Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 58 / 494

 

Pfarrer Jans hatte 1936 das Treuegelöbnis für den nationalsozialistischen Staat verweigert, deshalb mußte der Religionsunterricht im Sommer in der Kirche und im Winter im alten Schwesternhaus abgehalten werden, immer in der Befürchtung, daß auch dies bald nicht mehr möglich sein könnte. Im gleichen Jahr wurde auch die vierklassige »Katholische Bekenntnisschule« mit der einklassigen evangelischen Schule zur »Deutschen Volksschule« vereinigt. Im weiteren kam es, sieht man von der sich immer wieder manifestierenden allgemeinen Religionsfeindlichkeit des Regimes ab, zu keinen nennenswerten weiteren Einschränkungen des kirchlichen Lebens.

1945 gab es nun tatsächlich Trümmer jeglicher Art zu beseitigen. Diesmal war nach dem Krieg nichts mehr wie vorher: Flüchtlinge und Heimatvertriebene veränderten die Bevölkerungsstruktur mehr, als es zunächst den Anschein hatte; mit der Ansiedlung der Firma Carl Zeiss wurde Oberkochen endgültig zur Industriegemeinde, der rasante Anstieg der Einwohnerzahlen erforderte ständig neue Wohngebiete und neue Strukturen. Auch während des Zweiten Weltkriegs waren die Glocken beschlagnahmt und vom Turm geholt worden. Die Weihe der neuen Glocken am 25. September 1949 war das erste große Fest der katholischen Kirchengemeinde nach dem Krieg, ein Schlußpunkt, so Pfarrer Rudolf Hager (1949-58), nach der Not der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Die Glocken, auf das Salve Regina-Motiv Des-Es-As-B-des gestimmt, wurden von der ganzen Gemeinde als ein Symbol der neuen Hoffnung gefeiert. (Die erste war der Muttergottes geweiht: »Salve Regina«, die zweite den Kirchenpatronen: »Sancti Petre et Paule Apostoli, orate pro nobis«; die dritte, von der Industrie gestiftet, mahnt: »Feßle durch Beten die jagende Zeit! Binde die Zeit an die Ewigkeit!« Die Friedensglocke »Dona nobis pacem!« wurde von der Gemeinde gestiftet, während das Armenseelenglöcklein noch vom alten Geläute stammte.)

Am 20. November 1949 fand die Gründungsversammlung der »Kolpingsfamilie Oberkochen« statt. Ihre Konstituierung war schon 1933 beschlossen worden, konnte aber wegen des kurz danach erfolgten Verbots durch die Nationalsozialisten nicht mehr durchgeführt werden.

Und dann begann die Bautätigkeit von Pfarrer Rudolf Hager. Zunächst wurde die Wiesenkapelle abgebrochen, die, ohnehin renovierungsbedürftig, immer mehr von den Holzstapeln des Sägewerks der Firma Bäuerle umzingelt wurde. An ihrer Stelle entstand im Weingarten die Kapelle »Maria Schutz« — am 31. Juli 1950 von Pfarrer Hager eingeweiht. Nun erwies sich auch die Orgel als so schadhaft, daß ein Neubau von den Orgelbauern Gebrüder Reiser aus Biberach durchgeführt werden mußte. Die neue Orgel (3 Manuale, 17 klingende Register, 2440 Pfeifen) wurde »ein Werk von hoher Qualität..liturgisch..im Stil einer süddeutschen Barockorgel, eine wahre Königin der Instrumente«. (Rudolf Heller)

Das schon 1928 geplante neue Schwesternhaus konnte nun nach dem Baubeschluß des Kirchenstiftungsrates vom 24. Juli 1953 unter bemerkenswerter


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