Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 95 / 494

 

Stallungen verlegt werden. 1885 gab es wiederum zu wenig Schulraum, jedoch konnte die Gemeindekasse wegen vordringlicher anderer Aufgaben wie z.B. der Friedhoferweiterung keine Mittel bereitstellen. Deshalb beschwichtigte man die Forderung nach einem Schulhausneubau mit dem Hinweis, Kinder und Lehrer hätten ja Gelegenheit, sich am Nachmittag durch Mithilfe in der Landwirtschaft in frischer Luft von der Schularbeit in unzulänglichen Räumen zu erholen.

 

Der Unterricht

Schule wurde in Oberkochen an Werktagen das ganze Jahr über gehalten, unterbrochen von den Ferien, die sich an der Landwirtschaft orientierten. In den Sommermonaten hatten die »Oberklassen« (Klasse 4-7) von 6 Uhr bis 10 Uhr Schule, die »Unterklassen« (Klasse 1-3) wurden von 10 Uhr bis 12 Uhr unterrichtet. Über den Unterricht sagen weder Gemeindeprotokolle noch Pfarrberichte etwas aus. Deshalb können über Unterrichtsweise und Lehrstoff nur allgemein gehaltene Angaben gemacht werden. In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts waren Schreiben und Rechnen, ergänzt durch Religion und Singen, die Hauptfächer. Sachunterricht entfaltete sich nur zögernd. In einer Anordnung aus dem Jahre 1842 sind jedoch schon für jedes Fach Standardwerke zur Benützung angegeben, so z.B. »Elementargeometrie« in einer Magdeburger Ausgabe von 1840 oder »Geographie von Württemberg«.

Ein Erlaß aus dem Jahre 1826 hebt die Lied- und Musikpflege besonders hervor. Es heißt dort: »Seine Königliche Majestät haben in höchster Anerkennung der Wichtigkeit eines guten Kirchengesangs und zur Ermunterung des Eifers für diejenigen Schul-Lehrer, welche,... sich in diesem Zweige des Unterrichts vorzüglich auch außer den Schulstunden besonders auszeichnen..., Preise von je 10 Gulden ausgesetzt«. Pro Woche sollten zwei Stunden »methodischen Gesangsunterrichts« erteilt werden und die »Schul-Conferenzen sind jedesmal mit einem vierstimmigen Choralgesang zu eröffnen«. Diese Konferenzen dienten der Fortbildung der Lehrer, für deren Besuch pro Lehrer 40 Kreuzer, für einen Provisor nur 30 Kreuzer Tagegeld vorgesehen waren.

 

Industrie- und Zeichenschule

Um das Jahr 1820 entstanden an einzelnen Orten des Landes die sogenannten »Armen- und Industrieanstalten«, in denen Frauen und Mädchen Handarbeiten fertigten, die verkauft wurden. Um die Teilnehmerinnen zu schulen, wurden dafür »Industrie-, Arbeits- oder Fortbildungsschulen« eingerichtet, die wegen der jahreszeitlichen Beschränkung auch »Winterschulen« genannt wurden. Noch 1862 konnte in Oberkochen »wegen unüberwindlicher Hindernisse« keine derartige Schule betrieben werden. 1877 wird aber berichtet, für


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