Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 60 / 494

 

Forum dieser verstärkten gesellschaftlichen Aktivitäten. Nach umfangreichen Planungen und Bemühungen um die Finanzierung — unvergessen die »Grüne-Punkt-Aktion« — wurde im Oktober 1967 das »Rupert-Mayer-Haus« mit dem Kindergarten »Sankt Michael« eingeweiht.

Und schließlich löste ein Jahr später der aus einer direkten Wahl der inzwischen 4 700 Katholiken hervorgegangene und mit allgemeinen demokratischen Beschlußrechten ausgestattete Pfarrgemeinderat (ab 1972 Kirchengemeinderat) den bisher von der Ortskirchensteuervertretung bestellten Kirchenstiftungsrat ab.

In der Amtszeit von Pfarrer Rudolf Vogt (1973-1976) begann die Diskussion um eine neuerliche Kirchenrenovierung. Von ziemlich weitgehenden Vorstellungen — eine Altarinsel unter der Vierung, zentrale Anordnung der Kirchenbänke unter Aufhebung des Mittelgangs — gelangte man dann unter Pfarrer Jan Snoeren (seit 1977) zu einfühlsameren und stilgerechteren Lösungen. Nach dem Renovierungsbeschluß des Kirchengemeinderats von 24. November 1977 begannen die Bauarbeiten unter der Leitung von Architekt Willibald Mannes. Mit der Neufassung der Skulpturen und der Farbgebung in der Kirche betraute man Herrn Elsäßer, mit der Neugestaltung des Altarraumes Herrn Tagwerker. In zwei Pfarrversammlungen am 17. April 1978 und am 19. November 1979 wurde das vom Bauausschuß und den Experten der Diozöse und des Landesdenkmalsamtes erarbeitete und jeweils aktualisierte Konzept vorgetragen und ausführlich diskutiert.

Bei der Altarweihe am 3. Juni 1981 durch Bischof Georg Moser erlebten die Oberkochener einen Kirchenraum, dessen architektonische Schönheit durch eine neue Wandgliederung, eine warme und doch zurückhaltende Farbgebung und durch eine stilvolle Ausstattung aufs glücklichste hervorgehoben wurde. Das seelsorgerliche Wirken von Pfarrer Jan Snoeren — gleichermaßen auf die Wiederbelebung alter und teilweise vernachlässigter Formen der Frömmigkeit und des sakramentalen Lebens gerichtet wie auf Neuerung und Öffnung — fand im Motto der Hauptmission vom 14.-29. November 1981 »Glauben wagen« seinen adäquaten Ausdruck. Daß die Mission von beiden Kirchengemeinden auf ökumenischer Basis gestaltet wurde, war ein spektakuläres Ereignis ohne Beispiel im Lande. Bemerkenswert war auch die Art der Durchführung: Die in häuslichen Gesprächskreisen — bei gegenseitiger Teilnahme von katholischen und evangelischen Christen — unter der Leitung der Missionare besprochenen Themenkreise wurden vorher in zahlreichen »Bezirksversammlungen« von den Gläubigen selbst erarbeitet — eine Mission von unten nach oben!

Der ökumenische Gedanke ist in Oberkochen längst über das Stadium der gegenseitigen Tolerierung hinausgegangen, eine eindrucksvolle Liste gemeinsamer Aktivitäten beweist dies: Es gibt ökumenische Gottesdienste je abwechselnd in der evangelischen und katholischen Kirche, ökumenische


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