Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 68 / 494

 

das 1807 gegründete Dekanat Aalen integriert, das heute 40 000 Personen in 25 Gemeinden umfaßt. In der Zeit nach 1583 war die Kirche äußerlich nicht wesentlich verändert worden. Nur im Hof hinter dem Gotteshaus hatte man zusätzlich kleine Stallungen und eine Waschküche errichtet. 1825 ersetzte die Gemeinde den alten Dachreiter durch einen kleinen Holzturm, in welchem drei Glocken aufgehängt wurden. Für die Musik im Gottesdienst stand eine kleine, reparaturbedürftige Orgel zur Verfügung. Der Pfarrer bekam, nachdem er seit einigen Jahren vom Schul- und Mesnerdienst befreit war, neue Betätigungsfelder zugewiesen. Er hatte den Hof Niesitz, ab 1846 auch den evangelischen Bevölkerungsteil in Ebnat und ab 1848 denjenigen in Waldhausen kirchlich mitzuversorgen. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts häufen sich in den Quellen die Klagen über den extrem schlechten baulichen Zustand von Kirche und Pfarrwohnung. Unter großen finanziellen Anstrengungen ließ die Gemeinde 1858 das Gotteshaus renovieren und innen mit verschiedenen Bildern ausmalen. Ende des Jahres 1858 wurde eine größere Orgel gekauft. Um Platz für das neue Instrument zu schaffen, mußte das Kircheninnere teilweise umgebaut werden. Im Sommer 1859 gab die Gemeinde weitere Bilder zum Schmuck des Gotteshauses in Auftrag. Allerdings senkten sich nun Teile der Decke. Der tragende Balken war angefault, weil es in der Kirche stets stickig und feucht war. Außerdem war es ungünstig, daß sich die Pfarrwohnung direkt über dem Kirchenraum befand. Besonders die ständige Feuchtigkeit in der Küche im ersten Stock hatte der Kirchendecke schweren Schaden zugefügt. So war es unumgänglich geworden, große Teile der Kirchendecke herunterzubrechen und neu zu bauen. Danach mußte das Gotteshaus im Inneren nochmals renoviert werden. Doch weil der Kirchenraum nach wie vor einen Meter unter dem Straßenniveau lag und ständig feucht war, riß die Serie der Reparaturen nicht ab. Deshalb reifte nach 1870 der Entschluß, das alte Gotteshaus abzubrechen, völlig neu zu erbauen und gleichzeitig ein separates Pfarrhaus zu errichten. Die Grundmauern der alten Kirche blieben als Fundament für die neue erhalten, man hob aber den Kirchenraum auf die Höhe der Straße an. Schon bald traten auch bei dem neuen Gotteshaus die ersten größeren Schäden auf: Wieder spielte eindringendes Wasser eine unheilvolle Rolle. Ins Jahr 1900, in welchem die katholische Schwestergemeinde ihre neue Kirche einweihte, fiel die nächste gründliche Renovierung.

 

Die evangelische Kirchengemeinde im 20. Jahrhundert

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg umfaßte die evangelische Kirchengemeinde Oberkochens 265 Personen, davon nahmen durchschnittlich 60 an den Gottesdiensten teil. Der Erste Weltkrieg hatte auf das Leben der Kirchengemeinde keine tieferen Auswirkungen. Der Gottesdienstbesuch steigerte sich in den


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