Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 53 / 494

 

Nach dem Wiener Kongreß 1815 und der durch die restaurative Politik Metternichs erzwungenen politischen Abstinenz des deutschen Bürgers erfolgte die Hinwendung zur Innerlichkeit, zur Romantik, zum Verein und zum Lied. In Oberkochen gründete Pfarrer Lauth (1803-1832) zusammen mit dem rührigen Schulmeister Balluff den Katholischen Kirchenchor Oberkochen. Balluff führte den Chor gleich zu hohem Ansehen. Weitere Höhepunkte brachten die Jahre 1860-1880, in denen der Chor unter den Lehrern Morassi und Gutmann regelmäßig bei auswärtigen Auftritten und selbstverständlich auch für die Gestaltung der Festgottesdienste daheim hohes Lob erfuhr. Im Cäcilienverein fand der Chor seine finanzielle Stütze durch zahlende Mitglieder. Vor allem konnte er sich dadurch auch dem »profanen« Gesang und Theateraufführungen zuwenden, eine Tradition übrigens, die sich unter hervorragenden Dirigenten bis in die unmittelbare Gegenwart fortsetzte.

Die Stiftungspflege war in diesen Jahren besonders mit den Sorgen um das Schulhaus und zunehmend mit der immer dringender werdenen Kirchenrenovierung befaßt.

1830 wurde ein Plan zur Erweiterung des Schulhauses mit einem Voranschlag von 560 Gulden vorgelegt und im Laufe der Zeit auch verwirklicht.

Schon Pfarrer Karl Desaller (1846-1867) — eine Würdigung dieses erstaunlichen Mannes siehe unter »Oberkochen 1847« — und mehr noch Pfarrer Breitenbach (1867 - 1897) konnten sich der Tatsache nicht verschließen, daß die Barockkirche, wiewohl immer noch schön und anheimelnd, nun doch zu eng und so baufällig war, daß nur noch ein völliger Neubau Remedur schaffen konnte. Zudem wurden auch die Vorstellungen des Oberamts immer dringlicher, aus gesundheitspolizeilichen Gründen den katholischen Friedhof an den Ortsrand zu verlegen, denn im ganzen Oberamt befinde sich der Friedhof nur noch im Oberkochen bei der Kirche in Ortsmitte.

Natürlich sah man das alles ein, doch noch immer drückten die Lasten früherer Baumaßnahmen, und so schob man die entscheidende Beschlußfassung so lange vor sich her, bis die polizeiliche Schließung der Kirche drohte.

Nun mußte erst einmal die lange schon umstrittene Frage der Baulast geklärt werden. Die königliche Finanzverwaltung winkte sogleich ab: Ja, das Königreich Württemberg sei natürlich Rechtsnachfolger der ehemaligen Fürstpropstei Ellwangen, doch die Oberkochener Kirche sei immer nur zehntpflichtig, nie jedoch inkorporiert gewesen. Hierauf klagte der Stiftungsrat im Herbst 1895 beim Königlichen Verwaltungsgericht in Stuttgart und bekam mit Urteil vom 12. Mai 1896 Recht: Als alleiniger »parochus« hatte der Fürstpropst tatsächlich alle Pfarreien seiner Herrschaft inkorporiert — die Ortspfarrer waren jeweils nur die Pfarrverweser — und somit habe das Königreich Württemberg mit der Säkularisation von 1803 auch eindeutig Baupflicht und Baulast aller Pfarrkirchen übernommen. Doch nun wiesen die Finanzbeamten darauf hin, daß dies insofern völlig unerheblich sei, als die Pfarrgemeinde St. Peter und


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