Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 97 / 494

 

Bürger als evangelische im Ort, aber die steuerabwerfenden jungen Industriebetriebe Oberkochens waren überwiegend in evangelischer Hand, während das Hafnergewerbe, die Domäne des katholischen Bevölkerungsteils, immer mehr in Existenznot geriet. Schließlich konnte der Bau durch eine Schuldaufnahme von 50 000 Mark gesichert werden, und die bürgerliche Gemeinde übernahm am 16. August 1901 »die Selbstzählerbürgschaft für ein Darlehen von 30 000 Mark«, das die Württembergische Sparkasse Stuttgart bereitgestellt hatte.

Dieses Schulhaus ist heute der Altbau der Dreißentalschule, wegen seiner roten Backsteinfassade gelegentlich auch »Fuchsbau« genannt.

 

Schulunterricht nach der Jahrhundertwende

In den Jahren nach 1900 schwankten die Schülerzahlen der evangelischen Schule und waren insgesamt rückläufig. Bei etwa 250 evangelischen Bürgern unterrichtete 1909 Lehrer Beck nur 30 Schüler. Die Zahl der katholischen Schüler dagegen nahm zu. 1904 wurde die zweite Lehrerstelle ständig besetzt, was bei 103 Schülern sicherlich kein Luxus war.

Im Unterricht beider Oberkochener Schulen begannen neben den herkömmlichen Unterrichtsgebieten Religion, Lesen, Schreiben, Aufsatz, Rechnen und Singen die Realien- und Sachfächer breiteren Raum einzunehmen. Durch Industrie- und Zeichenschule angeregt, wurde der Fächerkanon auch um Zeichnen, Handarbeit und Turnen erweitert. Der Turnunterricht wurde zunächst wöchentlich mit je zwei halben Stunden in der heute nicht mehr existierenden Turnhalle an der Katzenbachstraße (später Bauhof, heute TVO-Halle) erteilt. Freiübungen, Klettern an Stangen und Leitern, Hantierungen mit Stöcken und Sprungstäben, Übungen an Barren und Reck standen dabei im Vordergrund.

Zeichnen und Handarbeit dagegen waren noch lange Zeit nicht in den Stundenplan einbezogen. 1921 fand der Handarbeitsunterricht immer noch am freien Mittwoch- oder Samstagnachmittag statt, und gezeichnet wurde am Sonntag in der Frühe um 1/2 8 Uhr vor dem Gottesdienst.

 

Die Schulaufsicht

Die Oberkochener Schulen unterstanden im 19. Jahrhundert dem evangelischen Dekan von Aalen beziehungsweise einem der katholischen Pfarrer des Dekanats Hofen. Für die katholischen Lehrer erfolgte 1902 die Trennung von Lehrer- und Mesneramt. Dies wurde zwar als Befreiung empfunden, brachte aber auch Gehaltseinbußen. Außerdem ging die Schulaufsicht an das katholische Bezirksschulamt in Schwäb. Gmünd über. Auf evangelischer Seite erfolgte die Trennung von Schul- und sogenanntem niederem Kirchendienst erst 1906. Die Schulaufsicht lag von da an beim evangelischen Bezirksschulamt Heidenheim. Die Loslösung des Mesneramtes vom Schuldienst war ein


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