Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 86 / 494

 

sollte, Streitigkeiten gütlich beizulegen. Den Oberkochener Schulmeistern beider Konfessionen brachte dieser Vertrag Vorteile. Sie wurden »vom Wachen, Bottenlaufen und Handfrohnen freygelassen« und beide, der »ellwangische Schulmeister loci ( = des Ortes) und der württembergische einander gleichgehalten«.

 

Die evangelische Schule

In jenen Nachkriegsjahren wechselten die evangelischen Pfarrer häufig. Teilweise war die Pfarrstelle aus Geldmangel nicht besetzt. Somit vegetierte auch die Schule dahin, die ohnedies zunächst nur im Winter gehalten wurde. 1661 hat »der Pfarrer selbst Schule gehalten; Knaben 3, Mägdlein 6«. Noch 1667 wird bemängelt, »daß die Eltern ihre Kinder gar schlecht in die Schule schicken«. Dieser Zustand bessert sich langsam, 1684 heißt es: »Der Pfarrer hat Schule gehalten und gehabt Knaben: 9, Mägdlein: 11. Sein ziemlich fleißig kommen und wohl informieret worden.« Erst im Jahre 1687 wird Nicolai Briel als evangelischer Schulmeister und Mesner genannt. Er ist 49 Jahre alt und hält die Winterschule. Aber schon 1692 wird abermals erwähnt, Pfarrer Johann Georg Hochstetter habe den Unterricht »in seinem Haus« übernommen. 1697 zieht ein neuer Lehrer auf, über den 1708 berichtet wird: »Schulmeister und Mößner ist Joh. Georg Sebich von Ulm, 59 Jahre alt. Im Schuldienst steht er 11 Jahr, hat noch 6 Kinder. Winterschul wird gehalten und gehen darein 14 Knaben, 12 Mägdelein. Die Sommerschul ist gar schlecht, man will sie gar abthun...Weil dieser Schulmeister ein schlechter Schreiber ist (Anmerkung: er war von Beruf Schneider), so werden die Klagen immer repetiert, die Kinder lernen nicht schreiben. Es ist aber die Soldung so schlecht, daß man nicht Leute haben kann wie man will....«

1715 tritt als neuer Lehrer in Oberkochen Johann Georg Honold auf, von Beruf ebenfalls Schneider. Er wird als fleißiger Lehrer geschildert, habe eine »gute Gab und Methode zu informieren« und er »verstehe die Rechenkunst gut«. 1734 ist als Schulmeister, Mesner und Organist der evangelischen Gemeinde dessen Sohn Jeremias Honold (der Ältere) verzeichnet. Auch er ist von Beruf Schneider. Sein Verhältnis zum Ortspfarrer ist offensichtlich nicht gut, denn Pfarrer Enslin schreibt im Pfarrbericht von 1745 über ihn: »...am Fleiß aber fehlt es, die Schulzucht geht hin und her, der Lebenswandel ist nicht zum Besten, gegen den Pfarrer falsch, heimtückisch, mit anderen Leuten in stetigem Streit und Zank...«, ergänzt durch eine Randbemerkung von anderer Hand: »es ist derselbe ein armer Mann, hat viele Kinder«.

Der nachfolgende Schulmeister heißt ebenfalls Jeremias Honold: Wiederum war der Sohn Nachfolger des Vaters geworden. Seine Beurteilung lautet jedoch 1784 wesentlich günstiger: »...kann wohl lesen, buchstabieren, singen, rechnen, schreibt mittelmäßig, beweißt sich in Kirch und Schul und Lebens-


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]