Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 66 / 494

 

den alten Bevölkerungsstand wieder erreicht. Ab 1635 gab es keinen evangelischen Pfarrer mehr im Dorf, und für einige Jahre wurde die evangelische Gemeinde mit Königsbronn zusammen sehr wahrscheinlich wieder katholisch. Erst 1659 zog erneut ein evangelischer Theologe auf. Bis zum Ende des Jahrhunderts wechselten dann die Geistlichen in rascher Folge. Sie blieben im Durchschnitt nur drei Jahre, bis sich ihnen eine lukrativere Stelle bot. Sie waren in dieser Zeit fast alle kaum mehr als 20 Jahre alt, weil damals bestenfalls ein ganz junger Pfarrer ohne Familie und ohne große Ansprüche von dieser Pfarrstelle existieren konnte.

In den Quellen finden sich immer wieder Klagen über die schlechte Bezahlung der evangelischen Geistlichen in Oberkochen. Auch das ist durch mehrere Jahrhunderte ein konstantes Element in der Geschichte der hiesigen Pfarrei. Verglichen mit etwa gleich großen Gemeinden, gehörte diese Pfarrstelle zu den am schlechtesten bezahlten im weiten Umkreis denn die Höhe der Bezahlung hing vom Reichtum der Gemeinde ab, und Oberkochen war sehr arm. Es kam sogar vor, daß ein Pfarrer seine neue Stelle in Oberkochen wegen Armut der Gemeinde nicht antreten konnte. Die Pfarrbesoldung bestand zum größten Teil aus Naturalien: Der Geistliche bekam verschiedene Getreidesorten, Wein, Holz und nur wenig Bargeld. Diese Art der Bezahlung war allgemein verbreitert und wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein fast unverändert beibehalten.

Während der Vakatur nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte man die Kirche unter großen finanziellen Anstrengungen renovieren lassen. Doch schon bald wurden neue bauliche Maßnahmen notwendig. Immer wieder ist von Wasserschäden die Rede.

In den letzten Jahren des 17. Jahrhunderts erhielt Oberkochen eine eigene evangelische Schulmeisterstelle. Der Lehrer hatte zusätzlich des Mesneramt zu versehen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Pfarrer zugleich Mesner und Lehrer gewesen.

Aufgrund der konfessionellen Teilung kam es verschiedentlich zu Reibereien zwischen dem katholischen und dem evangelischen Bevölkerungsteil. Um die komplizierte Situation zu klären und die Rechte und Pflichten aller Beteiligten im Dorf schriftlich niederzulegen, handelten im Jahre 1749 Vertreter Ellwangens und Württembergs (als Besitzer Königsbronns) in Aalen einen umfassenden Vertrag aus, der den Namen »Aalener Protokoll« trägt. Neben verschiedenen Dingen des täglichen Lebens nahmen dort kirchliche Fragen einen breiten Raum ein. Einige Passagen seien zur Illustration wörtlich zitiert. So heißt es etwa im 2. Abschnitt (5.) des Aalener Protokolls: »Was die Einsegnung der Ehen, auch Begräbnisse der Toten anbelangt, da will man ... geschehen lassen, daß jeder Geistliche zu Oberkochen seiner Religion anverwandten Ehen in seiner Kirche einsegnen... möge, da ferner aber Eheleute diverser Religion sein sollten, könnte es mit solchem, was die Taufe ... betrifft, wie bisher dabei


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