Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 93 / 494

 

lische Lehrer einen Keller bekommen sollte, beantragte der evangelische Schulmeister Adam bei einer der Renovierungen des Schulhauses ebenfalls den Einbau eines Kellers. Der Keller der katholischen Schule wurde angelegt, Adam aber ging leer aus und hielt seine Schweine weiterhin im Schulhaus. Dies führte zu Reibereien mit den Nachbarn, worauf Adam die Schweinehaltung im Schulhaus verboten wurde.

Schon 1813 war durch königliche Verfügung die Erweiterung der evangelischen Schulstube empfohlen worden, und das Königliche Oberamt hatte 1822 ebenfalls vergeblich angeregt, die zum Verkauf stehende Lammwirtschaft als Schulsaal zu erwerben, um grundsätzliche Verbesserungen der Raumsituation herbeizuführen. Stattdessen wurden laufend kleinere Erweiterungen und Reparaturen vorgenommen, wie z.B. von Maurermeister Wingert ausgeführte Maurerarbeiten für 13 Gulden, Zimmerarbeiten durch Zimmermeister Schoch für 8 Gulden und 23 Kreuzer, und Joseph Hägele lieferte »10 Stühl, 1 Katheder« für 13 Gulden.

Schulhausmisere und Konkurrenzdenken spiegeln sich wider in Protokollen und Berichten jener Jahre. Der evangelische Pfarrbericht von 1827 sagt darüber aus: »Das evangelische Schulhaus verdankt seine unpassende Lage am äußersten Rande des Dorfes und seine Beschaffenheit theils dem Mangel an tauglichen Hofstätten und Wohnungen innerhalb des Ortes, theils aber auch, wie es scheint, der Eifersucht der katholischen Bewohner, welche, da es aus der gemeinschaftlichen Gemeindekasse gebaut und erhalten werden muß, dem Aufbau oder Ankauf eines Lokals für die Schule bisher allerlei Schwierigkeiten entgegenzusetzen wußten...«. 1830 wurde zur Vergrößerung der evangelischen Schule eine Scheuer gekauft und man holte Kostenvoranschläge zur Erweiterung beider Schulhäuser ein: Für das evangelische Schulhaus mußten 536 Gulden und 24 Kreuzer bereitgestellt werden, für das katholische Schulhaus ergab sich ein Aufwand von 560 Gulden. Beide Schulgemeinden nahmen deshalb je 500 Gulden zu 4% auf; auch die zuvor gekaufte Scheuer wurde wieder veräußert und der Erlös für den Schulbau verwendet. Der Scheuerkauf und Verkauf hatte allerdings einen jahrelang anhaltenden Finanzierungsstreit zwischen den Konfessionen ausgelöst, der erst 1846 beigelegt werden konnte, wobei die gemeinsame Schulbaukasse wie ehedem in »ellwangisch«, d.h. in katholische Zuständigkeit und in »königsbronnisch«, d.h. in evangelische Verwaltung getrennt wurde. Dadurch kam zwar kein Gulden zusätzlich in die Kasse, doch konnten die dauernden Streitigkeiten und Reibereien verringert werden.

Trotz dieser finanziellen und administrativen Anstrengungen beider Gemeinden konnte die Schulraumnot nicht dauerhaft behoben werden. In den Berichten beider Stiftungspfleger ist kaum von zufriedenstellenden Verhältnissen die Rede, stets aber werden Baulasten, Schulden, Rückzahlungsschwierigkeiten beklagt. Der bauliche Zustand des evangelischen Schulhauses scheint


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