Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 67 / 494

 

gelassen werden, daß (dies) in derjenigen Kirche verrichtet werden möge, unter deren Herrschaft die Leute wohnen.«

Dieser Passus bedeutet, daß Eheschließungen und Begräbnisse entsprechend der Konfession der Personen vom katholischen bzw. evangelischen Geistlichen durchgeführt werden sollten. Im Falle gemischt-konfessioneller Ehen war die Religionszugehörigkeit der Kinder festgelegt durch den Wohnsitz der Eltern. Wenn die Familie im ellwangischen Teil Oberkochens wohnte, sollten die Kinder katholisch sein, im anderen Falle waren sie evangelisch zu taufen. Ein anderer Passus lautet (12.):

»Das Mittagläuten der Evangelischen zu Oberkochen soll in Zukunft eine Viertel Stunde vor Zwölf Uhr geschehen, mithin von den Evangelischen daselbst zu derjenigen Zeit wo von den Catholicis zum Mittaggebet um 12 Uhr die Glocken angezogen werden, nicht mehr zu gleicher Zeit geläutet werden.« Die Evangelischen mußten also ihr Mittagläuten eine Viertelstunde vorverlegen, damit es nicht das Mittagläuten und Gebet der Katholischen störe.

Solche und ähnliche Einzelbestimmungen des Vertrages wurden zusammengefaßt zu folgender Regel (14.):
»Bei öffentlichen Andachtsübungen soll alle Ungebühr auf beiden Seiten sorgsamst abgewendet werden.«

Jeder soll also die Konfession und die Religionsausübung des anderen respektieren und nicht stören.

Besonderen Schutz genossen die beiden Pfarrer, deren Dienst in einem religiös geteilten Ort nicht immer einfach war. Die Geistlichen sollten auf diese Weise vor Übergriffen geschützt werden. Der Vertrag legte auch fest, unter welchen Bedingungen z.B. der evangelische Pfarrer ein katholisches Haus betreten durfte (und umgekehrt) und ob er dabei in voller Amtstracht zu erscheinen hatte oder nicht.

 

Entwicklung nach 1803

Eine einschneidende Änderung ergab sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses brachten letztlich das Ende des Stifts Ellwangen. Seine Besitzungen und damit auch der katholische Teil Oberkochens fielen an das Haus Württemberg. Diese »Verwaltungsreform« entschädigte Württemberg für den Verlust verschiedener Landstriche und ließ viele kleine und kleinste »Staaten« von der deutschen Landkarte verschwinden. Die bürgerliche Gemeinde Oberkochen gehörte danach verwaltungsmäßig zum Oberamt Aalen, die evangelische Kirchengemeinde dagegen war, wegen ihrer engen Verbindung zu Königsbronn, Teil des Dekanats Heidenheim. Erst im Jahre 1813 korrigierte ein königlicher Erlaß diese Situation. Zu jenem Zeitpunkt wurde die evangelische Kirchengemeinde in


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