Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 83 / 494

 

suchen müsse — schlugen auch die laufenden Schulkosten zu Buche. Am 3. und nach Ablehnung bereits wieder am 5. Mai 1847 wurde über zwei ziemlich gewalttätige Eingaben des katholischen Schulmeisters Balluff verhandelt. Dieser vielbeschäftigte Mann, Vater von zehn Kindern, Organist, Leiter des Kirchenchores und des Männerchores und Mesner, hatte endlich einen Lehrgehilfen bekommen. Damit wurde die Schule zweiklassig und brauchte demzufolge eine Erhöhung der Holzzuteilung. Durch eben diese Eingaben erreichte er eine stufenweise Anhebung von vier auf zunächst fünf und dann sechs Klafter Brennholz sowie 400 Reisigwellen — wobei die Gemeinde die Anfuhr, nicht jedoch den Macherlohn übernahm. Offenbar sollte das Holz dem Schulmeister zweimal warm machen. Die Schulpflicht wurde anscheinend nicht so recht ernst genommen, denn da und dort findet man Protokolle, die mit drei Kreuzen unterzeichnet sind.

Das Bild macht deutlich, daß Oberkochen 1847 eine paritätische Gemeinde war, übrigens die einzige im ganzen Bezirk. Was die Geschichte der Gemeinde und der beiden Kirchengemeinden angeht, möchte ich auf die Ausführungen von Pfarrer Forster und Herrn Seckler verweisen, die 1968 zur Stadterhebung in »Bürger und Gemeinde« bzw. im neuen Adreßbuch erschienen sind. Ebenso auf die Ausarbeitungen der Herren C. Schrenk u. Heitele in diesem Buch. Uns interessiert hier lediglich die Situation im Jahr 1847. Die katholische Kirche St. Peter und Paul, ein gotischer Bau, bekam 1663 einen neuen Chor und wurde barockisiert.

Aus 50 Morgen Wald und 5430 Gulden Kapital bestritt die Kirchenpflege die Baulast. Die evangelische Kirche mit ihrem hölzernen Dachreiter wurde 1582 - 83 erbaut, war aber 1847 bereits baufällig. Im allgemeinen kamen Evangelische (ein Drittel) und Katholische (zwei Drittel) leidlich miteinander aus. Die neuralgischen Punkte Kirche und Schule waren ja fein säuberlich getrennt, der Friedhof war jedoch noch gemeinsam. Es ist nicht berichtet, wie die geistlichen Herrn, Pfarrer Desaller und der evangelische Pfarrer Carlus Quilielmus Valet aus Ulm, zu einander standen.

Nun ja, so fördert ein willkürlich auf das Jahr 1847 gerichteter Blick vieles ans Licht, was im Laufe der 140 Jahre verschwunden ist; manches allerdings ist gleich geblieben, wie nämlich der Chronist schon 1847 die Oberkochener charakterisierte: »Ein gesunder, kräftiger Menschenschlag, von etwas mehr als mittlerer Größe, auch hübsch, wie zumal beim weiblichen Geschlechte sich zeiget...«


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