Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 85 / 494

 

»Steine, Sand, Holtz und anderes, was durch den Winter herzugeführet werden möchte...«, bereitgestellt waren, wurde offensichtlich 1582 mit dem Bau eines Hauses auf dem Platz der jetzigen alten evangelischen Kirche begonnen, das Kirchenraum, Pfarrwohnung und Schulstube zugleich beherbergen sollte. Allerdings stellte sich der als Kirchenpatron in Oberkochen einflußreiche Fürstpropst von Ellwangen dem Bauvorhaben entgegen. Daraus entstand ein Streit, der bis 1625 dauerte. Ungeachtet dieser juristischen Auseinandersetzungen kam jedoch im Jahre 1583 »der gewesene Provisorus zu Brackenheim, Ulrich Nicolai von Stuttgarten« nach Oberkochen. Ihm »ward gnädig aufferlegt, die Jugent neben dem Lesen und Schreiben im Catechismus zu unterweisen«, und auf höchsten Befehl hin sollte er »nit allein zum Schulmeister, sondern zum Kirchendiener und Prediger« ernannt werden. Ulrich Nicolai war der erste evangelische Pfarrer, Schulmeister und Mesner Oberkochens. Für seine dreifachen Dienste wurde er in Naturalien entlohnt und erhielt dazu »von der Gemeindt die bewilligten zehn Gulden«.

Somit war die evangelische Schule zunächst eine »Pfarrschule«. Die Visitationsberichte jener Jahre enthalten meist die lapidare Bemerkung: »Schulmeister ist keiner da, Pfarrer haben versehen«. Da die Pfarrer »Wohnung auff der Kirch gehabt« hatten, wurde die Schule ebenfalls im Dachstock der Kirche abgehalten. Die Schülerzahl jener Jahre läßt sich schwer abschätzen. Weil es keine geregelte Schulpflicht gab, kam nur ein Teil der Kinder zur Schule, etwa bis zu fünfzehn dürften es gewesen sein.

Leider liegen über die katholische Schule jener Zeit keine genauen Aufzeichnungen vor. Nie ist von der Gründung einer katholischen Schule in Oberkochen die Rede. Zwar hatte 1343 der damals noch katholische Abt von Königsbronn in Ellwangen für Oberkochen einen eigenen Pfarrer beantragt, der sicherlich auch »Pfarrschule« gehalten hat. Wohl wird in einem Salbuch der Fürstpropstei Ellwangen ein Hannss Gold genannt, der 1604 bis 1606 in Oberkochen Schule gehalten haben soll, aber erst 1662 taucht in den Oberkochener Aufzeichnungen Hans Kirnberger als katholischer Lehrer und Mesner auf. Im Jahre 1666 begannen umfangreiche Verhandlungen wegen Reparaturen am Oberkochener katholischen Schulhaus. Offensichtlich war also ein solches vorhanden, obwohl über seine Entstehung keine Angaben vorliegen.

 

Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende der geistlichen Herrschaften (1803)

Auch nach 1648 blieb Oberkochen ein »geteiltes Dorf«. Versuche, die Besitzverhältnisse zwischen Ellwangen und Württemberg durch Gebietstausch zu bereinigen, hatten keinen Erfolg. Nach langwierigen Verhandlungen wurde jedoch 1749 in Aalen ein Vertrag geschlossen, der Rechte und Pflichen regelte, Doppelbesetzung der wichtigsten Ämter festschrieb, aber auch helfen


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