Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 70 / 494

 

chen mehrere Male Ziel amerikanischer Artillerieangriffe, das evangelische Gotteshaus wurde dabei verschiedentlich in Mitleidenschaft gezogen, und auch die Orgel erlitt Schaden. Wie im Ersten Weltkrieg mußte die Gemeinde wieder zwei ihrer drei Glocken dem Staat abliefern. Fünf Jahre nach Kriegsende beschloß die Kirchengemeinde, den hölzernen Kirchturm auf dem Dach des Gotteshauses durch einen größeren Turm aus Stein direkt neben der Kirche zu ersetzen. Darin sollte das nach dem Krieg auf vier Glocken erweiterte Geläute aufgehängt werden. Nach dem Krieg setzte durch die Ansiedlung der Carl-Zeiss Werke aus Jena eine überaus stürmische Entwicklung ein. Oberkochen vergrößerte sich durch den Zuzug vieler Neubürger insbesondere aus Thüringen explosionsartig. Diese Wachstumsphase hielt bis zum Bau der Berliner Mauer im Jahre 1961 an. Sehr viele Neubürger Oberkochens gehörten der evangelischen Kirche an. Es war eine der schwierigsten Aufgaben der damaligen Pfarrer, die auf mehr als das Fünffache anwachsende Kirchengemeinde neu zu ordnen und zusammenzuschließen. Zusätzlich hatten die evangelischen Geistlichen auch außerhalb Oberkochens Pflichten zu erfüllen: Sie mußten in Ebnat und Waldhausen Gottesdienste und Religionsunterricht halten. Das sollte sich erst Mitte der 50er Jahre ändern. Infolge des starken Wachstums der Gemeinde wurde es im Laufe der 50er Jahre notwendig, die Kirche durch einen Anbau zu vergrößern. Speziell an den Festsonntagen war das Gotteshaus zu klein, und es fehlten Räume für die Jugendarbeit und andere Aktivitäten innerhalb der Kirchengemeinde. Verschiedene baurechtliche Vorschriften verhinderten aber die Umsetzung dieses Wunsches in die Tat; die Raumprobleme blieben weiterhin bestehen. Zu Beginn der 60er Jahre schenkte die bürgerliche Gemeinde beiden Kirchengemeinden je ein Grundstück. Die katholische Seite errichtete darauf das Rupert-Meyer-Haus, und direkt gegenüber stand nun auch das Bauland für eine neue evangelische Kirche zur Verfügung. Nach einer mehrjährigen Planungs- und Bauphase konnte 1968 das neue evangelische Gotteshaus, die Versöhnungskirche, mit dem angegliederten Gemeindezentrum eingeweiht werden. Außer dem Kirchenbau ergaben sich im Laufe der 60er Jahre an drei wichtigen Punkten des Gemeindelebens Erweiterungen. Unterstützt durch die Gemeinde Oberkochen entstand 1960 in Verbindung mit der Firma Carl Zeiss eine evangelische Kindertagesstätte. Zum 1. Januar 1965 erhielt die evangelische Kirchengemeinde eine Vikarsstelle, und am 1. Juni desselben Jahres wurde die evangelische Schwesternstation eingerichtet.

Vor einigen Jahren kaufte die Stadt Oberkochen die alte evangelische Kirche und wandelte sie in ihre Stadtbibliothek um. Diese wohlgelungene Bibliothek hat sich inzwischen zu einem Kulturzentrum mit Kammermusikabenden und Dichterlesungen entwickelt. Trotz der Umbauten im Innern blieb das Gotteshaus nach außen nahezu unverändert. So stehen im alten Ortskern nach wie vor die katholische und die alte evangelische Kirche eng nebeneinander und


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