Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 82 / 494

 

die Krankheit seiner Frau in Not geraten, erbat sich eine Zuwendung aus der Gemeindekasse, um nicht »samt seinem Weibe und seinen Kindern Hungers zu sterben«. Er erhielt schließlich 8 Kreuzer aus der Gemeindekasse, allerdings nicht ohne die Mahnung, »er solle sich mehr der Arbeit unterziehen, weil er, wie es der ganzen Gemeinde bekannt ist, nicht gerne arbeiten möge«. Der Flurschütz wurde für ein Tagegeld von 12 Kreuzer zum Bettlervogt ernannt, er sollte zusammen mit dem Polizeidiener die in Scharen anrückenden auswärtigen Bettler vertreiben. Die sonst brachliegenden Bergäcker wurden den Armen zum Anbau freigegeben.

Oberkochen zählte 1847 sicher nicht zu den armen Gemeinden des Bezirks; es hatte, wie lapidar festgestellt wurde, »weder Kapitalien noch Schulden«. Allerdings wurde es auch von Außenstehenden — eine Parallele zu heute? — viel reicher eingeschätzt als es tatsächlich war, damals wegen des beträchtlichen Waldbesitzes. Doch die nicht unbedeutenden Einnahmen aus 4 390 Morgen Wald kamen allein den 93 Gemeinderechtsbesitzern zugute.

Da war vorher von Gemeinderat und Bürgerausschuß die Rede. Worin bestand denn da der Unterschied? Der Gemeinderat mit seinen Mitgliedern Wiedenhöfer, Holz, Burr, Sapper, Widmann und Balle saß bei Schultheiß Maier am Ratstisch. Der Bürgerausschuß mit Obmann Gold und den Mitgliedern Schmid, Gold, Koch, Wingert und Winter, etwas respektlos »Schrannenfatzer« genannt, mußten ringsherum mit einfachen Holzbänken, eben den Schrannen, vorliebnehmen. In den Sitzungen ging es 1847 um Straßeninstandsetzungen »innerhalb Etters«, um Wegebau, um die zu verpachtende Schafweide, vor allem aber um die Ausstellung von Vermögens- und Leumundsprädikaten, von Heimatscheinen und Wanderbüchern und Heiratserlaubnissen. War indessen das Leumundszeugnis eines Bürgers nicht ganz lupenrein, handelte es sich fast ausschließlich um »Forstfrevel« und Holzdiebstahl, erschwerend von »aufbereitetem Holze«. Die Missetäter konnten ihre Strafen wohl absitzen — Gefängnis, wohl auch mal »Arbeitshaus und 20 Streiche« — doch mit der Bezahlung der Arrestkosten und Forststrafen haperte es manchmal »wegen allzugroßer Armseligkeit«. Dann mußte halt die Gemeindekasse einspringen. Übrigens, »Schultes« sein war auch 1847 nicht immer ganz ohne Risiko. Da wurden doch dem Schultheiß Maier im September die Fenster eingeworfen, welchen Schaden die Gemeindekasse ebenfalls trug, denn, das leuchtet doch ein, »wenn er nicht Schultheiß wäre...« Große Probleme warf offenbar auch die Farrenhaltung auf. Einmal mußte man sich des Farrens entledigen, weil er »zu unfromm« geworden war, ein andermal wegen »Untüchtigkeit«.

Und dann natürlich die beiden Schulen! Nicht genug, daß man ständig Klagen der beiden Schulmeister über unzureichende und unzweckmäßige Schulgebäude vorliegen hatte — dem evangelischen Provisor B. mußte man sogar einmal bedeuten, daß, wenn es ihm nicht passe, er sich einen anderen Dienst


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