Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 90 / 494

 

Schulmeister. Auf ihn folgte sein Sohn Franz Anton Gold (1712-1758), der 1752 bat, seine Entlohnung von 60 Gulden zu erhöhen, da er zwei Söhne ausbilden lassen wolle. Ob dieser Bitte entsprochen wurde, ist nicht bekannt. Allerdings bekam der nachfolgende dritte Schulmeister Gold, Johann Nikolaus (1737-1798) oder auch Franz Anton genannt, jährlich 66 Gulden ausbezahlt. Außerdem betrieb dieser ebenso wie sein evangelischer Kollege Jeremias Honold eine Landwirtschaft, was zwar dem Unterricht abräglich war, den Lebensstandard der Schulmeisterfamilien aber anhob.

Nach 35 Jahren Dienstzeit schied Johann Nikolas Gold aus dem Beruf und empfahl seinen 1773 geborenen Sohn, der wiederum Franz Anton hieß, als Nachfolger. Dieser hatte einige Jahre bei seinem Vater gelernt und drei Monate in Ellwangen bei anderen Lehrern den Unterricht besucht. 1794 erhielt er die Stelle seines Vaters. Über seine Lehrtätigkeit wird nichts berichtet. Nur einmal wurden ihm von seiner Mesnerbesoldung 15 Gulden abgezogen, da er die Hochzeitsgelder neugetrauter Paare nicht nach Ellwangen abgeliefert hatte. Seine Frau war offensichtlich schreibunkundig, denn sie unterzeichnete 1824 den Kaufvertrag für einen Acker mit drei Kreuzen. Franz Anton Gold starb im selben Jahr; damit hatte die Familie Gold das Schulmeisteramt der katholischen Gemeinde über hundert Jahre versehen.

Für das katholische Schulhaus Oberkochen war der Kocherburg-Amtmann in Unterkochen zuständig. Dieser berichtete 1753 nach Ellwangen, daß »wegen anwachsender Jugend« das Schulhaus erweitert werden müßte. Dem wurde nach vielen weiteren Bitten stattgegeben, jedoch war zu jedem noch so kleinen Schritt die Erlaubnis des Fürstpropstes einzuholen. Im Petershölzle wurde zur Neubaufinanzierung Holz geschlagen, Ellwangen mußte dessen Versteigerung extra genehmigen. Eine Fabrik in Unterkochen wollte das Holz kaufen, der Fürstpropst hatte den Verkauf zu billigen. Der von Baumeister Pahl aus Aalen entworfene Bauplan wurde »untertänigst« eingereicht, bis zur »allergnädigsten« Genehmigung verstrichen einige Wochen. Erst als der Oberkochener Pfarrer energisch auf baldigen Baubeginn mit dem Hinweis drängte, 70 Schulkinder würden im Winter ohne Schule sein, wurde am 28. Juni 1755 mit dem Bau begonnen. Die Schwierigkeiten waren damit aber noch nicht beseitigt. Ellwangen wollte zu den Baukosten, die auf 799 Gulden und 25 Kreuzer veranschlagt waren, kein Geld beisteuern und meinte, die Oberkochener Heiligenpflege solle die Mittel aufbringen. Die Bauern wollten das Holz nicht unentgeltlich nach Unterkochen transportieren, da sie kurze Zeit zuvor beim Bau des Pfarrhauses mitgeholfen hatten. Schließlich wurde das neue katholische Schulhaus doch fertiggestellt, bereits 1782 aber wurde wieder von Reparaturen berichtet: Glasermeister Holtz aus Aalen besserte um 16 Gulden und 15 Kreuzer fünf verfaulte Kreuzstöcke aus, verwendete aber sparsamerweise die alten Scheiben wieder. Jedoch steht das Haus heute noch neben der katholischen Pfarrkirche (sogenanntes altes Schwesternhaus) und


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