Höhle am Ursprung des Schwarzen Kochers?

Luftzugsmessungen deuten darauf hin – Höhlenforschervereine bereiten derzeit Sondierungsgrabung vor

Gibt es in den Bergen hinter dem Kocherursprung in Oberkochen eine Höhle? Wie verläuft der unterirdische Teil des Schwarzen Kochers dort? Diese Fragen beschäftigen den Oberkochener Heimatforscher Dietrich Bantel, seit er vor 50 Jahren nach Oberkochen kam. Möglicherweise wird dieses Rätsel in den nächsten Wochen und Monaten gelöst.

Löcher im Berghang beim Ursprung des Schwarzen Kochers. Rot eingekreist die Stellen, an denen der Luftzug gemessen wurde, zwischen 0,2 und 0,9 Metern pro Sekunde – Hinweise auf größere Hohlräume im Berg. (Foto: privat)

Anfang der 80er Jahre gründete Dietrich Bantel am Gymnasium Oberkochen eine Interessengemeinschaft Geologie Oberkochen (InGO), die sich mit den Besonderheiten der Karstlandschaft, ihrer Quellen und unterirdischen Wasserläufen beschäftigte. Sogar der bekannte Höhlentaucher und Erforscher des Blautopfes, Jochen Hasenmayer, führte damals in Oberkochen am Ölweiher, dem Ursprung des „Roten Kochers“ Untersuchungen durch.

Ehemalige Schüler von Dietrich Bantel, wie etwa der Geologe Dr. Hans-Joachim Bayer (einer der Wiederentdecker des Tiefen Stollens in Wasseralfingen) sind seit langem gespannt, was hinter dem Kocherursprung steckt. Die Höhlenforschervereine „Höhlenforschungsgruppe Ostalb/Kircheim“, sowie die „Arge Höhle & Karst Grabenstetten“ bereiten jetzt dort eine Sondierungsgrabung vor, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Projektleiter sind der Essinger Hansjörg Schneider und Thilo Müller aus Tübingen, Mitglieder der beiden Vereine.

Die Vermutung, dass sich in diesem Bereich eine größere Höhle befinden könnte, gründet sich unter anderem auf Luftzugsmessungen (siehe Foto). Da die Temperatur im Berg konstant plus 7 Grad Celsius beträgt, strömt je nach Außentemperatur Luft in wechselnder Richtung durch die Spalten und Felsklüfte, sofern sich dahinter entsprechend große Hohlräume befinden. Wasser löst den Kalkstein auf und „frisst“ sich langsam aber stetig in den Berg hinein.

Am Kocherursprung kann man das (mit viel Geduld) beobachten. So konnte man vor 50 Jahren noch am Fuß des Berghangs bequem um den Kocherursprung herum spazieren. Heute ist das nicht mehr möglich. Das Quellwasser hat diesen etwa acht Meter breiten Sockel im Lauf der Jahre „abgenagt“.

Ähnliches geschieht beim „Kampf“ zwischen Kocher und Brenz. Das Kocherwasser arbeitet sich, bedingt durch sein größeres Gefälle, „rückwärts“ in Richtung Brenz vor. Die unterirdische Wasserscheide verschiebt sich in unseren Breiten immer mehr nach Südwesten. Dem Kocher fließt also, so Dietrich Bantel, vermutlich bereits heute Wasser aus einem Einzugsgebiet zu, das südlich der oberirdischen Wasserscheide liegt und eigentlich der Brenz „gehört“. Bis auch das Wasser aus dem Brenztopf selbst nach Norden abfließen wird, dauert es allerdings noch eine Weile – die Geologen schätzen zwischen 50 000 und 100 000 Jahren. Erdgeschichtlich ist das allerdings gar nichts.

hs

Anmerkung:
Die zu Beginn des Berichts verwendete Abkürzung „InGO“ ist sowohl in dem Bericht von Gerhard Krehlik in den AN vom 27.04.13. als auch in dem Bericht der SP vom 10.05.13. (HS) nicht korrekt interpretiert.
1979 belegten meine Schüler und ich die Richtigkeit der Sage von der Höhle im Griebigen Stein:

Die „Höhlen-InGO“ wurde von mir ein Jahr später in der Ziegelhütte gegründet. „Höhlen-InGO“ bedeutet „Höhlen-Interessengemeinschaft Oberkochen“.

Aus der Oberkochener „Höhlen-InGO“ ging einige Jahre später die „Höhlen-Interessengemeinschaft Ostalb“ (Sitz in Heidenheim) hervor. Heute lebt die Höhlen-InGO in der Arge Höhlen & Karst Ostalb/Kirchheim weiter.

Die Urabsicht des Oberkochener „Höhlenbooms“ Ende der Siebzigerjahre war es wie gesagt, im Rahmen von außerunterrichtlichen Schülerativitäten der in dem Buch „Die Ostalb erzählt“ berichteten Sage vom „Griebigen Stein“ nachzugehen, derzufolge diese Höhle eine Fortsetzung Richtung Pulverturm/Königsbronn habe. – Diese Fortsetzung haben wir damals tatsächlich entdeckt. – Auch die Sage vom Wollenlochschäfer konnte inzwischen mit geschichtlichen Wirklichkeiten verbunden werden.

Die Verlagerung der Arbeiten von der damaligen eher laienhaften „Höhlenbuddelei“ (allerdings mit Kenntnis des LDA) Richtung Speläologie, Karst, Höhlen = aktive und ehemalige unterirdische Wasserläufe, oberirdische und unterirdische Wasserscheide, Tiefer Stollen, Fledermausschutz etc. entwickelte sich folgerichtig erst in den auf den Oberkochener Höhlenboom folgenden Jahrzehnten.

Dietrich Bantel

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