Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 50 / 494

 

doch noch zu einem Ausgleich. Dabei wurde im religiösen Bereich, dem wohl schwierigsten Streitpunkt, folgende Vereinbarung getroffen:

»In Ansehung der Religion herrscht gegenseitige Duldung, doch wenn auf dem Hause einer Herrschaft ein Andersgläubiger sitzt, so ist ihm da blos stilles exercitium seiner Religion gestattet und er hat die Stolgebühren an den Pfarrer seiner Herrschaft zu bezahlen«. Die Religionsfreiheit auf der Grundlage des Westfälischen Friedens von 1648 (nach dem die Religionszugehörigkeit nicht mehr an die Obrigkeit gebunden war) wird den beiden Geistlichen als höchste Zielsetzung anbefohlen. Im bürgerlichen Bereich kam man überein, daß beide Seiten auf dem Grund ihrer Untertanen »die Obrigkeit und Malefiz« (Gerichtsbarkeit) haben, das ellwängische Amt Kocherburg darüberhinaus auch auf den öffentlichen Straßen und Plätzen, auch erstellt es allein die Gemeinderechnung, »in allen übrigen Sachen herrscht condominium« (gemeinsame Herrschaft). Von einer nachhaltigen Störung des konfessionel-

len Friedens wird danach nur einmal berichtet, als nämlich in der von Pfarrer Schrezenberger 1755 erbauten »Wiesenkapelle«, »im Wiesengrunde, zehn Minuten vom Dorf abwärts«, die Figur des gegeißelten Heilands zerstört wurde und der Verdacht auf die Protestanten fiel. (Es war aber ein Katholik aus Unterkochen, wie sich später herausstellte.) Die Wallfahrt zum »Wiesenherrgott« muß bedeutend gewesen sein, obwohl ihr die Amtskirche Widerstand entgegensetzte, wohl weil sie ein Ausufern der


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