Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 94 / 494

 

immer bedenklicher geworden zu sein. 1831 wurde die Schulstube »um 11 Schuh in der Länge vergrößert«. Zum Ausgleich dafür mußte die Lehrerwohnung »einstöckig um 17 Schuh« erweitert werden. Der Schulraum war »nun brauchbar, aber die Wohnung ist äußerst mangelhaft«. Nicht einmal ein Keller wurde eingerichtet, in dem »die Erdbirnen vor dem Erfrieren« hätten geschützt werden können.

1853 erklärte der Amtsarzt das evangelische Schulhaus für gesundheitsschädlich. Trotzdem mußten Lehrer und Schüler noch weitere sieben Jahre in diesem Haus ausharren, bis es »im Jahre 1860 an den Bergmann Ludwig Storg abgetreten« wurde. Storg gab dafür Haus und Garten »in der Kirchgasse zwischen Joseph Wingert und Georg Adam gelegen« als Platz für den beabsichtigten Schulhausneubau. Dieses Tauschgeschäft sowie der Abbruch des Storg'schen Hauses und der Neubau des Schulhauses wurde in allen Einzelheiten durch ein umfangreiches Protokoll festgelegt. So mußte z.B. von der Schulgemeinde zwischen Garten und Wohnhaus von Widmann »ein Kantel zum Ablauf des Wassers gepflastert« werden, und der jeweilige Lehrer war verpflichtet, »sein Vieh nur durch die Remise zu treiben, sowie auch den Dung durch dieselbe zu führen«. Die Kosten für den Neubau beliefen sich auf 6 788 Gulden. Davon übernahm der Staat 850 Gulden, die Gemeinde bezahlte 1 938 Gulden, der Rest von 4000 Gulden wurde durch Schuldaufnahme aufgebracht. Das neue evangelische Schulhaus wurde am 3. Januar 1861 durch Dekan Neuffer aus Aalen und Pfarrer Dürr eingeweiht. Dieses Haus beherbergte bis 1936 die evangelische Schule und 1937 bis zum endgültigen Zusammenschluß der Oberkochener Schulen die katholische Bekenntnisschule. 1957 wurde dort die Außenstelle des Schubart-Gymnasiums eingerichtet. Einige Jahre waren Gemeindebücherei und Jugendhaus der Stadt Oberkochen dort untergebracht. Künftig beherbergt das Haus Aalener Straße 19 die Oberkochener Heimatstuben.

Die Feststellung des evangelischen Pfarrberichts von 1827, daß die katholischen Einwohner Oberkochens »gleich unmittelbar neben ihrer Kirche ein sehr geräumiges Schulhaus besitzen...«, mag angesichts der Unzulänglichkeit des evangelischen Schulhauses aus Sicht des evangelischen Pfarrers subjektiv richtig gewesen sein, der tatsächlichen Situation entsprach sie nicht. Auch das katholische Schulhaus war ständig reparaturbedürftig und es herrschte dauernd Platzmangel. So wurde einmal versucht, im Gasthaus »Ochsen« ein Schullokal anzumieten, was wegen »Beherberg fremder Personen« nicht gelang. Oder man legte Lehrer Balluff nahe, »er möchte die Schul in seinem Wohnzimmer abhalten«, worauf er gegen einen Gulden monatlicher Entschädigung einging. 1837 war die katholische Schule zweiklassig geworden, weshalb zusätzlicher Schul- und Wohnraum zu schaffen war. 1869 wurde im Dachgeschoß ein weiteres Lehrerwohnzimmer eingebaut. Da Lehrer Gutmann 1882 seine Viehhaltung aufgab, konnten zwei Wohnräume in die früheren


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]