Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 49 / 494

 

1661/62 wird die Stiftskirche aufwendig barockisiert, 1681 beginnt der Neubau der mächtigen Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg. Und wieder teilt sich der Aufschwung auch den Gemeinden der Herrschaft mit. Die katholische Kirchengemeinde Oberkochen beginnt eine erstaunliche Bautätigkeit: Schon 1650 war im »Brunkel« die Ölbergkapelle entstanden, die auch der HI. Ottilie, der Patronin für Augenleiden, geweiht war. (Ein Vorgriff auf die späte Optikstadt? Eine Nachbildung der Statue dieser Heiligen ist folgerichtig im Optikmuseum zu sehen.) 1663 wird der baufällig gewordene spätgotische Chor der Pfarrkirche abgebrochen und im frühbarocken Stil neu errichtet. Wir können annehmen, daß auch der übrige Kirchenraum gründlich im neuen Stil umgestaltet wurde, wenngleich die Barockisierung erst 1715, nun hochbarock, zum eigentlichen Abschluß kam. Die Einweihung des neuen Gotteshauses muß damals ein unerhört festlicher Augenblick für die Gemeinde gewesen sein, denn die neugestaltete Kirche wird in allen Quellen als »sehr schön« bezeichnet. Und die Barockfiguren in unserer heutigen Kirche bestätigen diesen Eindruck. 1666 wurde dann auch noch die Renovierung des Schul- und Mesnerhauses in Angriff genommen. Während die Baulast der Kirche ganz bei der Stiftungspflege lag und aus dem Stiftungsvermögen (50 Morgen Wald, der sogenannte »Petershau«, und 5634 fl Vermögen) bestritten wurde, erfolgte für die Schule ein Zuschuß vom ellwängischen Amt Kocherburg, wie aus den »Acta, die Erbauung und Reparationes das Oberkochener Schulhaus betreffend« hervorgeht, »weil die Oberkochener Heiligen kein Geld mehr haben infolge des Krieges«. Das Schul- und Mesnerhaus blieb im Eigentum der katholischen Kirchengemeinde, ihr oblag auch die Besoldung, während die Bau- und Steuerlasten von der gesamten Schulgemeinde getragen werden mußten.

Auch im Ellwanger Herrschaftsgebiet bringt das 18. Jahrhundert die Ausformung des fürstlichen Absolutismus — Schöpfer und glanzvollste Gestalt desselben war Franz Georg Graf von Schönborn (1732-1756), Fürstpropst zu Ellwangen, zugleich Erzbischof und Kurfürst von Trier, Bischof von Worms. Voraussetzung für den glanzvollen absolutistischen Rahmen war ein zentralistisch organisierter Verwaltungs- und Wirtschaftsapparat, der zudem überall die öffentliche Wohlfahrt zu fördern suchte: Durch die Aufhebung des Zunftzwanges konnten auch in Oberkochen neue Gewerbe entstehen, über die »Landesnotdurftkasse« erhielten Bauern unverzinsliche Kredite, ihre Söhne wurden in Landwirtschaftsschulen fachlich ausgebildet — wie überhaupt das pädagogische Interesse ein wesentlicher Zug dieses fortschrittsgläubigen Jahrhunderts war. In Oberkochen tritt der Kurfürst im Jahre 1749 gleich zweimal in Erscheinung: In der Oberamtsbeschreibung von 1854 ist für diesen Zeitpunkt von dauernden kirchlichen und bürgerlichen Reibungen der beiden konfessionell verschiedenen Obrigkeiten in Oberkochen die Rede. Ellwangen habe deshalb seinerzeit sogar versucht, Oberkochen gegen das württembergische Jagsthausen einzutauschen. Dann kam es 1749 im Vertrag von Aalen


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