Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 89 / 494

 

Die katholische Schule

Obwohl die Entwicklung der katholischen Schule Oberkochens sehr stark mit der Geschichte der katholischen Kirchengemeinde verknüpft ist (siehe »Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Oberkochen«), liegen aus jener Zeit wenig individuelle Daten über sie vor. Den Unterrichtsbetrieb jedoch illustriert die »Fürstlich Ellwangische Schulordnung« aus dem Jahre 1749. Diese Ordnung stellte an die Lehrer hohe Anforderungen. Sie sollten von »untadelhafter Aufführung« sein und mußten im Schreiben, Lesen, Rechnen und »in Cantu (Gesang) wohl geübt seyn«. Ihre Besoldung erfolgte aus dem Schulgeld, das die Eltern der Schüler bezahlen mußten. Reichte dieses nicht aus, hatten »Pfarrer und geistlicher Rat für mehr Geld zu sorgen«.

Der Unterrichtsstoff umfaßt buchstabieren, schreiben von Buchstaben, Silben und Wörtern. Als nächste Stufe ist das Auswendigschreiben vorgesehen und es sollen »kurtze Brieflein dictieret werden«. Rechnen ist zunächst am Kalender durch Abzählen von Tagen zu üben, solle aber »mit der Zeit zu allerley bürgerlicher Handthierung befähigen«. Knaben, »so zur Erlernung der lateinischen Sprache aspirieren möchten«, sollen dazu »alle fügliche Gelegenheit« finden. Schließlich sind »die dazu lusttragenden Kinder in Cantu Chorali und Figurali zu instruieren«. Auf strenge Schulzucht ist zu achten. Zwar dürfen die Schüler nicht an Haaren oder Ohren gezogen werden. Der Lehrer soll mit Worten »und der Rute strafen«, dies aber nicht im Zorn. Fleißige und fromme Schüler werden gelobt und belohnt. Die »Mägdlein sollen in den Schulen und Kirchen so viel als möglich jederzeit abgesondert werden«. Im übrigen sind »Schleifen und Schneeballwerfen, sowie im Sommer Baden verboten«.

Der Lehrer ist gehalten, während der Schulzeit im Schullokal anwesend zu sein, er darf nicht nebenher andere Schreibereien erledigen. Sind die Eltern mit dem Lehrer unzufrieden, dürfen sie nicht die Schule stören oder den Lehrer beschimpfen, sie haben sich an den Pfarrer zu wenden.

In Oberkochen besuchten im Winter 1781 nur die jüngeren Kinder die katholische Schule. Dann wurde auch im Sommer Pflichtunterricht eingeführt. Am Sonntag mußte nach dem Mittagessen eine Stunde lang der Stoff der Wintermonate wiederholt werden. Auch die Schulprüfungen waren auf Sonntagnachmittag angesetzt. Als Belohnung erhielten die besten Schüler vom zuständigen Amt Kocherburg (Unterkochen) Gebetbücher und Rosenkränze. Die erste derartige Schulprüfung fand in Oberkochen am 16. März 1750 statt. Allerdings wurde anschließend nicht über die Schularbeit berichtet, sondern festgestellt, der Schulmeister habe zu wenig Lohn, er verlange »wenigstens ad tempore« einen Malter Dinkel mehr.

Die katholischen Lehrer jener Zeit entstammten einer ortsansässigen Familie. Franz Gold (1684-1729) war vermutlich der erste dieser Oberkochener


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