Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 96 / 494

 

katholische und evangelische Mädchen habe »wie im letzten Winter« Arbeitsschule stattgefunden. Die konfessionelle Zusammenarbeit hielt nicht lange an, es gab Reibereien und Streitigkeiten. 1898 existierte eine katholische Industrieschule, an der Eva Betzler, die Frau des Polizeidieners, Häkeln und Straminnähen unterrichtete und mit 40 Mark entlohnt wurde, während die Hafnerehefrau Maria Fischer für Stricken zuständig war und dafür 35 Mark bekam. Die evangelische Industrieschule betreute zu jener Zeit Auguste Beißwenger für ein Entgelt von 40 Mark.

Im Sommer 1879 fand in Oberkochen eine »Ausstellung von Materialien und Produkten des Töpfergewerbes und der Thonwarenfabrikation« statt, zu deren Eröffnung der Präsident der »Centralstelle für Gewerbe und Handel« Dr. von Steinbeis von Stuttgart gekommen war. Bei der Eröffnungsansprache regte Steinbeis die Einrichtung einer »Zeichenschule« an. Da sich die Gemeinde nicht zu einem solchen Schritt entschließen konnte, gründeten die Oberkochener Häfner gemeinsam mit anderen Gewerbetreibenden einen Gewerbeverein, dessen Hauptaufgabe zunächst die Einführung von Zeichenunterricht war. Der Besuch dieses Unterrichts, der von Lehrer Gutmann erteilt wurde, war freiwillig. Es nahmen »daran Schüler und Confirmierte und ihnen zur Ehre sei es hervorgehoben — auch junge Leute über 18 Jahren teil«. Nach einigen Jahren beteiligte sich auch die bürgerliche Gemeinde an der Finanzierung des Zeichenunterrichts. 1895 erhielt Schullehrer Schneider für Zeichenunterricht, den er bei den »Knaben beiderlei Konfession erteilte«, zehn Mark aus der Gemeindekasse.

Erst am 8. November 1904 beschloß der Gemeinderat, die Kosten für den »interkonfessionellen Zeichenunterricht aus der Gemeindekasse« zu bestreiten. Die evangelische Ortsschulbehörde machte »wegen sehr geringer Schülerzahl« von diesem Angebot keinen Gebrauch. An der katholischen Schule aber wurde 1905 Zeichenunterricht als freiwilliges Fach eingeführt, an dem auch schulentlassene Jugendliche teilnehmen konnten. Lehrer Ulsamer bekam 1906 als Unterrichtsentgelt eine Mark pro Stunde.

 

Die Oberkochener Schulen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Neubau des katholischen Schulhauses
Nach langem Zögern entschloß sich die katholische Schulgemeinde um die Jahrhundertwende zum Bau eines neuen Schulhauses. Für den am damaligen Dorfrand gelegenen Bauplatz beschloß der Gemeinderat am 20. Juni 1900, »in der Jägergasse eine neue Baulinie festzulegen und behufs Einholung der Genehmigung zum Neubau eines Schulhauses und Schülerabtritts« das Baugesuch dem königlichen Oberamt in Aalen vorzulegen. Die Finanzierung des Bauvorhabens bereitete großes Kopfzerbrechen, denn die Finanzkraft der katholischen Schulgemeinde war gering. Zwar gab es weit mehr katholische


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