Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 99 / 494

 

Jahre nach dem Ersten Weltkrieg

Infolge konstanter Schülerzahlen hatte die evangelische Schule in jenen Jahren keine Probleme mit Lehrkräften und Schulräumen. Seit 1911 war Hauptlehrer Günter evangelischer Lehrer und als solcher tüchtig und beliebt. Als Vorstand des Turnvereins und als Dirigent des evangelischen Männerchors »Frohsinn«, den er 1933 zum evangelischen Kirchenchor machte, hatte er großen Einfluß in der Gemeinde. Die katholische Schule dagegen stand immer wieder vor neuen Entscheidungen. Nach längerem Zögern wurde 1921 die vierte ständige Lehrerstelle eingerichtet und die vierjährige Grundschulzeit zur Pflicht gemacht. In jenem Jahr fand nach achtjähriger Unterbrechung wieder eine Schulprüfung statt, zum ersten Male durch einen Schulrat. An die vier Grundschuljahre sollten sich vier weitere Schuljahre anschließen, jedoch wurde das achte Schuljahr erst 1939 verwirklicht. Im Jahre 1925 wurden neue Lehrpläne verordnet, die unter Hervorhebung des Arbeitsschulgedankens die Realienfächer noch stärker betonten. So wurde z.B. das Fach Chemie eingeführt, und der Gemeinderat genehmigte die Anschaffung eines wetterkundlichen Meßsatzes. Mit diesen Geräten hat Oberlehrer Mager ab 1928 die Niederschlagsmengen gemessen und handschriftlich aufgezeichnet. Auch die Lernmittelfreiheit hielt in jenen Jahren Einzug: Die bürgerliche Gemeinde bezahlte für jeden Schüler drei Mark. Dafür wurden Bücher, Hefte, Schulgriffel und die damals noch übliche Schiefertafel angeschafft.

An der katholischen Schule wurden 1927 142 Schüler unterrichtet, 1931 waren es 210 Kinder. 1928 erwies sich der Schulhof als zu klein, an der Straße wurden deshalb Warnschilder für den Kraftfahrzeugverkehr aufgestellt. Die Raumnot machte sich immer deutlicher bemerkbar. War 1924 bei der Hauptprüfung vom Schulrat bezüglich der Räumlichkeiten das Fehlen eines Spucknapfes, der unbedingt zum Schulinventar gehöre, angemahnt worden, so wird 1935 festgestellt, »an keinem Ort im Bezirk sind solche unzulänglichen Verhältnisse«.

 

Zusammenführung der Schulen im Dritten Reich — Zweiter Weltkrieg

Die neuen Machthaber hatten sich vorgenommen, durch administrative Maßnahmen »frischen Wind« in die konfessionellen Schulstuben zu blasen. So fand am 4. Juli 1933 ein Sportfest der Jugend statt, das am Abend mit einem Sonnwendfeuer auf dem Volkmarsberg endete. Obwohl die Lehrkräfte während der Sommerferien in besonderen Schulungslagern umerzogen werden sollten, blieben die in Jahrhunderten gewachsenen Schulen Oberkochens bis 1936 intakt. An der katholischen Schule unterrichteten außer Schulvorstand Mager die Lehrer Umbrecht, Klotzbücher und Kessler. An der kleineren evangelischen Schule hatte 1934 Hauptlehrer Braun, der spätere Konrektor der Dreißentalschule, die Nachfolge von Hauptlehrer Günter angetreten. 1936 jedoch wurden vom Staat die konfessionellen Schulen aufgelöst und in


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]