Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 59 / 494

 

Mithilfe der ganzen Kirchengemeinde endlich realisiert werden. In diesem Zusammenhang möchte ich die Zahlen von 1980 nennen, durch die das selbstlose Wirken der Franziskanerinnen aus Reute ersichtlich wird: 4 336 Hausbesuche, über 1000 Beratungen, dazu die ambulanten Behandlungen und andere pflegerische Maßnahmen.

Seine Hauptaufgabe sah Pfarrer Hager von Anfang an in der Renovierung der Pfarrkirche, schon 1953 schreibt er: »...Es wird nun freilich bald allerhöchste Zeit, die Kirchenrestaurierung gründlich in die Hand zu nehmen.« Und das tat er dann auch. Will man sich zu seiner Kirchenrenovierung kritisch äußern, muß man zuvor auf seine Zeit schauen: Die katholische Kirchengemeinde in Oberkochen hat sich seit Kriegsende nicht nur in der Bevölkerungszahl, sondern auch in ihrem Selbstverständnis geändert. Wie überall in den fünfziger Jahren erfolgte auch in Oberkochen durch die verstärkte Mitwirkung der Laien am Gottesdienst und die Rückbesinnung auf die wesentlichen Grundzüge des christlichen Glaubens die Hinwendung zu einer neuen Sachlichkeit im kirchlichen Bereich. Alles Gefühlvolle, Sentimentale, Tröstende wurde suspekt und mußte einer mehr oder weniger abstrakten Symbolik weichen. Die neuen Kirchen begannen sich an Nüchternheit und Kargheit der Ausstattung zu überbieten. Wir sehen die Renovierung von 1957 wohl deshalb als mißlungen an, weil die Auswirkungen der Beton- und Glasarchitektur sich auch auf die alten Kirchen erstreckten, die in dieser Zeit renoviert wurden. Kein Wunder, daß die lediglich schmückenden und erzählenden Malereien, die alten Farbfenster und all die gotischen, barocken und neuromanischen Zeugnisse einer gefühlvolleren Frömmigkeit in einer heute als bilderstürmerisch empfundenen Weise entfernt wurden. Nüchtern, glattflächig, in Weiß und Grau, belebt nur von den stark farbigen, etwas gewollt abstrahierenden neuen Fenstern bot sich die renovierte Kirche den Gemeindemitgliedern dar.

Der Trend zu neuen und zeitgemäßeren Formen der Liturgie und zu einer stärkeren Demokratisierung des kirchlichen Lebens setzte sich unter Pfarrer Konrad Forster (1958-1972) fort. Vor allem die Verwirklichung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils und eine stärkere Hinwendung zu gesellschaftlichen Fragen kennzeichnen das Wirken des neuen Pfarrers: Schon 1958 regte er die Gründung eines Ortsverbandes der »Katholischen Arbeiterbewegung« (KAB) an, die aus den katholischen Arbeitnehmervereinen von Bischof Ketteler hervorgegangen war und die sich an die industriellen Arbeiter wendet. Die KAB vertritt die katholische Soziallehre, wie sie in den Sozialenzykliken grundgelegt ist, sie ist gleichzeitig die organisatorische Grundlage für den ökumenisch angelegte Arbeitskreis »Kirche und Arbeitswelt«, der sich seinerseits mit religiösen, aber auch arbeitsrechtlichen und sozialpolitischen Themen befaßt.

Immer deutlicher stellte sich heraus: Sollte sich die Kirchengemeinde als lebendige Gemeinschaft empfinden, bedurfte es eines Gemeindezentrums als


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