Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 48 / 494

 

alten Försterhaus (nachmaliges Haus Brunnhuber) eine württembergische Zollstation errichtet wurde. Ihren Eigenbedarf konnten nun die nichtwürttembergischen Oberkochener zollfrei einführen, alle Ausfuhren waren jedoch zollpflichtig.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) brachte natürlich auch für Oberkochen die vielfältig beschriebenen Drangsale. Obwohl die Fürstpropstei Ellwangen schon seit 1609 der katholischen Liga angehörte, begannen die Verheerungen erst ab 1631/32 und erreichten ihren Höhepunkt, als 1634 mehr als 70 000 Soldaten im Zusammenhang mit der Schlacht bei Nördlingen unsere Region heimsuchten. 1629 umfaßte die katholische Kirchengemeinde Oberkochen noch 370 Menschen (in 57 Häusern), von ihnen überlebten jedoch kaum 60 Pest, Hunger und Krieg.

Zehn Jahre nach dem Ende des großen Krieges beginnen die Pfarrnachrichten. Der erste genannte »parochus« hieß Molitor; seine Eintragungen in das Pfarrbuch (und auch die seiner Nachfolger) markierten jedoch nur die wichtigsten Stationen in der kurzen Spanne menschlichen Daseins: Taufe, Heirat, Tod. Im Zeitraum bis 1680 begegnen wir jedoch erstaunlich vielen Namen, die auch heute noch einen guten Klang in Oberkochen haben: Balle, Bezler (Betzler), Brandstetter, Brunnhuber, Trittler, Elmer, Gold, Schmid, Grupp, Kieninger, Kopp, Schaupp, Wagner, Wingert, Winter (vergl. Kuno Gold, Namensgeschichte). Ein Indiz für Beharrlichkeit und auch dafür, daß Oberkochen trotz mancher Mühsale auch den Zugewanderten nach dem Dreißigjährigen Krieg zur dauerhaften Heimat geworden ist — eine verblüffende Parallele zu unserer Zeit.

Über die Schulen haben wir noch nicht berichtet! (vergl: Volkmar Schrenk, Schulgeschichte) Gerade sie waren ja bis in unser Jahrhundert hinein aufs engste mit der Kirchengemeinde verbunden: Ab 1343, dem Gründungsjahr unserer Pfarrgemeinde, dürfen wir bereits eine »Pfarrschule« annehmen, die allen Kindern offenstand, freilich noch ohne Stoff- und Stundenplan und sehr sporadisch, jedoch mit der klaren Zielsetzung, »... daß die Kinder zum besseren Fortgang des Religionsunterrichts auch im Lesen und Schreiben unterrichtet werden«. Zuerst waren es natürlich die Pfarrer, die unterrichteten, später traten sie dieses Amt den Mesnern ab. Die erste Erwähnung einer katholischen Schule finden wir 1662 in den Akten des ellwängischen Amtes Kocherburg, und zwar in einer Anfrage des Amtmannes, ob der Hans Kirnberger weiterhin den Mesner- und Schuldienst versehen wollte. (Eine Ämterverbindung, die übrigens erst 1902 aufgelöst wurde!)

Eine erstaunliche Zeit, die Jahrzehnte nach der großen Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges. Da sind die Städte abgebrannt, die Dörfer ausgeplündert, zum Teil gänzlich von der Pest entvölkert, sämtliche wirtschaftlichen Strukturen sind zerschlagen — und dennoch beginnt unmittelbar danach, getragen von einem neuen, ungemein kraftvollen Lebensgefühl das unvergleichliche Zeitalter des Barock! Auch in der Fürstpropstei Ellwangen:


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