Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 91 / 494

 

hat in zwei Jahrhunderten einigen Oberkochener Schulen als Unterkunft gedient.

 

Die Zeit der württembergischen Herrschaft

Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ergaben sich bei den Oberkochener Herrschaftsverhältnissen einschneidende Veränderungen. Die Fürstpropstei Ellwangen wurde dem durch Napoleons Gnaden im Jahr 1806 Königreich gewordenen Württemberg eingegliedert, das Königsbronner Klosteramt endgültig aufgelöst. So war Oberkochen ab jener Zeit ungeteilt württembergisch, die konfessionelle Spaltung blieb jedoch erhalten und damit auch die Existenz der beiden Konfessionsschulen.

 

Lehrer der Oberkochener Schulen

Jakob Nagel, von dem schon die Rede war, wurde 1816 nach Goldburghausen »befördert«. Sein Nachfolger als evangelischer Schulmeister war Lehrer Bitz, der 1817 für die Führung des Impfverzeichnisses zur Pockenschutzimpfung von der bürgerlichen Gemeinde 12 Gulden erhielt, im übrigen aber keine gute Figur machte. Wegen einer Erkrankung sah und hörte er schlecht. Auch »lebte er mit seiner Frau nicht gut« und gab somit »in der Öffentlichkeit ein böses Beispiel«. Er wurde 1824 aus dem Dienst entlassen, erhielt aber von der verarmten Gemeinde nur eine geringe Pension. Deshalb sammelte er Kräuter, grub nach Wurzeln und mußte von seinem Nachfolger finanziell unterstützt werden, bis er als Kameralamtsdiener wieder selbst verdiente. Kein Wunder, wenn festgestellt wurde, daß »die Schule in Erkenntnis und Wachstum mehr ab- als zunimmt«.

Wie auf katholischer Seite wechselten damals auch an der evangelischen Schule die Lehrer häufig. Dies hing mit der geringen Lehrerbesoldung zusammen, war aber auch Folge des unzureichenden Schulhauses: 1849 sagte Schulmeister Stöckle, es sei ihm unmöglich, im evangelischen Schulhaus zu wohnen, er müsse sich um einen anderen Dienst umsehen.

Erst drei Jahre nach dem Tode von Franz Anton Gold erhielt 1827 die katholische Schule wieder einen ständigen Lehrer. Es war dies Schulmeister Balluff, ein sehr musikalischer Mann, der auch den Kirchenchor und den Männerchor leitete. 1837 wurde ein Lehrergehilfe eingestellt, da die Schule zweiklassig geworden war. Bis 1858 wechselten nun die Lehrer wieder häufiger. Dann aber zog Schulmeister Morassi in Oberkochen auf und übernahm die etwa 90 Schüler der katholischen Schule. Über Morassis Unterrichtsstil ist nichts bekannt. Streng und energisch scheint er jedoch gewesen zu sein. Er teilte Schüler zur Aufsicht während seines Kirchendienstes ein, was zu Auseinandersetzungen mit Eltern führte. Nachdem Morassi 20 Jahre in Oberkochen tätig gewesen war, wurde er 1878 nach Unterkochen versetzt und 1893 siebzigjährig in den Ruhestand versetzt und mit der goldenen Verdienstmedaille des Friedrichordens ausgezeichnet.


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