Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 92 / 494

 

Anstellung und Besoldung der Lehrer

»Das Recht zur Besetzung der Schullehrerstelle steht der hiesigen Gemeinde zu, von welcher im Jahr 1826 der gegenwärtige Schulmeister gewählt worden ist«, so besagt der evangelische Pfarrbericht von 1829. Durch das Schulgesetz von 1836 ging das Recht der Stellenbesetzung jedoch auf das Königliche Konsistorium in Stuttgart über. Für die Besoldung der Lehrer war aber weiterhin die bürgerliche Gemeinde zuständig. Diese mußte für die Lehrer auch die üblichen Abgaben bezahlen.

Der Pfarrbericht von 1826 enthält eine genaue Aufstellung über die Entlohnung des evangelischen Schulmeisters. Das Einkommen dieses Lehrers bestand aus fixen Einnahmen und veränderlichen Posten. Zu den ersteren zählten 21 Gulden »von der Commune« und 15 Gulden aus der »Heiligen (= Kirchen) — Kasse«. Weiter erhielt er Roggen, Dinkel und Holz als Naturalien im Wert von 36 Gulden, wobei mit dem Holz auch die Schulstube geheizt werden mußte.

Als veränderliche Besoldungsteile werden Gartennutzung und Acker- bzw. Weidepachten genannt. Ferner standen dem Schulmeister Entschädigungen für den Gesang an Weihnachten und beim Hagelfeiertag zu. Für Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse waren zusammen 12 Gulden angesetzt. Als Schulgeld erhob er von 35 Kindern 42 Gulden. Da zur Zeit des Berichts dem Schulmeister 21 Gulden für den Unterhalt seines Amtsvorgängers abgezogen wurden, kam er auf ein Jahreseinkommen von 142 Gulden und 35 Kreuzern.

Ähnliche Verhältnisse herrschten bei den katholischen Lehrern. Schulmeister Balluff bat 1829 um Erhöhung des Schulgeldes. Diese wurde abgelehnt, da er durch Zunahme der Schülerzahl um 20 in den beiden letzten Jahren ohnedies mehr Geld bekommen habe. 1852 berechnete der katholische Lehrer Weiblen sein Jahreseinkommen auf 250 Gulden. So ist nicht verwunderlich, daß Lehrer beider Konfessionen sich zusätzliche Verdienstquellen erschlossen. Diese reichten von musikalischen Tätigkeiten über Sonntagsschule (drei Gulden zusätzlich) und Aufziehen der Turmuhr, wofür der katholische Lehrer Veith 1852 jährlich sechs Gulden bekam, bis hin zur Führung einer Agentur der Frankfurter Versicherungsgesellschaft.

Die Einkommen der Schulmeister stiegen jedoch allmählich an. 1865 wurden 425 Gulden, 1872 schon 525 Gulden ausbezahlt. 1899 erhielt der katholische Lehrer 1124 Goldmark, während sein evangelischer Kollege 1100 Goldmark bekam, teilweise noch in Naturalien, was erst 1909 abgeschafft wurde.

 

Die Schulhäuser im neunzehnten Jahrhundert

Nach der Vereinigung der beiden Oberkochener Herrschaftsbereiche im Königreich Württemberg hatte die bürgerliche Gemeinde für zwei Schulhäuser zu sorgen, was sie finanziell nur schwer verkraftete. Zudem war die Rivalität zwischen den Schulen und ihren Schulmeistern groß. Weil z.B. der katho-


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