Mächtiger Wirbel um ein Kruzifix

Vor knapp vier Wochen wurde das Kruzifix am Herrgottshäfnerhaus in der Heidenheimer Straße abgehängt. Mehrere Oberkochener hatten sich bei der Schwäbischen Post gemeldet.

Für das Pressegespräch ins Pfarrbüro „verlegt“: die Christusfigur, um die die Debatte in Oberkochen geht. Im Bild von links: Bürgermeister Peter Traub, Klaus Hitzler, Michael Sekler und Pfarrer Andreas Macho. Fotos: ls

Nicht nur Facebook ist prall gefüllt mit dem Thema. In Oberkochen macht das Kruzifix die Runde. Ein Kreuz mit dem Kruzifix. Die neuen Besitzer Michael Sekler und Klaus Hitzler betonen: „Fast täglich werden wir auf der Straße angesprochen, auch verunglimpft.“ Das Kreuz ziert schon seit vielen Jahrzehnten die Fassade des Wohnhauses Heidenheimer Straße 12 vor dem Gästehaus Winter, Einheimischen als „Herrgottshäfner-Haus“ bekannt. Das Haus ist geschichtsträchtig – in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 war das Gebäude Ziel eines Fliegerangriffs, bei dem mehrere Menschen zu Tode kamen. Das Kruzifix war wie durch ein Wunder durch die Bomben nur wenig beschädigt worden und hing nach dem Luftangriff noch an seinem Platz in einem stehengebliebenen Rest der Hausmauer über dem Eingang. Das Kreuz wurde nach dem Krieg restauriert und am neuen Herrgottshäfnerhaus wieder angebracht. Mittlerweile wurde das Gebäude sowie das ehemalige Gästehaus Winter an Klaus Hitzler und Michael Sekler in Steinheim verkauft.

„Ich selbst hätte das Kruzifix an seinem Ort belassen“ (Michael Sekler)

Tenor der Bürger-Nachfragen bei der Schwäpo war, ob das Kruzifix wohl deswegen unliebsam geworden sei, weil künftig „auch Andersgläubige hier wohnen werden.“ Dies weisen die neuen Besitzer von sich. Das Kreuz habe sie überhaupt nicht gestört. „Nachdem wir darauf angesprochen wurden, waren wir in der guten Meinung, dass wir das Kruzifix der Kirche schenken könnten", sagt Michael Sekler und Klaus Hitzler fügt hinzu: „Die Unterstellung in Sachen Andersgläubige ist an den Haaren herbeigezogen und ein Hirngespinst.“ Klar, das Kruzifix ist nicht irgendeines. „Es stammt aus dem siebzehnten Jahrhundert und steht unter besonderem Denkmalschutz", so Bürgermeister Peter Traub. Dies war den neuen Besitzern nicht bekannt und „wir wussten auch nicht, welche geschichtsträchtige Bedeutung es an dieser Stelle hat", so Sekler und Hitzler unisono.

Das Landesdenkmalamt ist gefragt

Inzwischen liegt der Kruzifikus in der Werkstatt von Maler Schönherr, der einen optischen Feinschliff vorgenommen hat. Restaurieren kann und darf er gar nicht – siehe Denkmalschutz. Das Kruzifix soll, wenn möglich, wieder an seinen alten Ort. Aber einige Fragen bleiben offen. Eine Schenkung an die katholische Kirche ist möglich, aber es stehen sicherlich hohe Restaurierungskosten im Raum. Pfarrer Andreas Macho betonte, dass die Entscheidungsfindung letztlich beim Kirchengemeinderat liegt. „Wir wollen auf keinen Fall verkaufen, schon gar nicht außerhalb von Oberkochen", sagen die Eigner. Bürgermeister Traub hat inzwischen Kontakt aufgenommen mit der Denkmalspflege, um von dort ein konservatorisches Gutachten und Empfehlungen für den weiteren Standort zu bekommen. Fakt ist aber auch, dass den neuen Eignern das wertvolle Kruzifix gehört. Und die können letztlich damit machen, was sie wollen. Verständlich ist, dass sie die wohl nicht geringen Restaurierungskosten nicht übernehmen wollen. Nach der kurzen Stippvisite zum Pressegespräch ins Pfarrbüro, ist das Kruzifix zurückgekehrt in Schönherrs Werkstatt. Warten aufs Landesdenkmalamt.....

Das „Herrgottshäfnerhaus“ – Links oben war das Kruzifix angebracht.

Lothar Schell, Schwäbische Post

 
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