Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 62 / 494

 

Christhard Schrenk

Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde in Oberkochen

Zeit vor der Reformation

Von jeher war Oberkochen ein herrschaftlich geteiltes Dorf. Ab etwa 1350 gehörten zwei Drittel zum damaligen Benediktinerkloster und späteren Chorherrenstift Ellwangen, ein Drittel war im Besitz des Zisterzienserklosters Königsbronn, das im Jahre 1534 nach wechselvollem Schicksal an das Haus Württemberg fiel. Sofort unternahm Herzog Ulrich von Württemberg den Versuch, in seinem neuen Herrschaftsgebiet die Reformation durchzusetzen. Während Ellwangen bis auf einen kleinen Zeitabschnitt im Dreißigjährigen Krieg immer katholisch blieb, wurde 1536 die Gegend um Heidenheim evangelisch. Damit ist schon das früheste Datum genannt, das als Zeitpunkt der Reformation in Oberkochen in Frage kommt. Was in Heidenheim schnell gelang, führte in Königsbronn jedoch zu Schwierigkeiten. Die dortigen Zisterziensermönche wehrten sich einige Jahre erfolgreich gegen die Reformation; so daß deren Kloster erst im Jahre 1553 durch Herzog Christoph von Württemberg evangelisch wurde.

Wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt kam dann auch der Königsbronner Teil Oberkochens zum lutherischen Glauben. Leider ist es nicht möglich, das Datum der Reformation in Oberkochen exakt anzugeben, denn die Quellen liefern in diesem Punkt widersprüchliche Informationen. In jedem Fall war Oberkochen ab 1553 nicht nur politisch, sondern auch religiös ein geteiltes Dorf, in dem etwa 500 Personen wohnten; davon waren zwei Drittel katholisch, ein Drittel gehörte der evangelischen Konfession an. Der Fortgang der Geschichte zeigt, daß weniger aus der politischen, als vielmehr aus der religiösen Trennung verschiedene Probleme erwuchsen. Schon die damaligen Zeitgenossen hatten erkannt, daß die Existenz solch kleiner kirchlicher Simultanverhältnisse schnell zu Schwierigkeiten führen könnte. Deshalb wurde im Augsburger Religionsfrieden von 1555 (knapp 40 Jahre nach Luthers »Thesenanschlag«) neben vielen anderen Dingen die Problema-


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