Hinterm Kocherursprung könnte eine Höhle stecken

Heimatforscher Dietrich Bantel beschäftigt sich mit der unterirdischen Geologie in Oberkochen

Die Frage, ob es in den Bergen hinter dem Kocherursprung in Oberkochen eine Höhle gibt und wie der unterirdische Teil des Schwarzen Kochers dort verläuft, beschäftigt den Oberkochener Ehrenbürger und Heimatforscher Dietrich Bantel, seit er vor 50 Jahren nach Oberkochen kam. Möglicherweise wird dieses Rätsel in den nächsten Wochen und Monaten gelöst.

Der Ursprung des Schwarzen Kochers im April 2013. Pro Sekunde fließen zwischen 50 und 4000 Liter Quellwasser aus den Klüften und Felsspalten am Fuße des Berghangs. (Foto: Krehlik)

Bereits Anfang der 80er Jahre gründete Dietrich Bantel am Gymnasium in Oberkochen eine Interessengemeinschaft Geologie Oberkochen (InGo), die sich mit den Besonderheiten der Karstlandschaft, ihrer Quellen und unterirdischen Wasserläufen beschäftigte. Sogar der bekannte Höhlentaucher und Erforscher des Blautopfes Jochen Hasenmayer führte damals in Oberkochen am Ölweiher, dem Ursprung des „Roten Kochers“ Untersuchungen durch. Ein ehemaliger Schüler von Dietrich Bantel, der Essinger Höhlenforscher Hansjörg Schneider bereitet zusammen mit den Speläologen Dr. Bohnert und Thilo Koch von der Arge „Höhle und Karst Grabenstetten“ und der „Höhlenforschungsgruppe Ostalb – Kirchheim/Teck“ aktuell eine Sondierungsgrabung am Kocherursprung in Oberkochen vor, um hier weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

Auf diesem Foto hat Dietrich Bantel die Austrittsöffnungen des Wassers während der Schneeschmelze dokumentiert. (Foto: Privat)

Die Vermutung, dass sich in diesem Bereich eine größere Höhle befinden könnte, gründet sich unter anderem auf bereits durchgeführte Luftzugsmessungen. Da die Temperatur im Berg konstant sieben Grad Celsius beträgt, strömt je nach Außentemperatur Luft in wechselnder Richtung durch die Spalten und Felsklüfte, sofern sich dahinter entsprechend große Hohlräume befinden. Wasser löst den Kalkstein auf und „frisst“ sich langsam aber stetig in den Berg hinein. Am Kocherursprung kann man das – mit viel Geduld – beobachten. So konnte man vor 50 Jahren noch am Fuß des Berghangs bequem um den Kocherursprung herum spazieren. Heute ist das nicht mehr möglich. Das Quellwasser hat diesen etwa acht Meter breiten Sockel im Lauf der Jahre „abgenagt“.

Ähnliches geschieht beim „Kampf“ zwischen Kocher und Brenz. Das Kocherwasser arbeitet sich – bedingt durch sein größeres Gefälle – „rückwärts“ in Richtung Brenz vor. Die unterirdische Wasserscheide verschiebt sich in unseren Breiten immer mehr nach Südwesten. Dem Kocher fließt also – so Dietrich Bantel im Gespräch mit dieser Zeitung – vermutlich bereits heute Wasser aus einem Einzugsgebiet zu, das südlich der oberirdischen Wasserscheide liegt und eigentlich der Brenz „gehört“. Bis auch das Wasser aus dem Brenztopf selbst nach Norden abfließen wird, dauert es allerdings noch eine Weile – die Geologen schätzen zwischen 50 000 und 100 000 Jahren. Erdgeschichtlich ist das allerdings gar nichts.

Gerhard Krehlik

Neuere Berichte zum Kocherursprung  bitte klicken!
und seinem „Hintergrund“

 
 
zurück

[Home]