Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 51 / 494

 

Volksfrömmigkeit befürchtete, war doch der Anlaß, durch den das Bildnis in den Ruf der Wundertätigkeit geriet, außerordentlich fragwürdig. (Eine »nervenkranke« Müllerin wurde durch den Anblick des gegeißelten Heilands geheilt.)

Die Nachbarspfarrer waren ebenfalls gegen die Wallfahrt, sie freilich, weil durch die Wallfahrer viele Stolgelder in die Kapellenpflege nach Oberkochen abflossen. Ganz unrecht hatten sie wohl nicht, wenn wir die Einnahmen der Kapellenpflege im Jahr 1793 mit 868 Gulden angegeben sehen, die der Kirchenpflege dagegen nur mit 413 Gulden.

Vom pädagogischen Interesse des 18. Jahrhunderts war vorhin die Rede. Im Zusammenhang mit der umfassenden »Fürstlich Ellwangischen Schulordnung« von 1749 — dies die zweite Einwirkung des Kurfürsten in diesem Jahr — sah sich die katholische Kirchengemeinde mit der Notwendigkeit konfrontiert, neben der Kirche ein neues Schulhaus zu bauen. Nach zwei vollen Jahren elenden Papierkriegs (der Kurfürst Franz Georg behielt sich für jede Phase der Planung die ausdrückliche persönliche Genehmigung vor) konnte am 28.6.1755 endlich mit dem Bau begonnen werden. Die Pläne sowie den Kostenvoranschlag von 779 Gulden 25 Kreuzer hatte Arnold Friedrich Prahl, der Stadt- und Landbaumeister des Kurfürsten, erstellt. (Zum Vergleich: Für 300 Gulden konnte man damals einen Morgen Ackerland kaufen.)

Finanziert wurde der Schulbau durch Holzeinschlag im Petershau. Für 1200 Gulden wurde das eingeschlagene Holz schließlich nach Unterkochen verkauft. Die Stiftungspflege hatte sehr damit gerechnet, daß die Oberkochener Bauern die Spanndienste kostenlos machen würden. Doch dies hatten sie im Frühjahr beim Bau des Pfarrhofs schon überreichlich getan, was genug ist, ist genug. Jetzt waren sie nur noch bereit, einen Sonderpreis von 30 Kreuzern statt der sonst üblichen 40 Kreuzer zu machen.

Wie gesagt, die Unterhaltung der Schule und die Lehrerbesoldung lag bei der Heiligenpflege. Der Lehrer und Mesner bekam 66 Gulden jährlich, dazu noch einen Malter Dinkel und das Schulgeld, das die Kinder zu bezahlen hatten. (Ein Kreuzer pro Woche von Michaelis bis Georgi.) Für die armen Kinder wurde das Schulgeld vom Amt Kocherburg bezahlt. Im übrigen unterstand der Lehrer voll und ganz der geistlichen Schulaufsicht, die in der Schulordnung von 1749 ausdrücklich bestätigt wurde: »...Sollte sich ein übelgesitteter Schulmeister einschleichen, so hat unser Geistlicher Rath auf dessen ohnausgestellte Absetzung anzutragen...«

Wir sollten das 18. Jahrhundert nicht verlassen, ohne auch einen Blick auf die soziale Situation der Pfarrei geworfen zu haben. Das Jahrhundert hatte mit einer »kleinen Eiszeit« begonnen, die bis etwa 1730 anhielt: kalte Winter, kalte Sommer, Mißernten, Teuerung! Besonders betroffen waren die landlosen Tagelöhner, aber auch die bäuerliche Kleinwirtschaft, die im wesentlichen


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