Höhlengrabung an der Quelle

Höhlenforscher versuchen, in die Quellhöhle des schwarzen Kochers bei Oberkochen zu gelangen

Höhlenforscher haben am vergangenen Wochenende eine Sondierungsgrabung an der Quelle des Schwarzen Kochers in Oberkochen begonnen. Von Freitagabend bis Sonntagmittag haben über 20 Höhlenforscher in Schichtarbeit versucht, in die Quellhöhle zu gelangen. Ein Durchbruch in die große Flusshöhle indes gelang noch nicht.

Die Höhlenforscher graben entlang der Gräben, die sich im Quellhang oberhalb des Schwarzen Kochers bei Oberkochen zeigen.
(Fotos: Hansjörg Schneider)

Hansjörg Schneider, einer der 20 Höhlenforscher, spürte an einem heißen Sommertag vor drei Jahren, einen deutlichen Luftzug aus dem Quell-Hang längs des Kocherursprungs in Oberkochen. „Weil das auf ein Höhlensystem hindeutet, war das für uns Anlass, die Sache näher unter die Lupe zu nehmen“, sagt Schneider. Luftzugsmessungen der beteiligten Höhlenforscher-Vereine in den folgenden Sommermonaten folgten und bestätigten die Vermutung, dass hier recht stark Kaltluft ausströmt. Die Grabung erfolgte nun am vergangenen Wochenende, nachdem die erforderlichen Genehmigungen vorlagen.

Nach dem letzten starken Hochwasser hatten sich im Hang Gräben gebildet, was nach Aussage des Höhlenforschers auf einen darunter liegenden Wasserlauf hinweist. „Wir wollten wissen, wo es herkommt“, berichtet Schneider. Die Grabungen fanden aus naturschutzrechtlichen Gründen mit einfachen Mitteln statt: Schaufeln, Spaten, Hacken und Stemmeisen waren im Einsatz. Es wurden vor allem Gesteinsblöcke beseitigt, da das hier anstehende Weißjura Beta-Gestein durch Verwitterung vielfach zerbrochen ist.

Dabei konnte eine kleine Spaltenhöhle mit fünf Metern Länge geöffnet werden. Starker Luftzug deutete auch hier auf ein großes Höhlensystem hin. Ein Durchbruch in diese sicher vorhandene große Flusshöhle gelang dann aber noch nicht. Schwierigkeiten, so Schneider, bereiteten vor allem der verstürzte Felsbereich direkt an der Quelle und die Enge der vorgefundenen Spaltenhöhle.

Die wegen des Hochwassers von Anfang Juni hohe Schüttung der Quelle habe die Arbeiten kaum beeinträchtigt. Allerdings waren dadurch Bäume in den Quellbereich gefallen, die der Bauhof der Stadt Oberkochen vor den Grabungen erst wegräumen musste. Das Team des Bauhofs, die Stadtverwaltung Oberkochen sowie Dietrich Bantel aus Oberkochen, die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts und das Landesdenkmalamt sowie der Oberkochener Landwirt Hansjörg Gold hatten den Höhlenforschern die Grabung ermöglicht.

Der gesamte Quellbereich wurde nach den Erkundungsarbeiten wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Für die Zukunft hoffen die Höhlenforscher, dass weitere Genehmigungen möglich sind, da die zu erwartende Quellhöhle des Schwarzen Kochers große Dimensionen erwarten lässt. Welche Erfolge sich durch solche Grabungen erzielen lassen, zeigten unlängst mehrere Höhlenvereine im Blautopf-Einzugsgebiet. Hier sind das Blauhöhlensystem auf mittlerweile über zehn Kilometer und die benachbarte Hessenhauhöhle auf fast vier Kilometer Ganglänge erforscht (siehe auch www.blauhoehle.de sowie www.blauhoehle.com).

Die Sondierungsgrabung am Kocher wurde von den beiden Höhlenvereinen „Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten e.V“ (http://www.arge-grabenstetten.de) sowie der „Höhlenforschergruppe Ostalb-Kirchheim e.V.“ (www.hfgok.de) durchgeführt.

Das Bild zeigt den Beginn der fünf Meter langen Spaltenkluft.

 

Die senkrecht gebrochene Sedimentbankung sieht aus wie eine vorgeschichtliche Zyklopenmauer. Foto Dietrich Bantel

 

Eingang am Ende der Grabung; schön ist der Kluftgang und der Betakalk zu sehen; Foto: Andreas Schober

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Hansjörg Schneider

 
 
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