schlag« hin und wieder auch an »Scheerers Stoile« vorbei. Dabei erzählte meine Mutter (geb. 1903) die Geschichte vom verunglückten Georg Scheerer (siehe auch Heimatbuch »Altes Handwerk« Seite 109 unten). Nach den Erzählungen meiner Mutter war besagter Georg Scheerer mit dem Pferdefuhrwerk auf der Brunnenebene und hatte »Meterholz« (das waren die einen Meter langen Buchenscheite als Brennholz) auf dem Leiterwagen geladen. Von der Brunnenebene führte früher ein tief eingefahrener Weg in Nord-Süd-Richtung hinunter zur Fuchskohlplatte. Diesen Weg befuhr Scheerer mit seinem schwer beladenen Fuhrwerk. Um die Bremse zu betätigen, musste er etwa einen Meter vor der Vorderachse des Wagens gehen. Als das linke Vorderrad in ein größeres Loch im Weg abtauchte, der obere Teil des Leiternwagens jedoch in der Waagerechten blieb, hängte die »Luixel« aus, kippte nach vorne und rammte sich in den Oberkörper des Georg Scheerer. Der Schwerverletzte konnte damals keine Hilfe herbeirufen, denn in der Nähe war niemand, und bis man daheim sein langes Ausbleiben bemerkte, war er seinen Verletzungen im einsamen Wald erlegen. Die Unglücksstelle liegt ziemlich oben, also am Anfang der starken Gefällstrecke hinunter zur Fuchskohlplatte. Soweit die Geschichte.

    Nun zum Stein, dem »Scheerers Stoile«. Nach mehreren Jahren führte mich mein Weg auf den Volkmarsberg über das Steinschräufle und die Fuchskohlplatte wieder einmal an diesem Gedenkstein vorbei. Das war im August 2001. Da ich eine Kamera bei mir hatte, fotografierte ich den Stein. Die Lichtverhältnisse waren nicht so gut, so dass die Inschrift nicht eindeutig auf dem Bild lesbar ist.

    Sie lautet:

    Hier verungl. am 20. Mai 1894
    J. Georg Scheerer
    Müllermeister Oberkochen


    Das war also der Großvater von Hans und Elsbeth Scheerer.

    Mein letzter Besuch an dieser Stelle war am 22. März 2003. Die Verwitterung des Steins schreitet weiter fort, die Schrift wird durch abplatzende Schichten schrittweise zerstört und die Standfestigkeit des etwas 50 cm aus dem Boden ragenden Steins wird auch schlechter. Ich bin der Meinung, dass sich der Heimatverein um dieses »Denkmal« kümmern sollte, damit es vor dem Verfall gerettet werden kann. Und noch etwas: Die Luixel ist eine zusätzliche Abstützung der »Leiter« auf der Wagenachse, sowohl vorne als auch hinten. Eine ausführliche Beschreibung würde hier zu weit führen. Sie könnten dazu den Martin Gold (Schmiedjörgle) oder den Eugen Winter (Herrgottshäfner) fragen, die müssten das wissen. Mit freundlichen Grüßen, Hansjörg Fischer.

    »Scheerers Stoile« findet man am besten von »oba ra« kommend. Martin Gold und ich haben das natürlich umgehend getan, schon um ein aktuelles Foto zu schießen. Man geht vom Volkmarsberg kommend an der Leitzhütte vorbei am Rand der Brunnenebene Richtung Süden und kommt oben an dem großen Kahlschlag vorbei, von welchem aus man einen herrlichen Blick auf Oberkochen hat. Dort steht die »Carl Carstens Bank« gleich neben der alten Weber'schen Drachenflieger-Startrampe. Dem Weg weiterfolgend kommt man am sogenannten »Jakobstein« vorbei. Der Jakobstein ist ein großer Findling, der in den frühen Sechzigerjahren vom Amtsvorvorgänger des Reinhold Vogel (Forstvogel) namens Jakob Jäger aufgestellt wurde. Der »Jakobstein« mit seiner sattelförmigen Sitzmulde war seinerzeit beim Wegbau gefunden und nahe der Fundstelle aufgestellt worden. Manche Leute nennen den Stein auch »Jägerstein« oder »Jakob-Jäger-Stein«. Immer noch weiter Richtung Tiefental gehend gelangt man bald an die Stelle, wo der von Hansjörg Fischer erwähnte Hohlweg vom Steinschräufle herkommend auf den Kalkweg stößt. Die Waldabteilungen Fuchskohlplatte, Hintere Brunnenebene und Vordere Brunnenebene stoßen hier aufeinander. Von oben her zweigt der Hohlweg hier vom Kalksträßle aus rechtwinklig links hinab, zur Fuchskohlplatte/Steinschräufle und weiter Richtung Leitz führend, ab. Er ist schon ziemlich mit Buchenunterholz eingewachsen. Folgt man ihm ca. 150 Meter talwärts, so findet man »Scheerers Stoile« links etwa fünf Meter neben und oberhalb des Hohlwegs. Der Heimatverein wird die Anregung von Herrn Fischer aufgreifen und sich um den Erhalt des Gedenksteins kümmern. Richard Schill, der in den Sechzigerjahren beim Wegbau dabei war, berichtete, dass »Scheerers Stoile« tatsächlich eine gute Zeitlang »gefehlt« habe. Er geht davon aus, dass Angehörige den Stein herausgenommen hatten, um ihn richten zu lassen.



    Das Datum des Unfalls, etwas schwer zu lesen, ist übrigens nicht der 20. Mai 1894, sondern der 29. Mai 1894. Böse Zungen behaupten, dass der Unfall passiert sei, weil Georg Scheerer am Himmelfahrtstag Holz gefahren habe. – Dietrich Bantel
     
  2. Gutknechts Stoile (Bericht 496)



    Die Leser unserer heimatkundlichen Serie werden sich daran erinnern, dass wir vor drei Jahren über den Gedenkstein »Scheerers Stoile« (BuG v. 2. Mai 2003 - Bericht 443) berichtet haben. Wenig später wurden wir daran erinnert, dass es auf unserer Gemarkung ein weiteres »Gedenk-Stoile« gibt. Im Gegensatz zum »Scheerers Stoile«, das kartographisch noch nicht aufgenommen ist, ist dieses etwa 20 Jahre jüngere »Stoile« offiziell in der amtlichen Karte des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg im Maßstab 1:50.000 aufgenommen. (Freizeitkarte des Schwäbischen Albvereins).

    Mir war das Stoile bereits in den Achtzigerjahren aufgefallen, als wir uns auf dem Weg nach Ebnat auf der Suche nach einem angeblichen hallstattzeitlichen Grabhügel befanden, der sich noch auf Oberkochener Gemarkung befinden solle. Diesen haben wir bis heute nicht gefunden; und er ist – im Gegensatz zu dem Gedenkstein – auch nicht in einer Karte aufzufinden.

    Der Gedenkstein hat die Inschrift:

    Hier starb an einem Schlaganfall
    Josef Gutknecht, Bahnarbeiter
    von Oberkochen
    am 16. Dezember 1917


    Primus Schmied, dessen »Ehle« (Großvater) Josef Gutknecht war, konnte mit einigen Daten und vor allem den näheren Umständen des Todes weiterhelfen. Wertvolle Hilfe leistete Irma Zimmermann vom Katholischen Pfarramt.
    Beiden Informanten herzlichen Dank.

    Am 16. Dezember 1917 befand sich die Großfamilie Gutknecht auf einem Familienausflug. Dieser sollte sie über den damals noch tief im Boden versteckten Römerkeller ein Stück die alte Ebnater Steige hinauf, dann links abbiegend etwas steiler hinauf zum Härtsfeldrand und dann fast eben über das Bildstöckle Maria Eich, das man wie immer wenn man diese Strecke wanderte – wie anlässlich einer kleinen Wallfahrt – aufsuchen wollte, nach Ebnat zum Mittagessen bringen.

    Den »Ehle« überkam dann oben auf der Ebene, (auf der Karte unweit der Höhenangabe 634 m – Waldabteilung »Sauteich«, Realwald) ein »menschliches Rühren«, weshalb er sich von der Gruppe absetzte und zurückblieb. Nach einiger Zeit kam es den Verwandten seltsam vor, dass der »Ehle« nicht nachkam.

    Man rief nach ihm und machte sich, als keine Antwort kam, auf den Weg zurück, um nach ihm Ausschau zu halten. Schnell fand man ihn nur wenig abseits rechts des Weges tot im Wald liegend vor. Er war ohne jegliche Vorankündigung an einem Schlaganfall blitzartig verstorben. Die Aufregung war groß.

    Josef Gutknecht, am 3. Dezember 1849 in Oberkochen geboren, war nur 68 Jahre alt geworden. (Im Heiratsregister steht »Zang«). Beerdigt wurde er am 19. Dezember 1917, vormittags 9 Uhr. Seine Eltern waren Leonhard Gutknecht und Magdalena geb. Deininger.

    Josef Gutknecht war verheiratet mit Barbara, geb. Opferkuch aus Dewangen, die ihn um fast 15 Jahre überlebte. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor. Nachfahren des Josef Gutknecht leben heute noch in Oberkochen.

    Der Schwäbische Albverein und der Heimatverein sind bemüht, weitere Kleindenkmale auf Oberkochener Gemarkung festzumachen – wir bitten um Ihre Mithilfe.

    Die Albvereinsjugend unter der Leitung von Hans-Peter Wolf hat sich in dankenswerter Weise des »Scheerers Stoile« angenommen, und hat, wie in den Nachrichten des Schwäbischen Albvereins 4/2005) zu lesen war, auch dem Gedenkstein »Gutknechts Stoile« schon einen Besuch abgestattet. Sie wird auch dieses betreuen.

    Zwei Gedenksteine – zwei Schicksale.
    Viele Menschen sterben im Wald und auf der Flur – und niemand hat ihnen je einen Gedenkstein gesetzt. Heute sieht man in erschreckendem Maß vermehrt Kreuze und Gedenksteine entlang der Landstraßen, die daran erinnern, dass das Leben im wahrsten Wortsinn in Blitzesschnelle beendet sein kann. – Dietrich Bantel


     
  3. Tödlicher Skiunfall (Bericht 505)

    In unserem »Ferienrätsel« haben wir in BuG vom 1. September d.J. u.a. nach einem bislang praktisch unbekannten Gedenkstein auf unserer Gemarkung gefragt.

    Zur Vorgeschichte: Im Frühsommer d.J. fragte mich unser Mitbürger Helmut Babik, der die HVO-Berichte vom »Scheerers Stoile« und die vom »Gutknechts Stoile« gelesen hatte, ob mir bekannt sei, dass es auf Oberkochener Gemarkung einen dritten Gedenkstein gibt, – was ich verneinte.

    Mir war zwar bekannt, dass sich ca. 1960 am Langertstein ein tödlicher Skiunfall ereignet hatte. Ich wusste auch, dass man den Verunglückten längere Zeit vermisst, gesucht und erst nach einigen Tagen gefunden hatte; dass dem Verunglückten an der Unfallstelle jedoch ein Gedenkstein gesetzt worden war, wusste ich nicht.

    Wenige Tage später legte mir Helmut Babik drei Fotos vor – eines von dem Gedenkstein, eines von der darauf befindlichen Gedenktafel und eines mit einem Lageplan, in welchen er die schwer zugängliche Unfallstelle unterhalb des Langertsteins genau eingetragen hatte.

    Zwei richtige Lösungen zu dieser Frage sind bei uns eingegangen – wir berichteten Anfang Oktober darüber im Amtsblatt.

    Ich versuchte dann, über das Archiv der Polizei, das Archiv der Firma Carl Zeiss und das der »Schwäbischen Post«, Fakten zu dem Unfall zu finden. Während weder über die Polizei noch bei Carl Zeiss irgendwelche Unterlagen gefunden werden konnten, erhielt ich bereits nach wenigen Tagen vom Archiv der »Schwäbischen Post« zwei Presseberichte zu dem Unfall, der sich an Silvester 1960 ereignet hatte:

    Die Vermisstenmeldung in der SP-Ausgabe vom 3. Januar 1961, und die Nachricht aus der SP-Ausgabe vom 7. Januar 1961 mit dem ausführlichen Bericht zum Unfallhergang und mit der Nachricht, dass der vermisste Skifahrer tot aufgefunden wurde. Die SP hat uns freundlicherweise die Abdruckgenehmigung erteilt. – Dietrich Bantel


     

  4. Ein weiteres Objekt ist unter „Kreuze außerhalb Etters“ aufgenommen (Gedenkplatz für 3 Tote bei einem Verkehrsunfall an der B19 nördlich der Nordrampe).
     
  5. Da ich mehrfach daraufhin angesprochen wurde, weise ich darauf hin: Das Denkmal für den 1926 erschossenen Förster Braun steht nicht auf Oberkochener sondern auf Königsbronner Gemarkung.

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