Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 87 / 494

 

wandet ordentlich...«. Dieser Jeremias Honold (der Jüngere) ist »ein guter Ökonom«, der lange Zeit nicht im evangelischen Schulhaus Wohnung hatte, weil sein Vieh nicht unterzubringen war.

Dieses Schulhaus gehörte laut Pfarrbericht aus dem Jahre 1745 »der evangelischen Bürgerschaft und wird von ihr im Bau erhalten, als wozu jährlich etwas über 21 Gulden zugeschossen werden, normal dem Schulmeister 10 Gulden als Besoldung, 5 Gulden als Capital-Zinß, das übrige solle zum Schulhausbau verwendet werden. Es hat aber der württembergische Schultheiß dies Geldt 11 Jahr eingezogen, das Haus in Abgang kommen lassen... und die Summe der zum Schulbau gehörigen Gulden zur anderen Bürgersteuer gezogen,... er will auch weiter darüber kein gutes Wort, noch das hinweggenommene Geldt zur nöthigen Schulbesserung hergeben«. Ob und wie der Schultheiß eingelenkt hat, ist nicht vermerkt. Das Schulhaus wurde jedoch 1756 renoviert. Es stand vermutlich an der Stelle des derzeit nicht mehr vorhandenen Hauses Ecke Aalener Straße und Bürgermeister-Bosch-Straße und enthielt Schullokal und Lehrerwohnung (siehe Abbildung S. 88).

Als Jeremias Honold (der Jüngere) 1803 mit 68 Jahren den Beruf aufgab, wurde der 1774 in Degenfeld geborene Jakob Nagel sein Nachfolger. Dieser wird als fleißig geschildert und »seit seinem Hierseyn ist der Zustand der Schule auffallend verbessert worden«. Die Schüler »zeichnen sich besonders auch in reinlichen und anständigen Sitten aus, wie im hurtig schreiben und im Kopfrechnen«. Während des Winters war der Schulbesuch regelmäßig und gut. Im Sommer dagegen wurde ohnedies lange Zeit nur am Montag, Mittwoch und Freitag unterrichtet, und »die Versäumnisse des Sommers sind bei einigen stark, können aber, weil es entweder arme oder Bauernkinder sind, die bei dem starken Ackerbau und Viehhüten so nötig gebraucht werden, nicht wohl bestraft werden«.

Zum Schreibenlernen wurde ein »a-b-c-Buch« benützt. Für die älteren Schüler diente montags oft die Sonntagspredigt als Nachschreibeübung. Als Liederbücher waren 27 Exemplare des evangelischen württembergischen Gesangbuches vorhanden. Aber auch Ansätze moderner Pädagogik sind erkennbar. Da wurden z.B. »die wider das Lesen und Schreiben gemachten Fehler laut corrigiert« und »öfters ließ man die Kinder Fehler selbst aufsuchen und verbessern«. Auch gab es an der Schule eine Schulbibliothek, die 1806 »mit Pfarrer Langes französischer Sprachlehre vermehrt wurde«, was offensichtlich mit »allzustarken Einquartierungen und Durchmärschen französischer Truppen« zusammenhing. Außerdem wurden die »vorzüglichsten« Schüler namentlich aufgezählt: »Georg Adam Scheerer, Johann Balthasar Moser, Caspar Widmann, Johanna Barbara Burrin, Magdalena Heckerin, Elisabeth Barbara Seinzingerin, Maria Barbara Moserin«.


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