Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 46 / 494

 

sen als durch die Leichtigkeit, mit der Menschen und Länder durch die Wechselfälle dynastischer Erbfolge oder durch Käufe von einer Herrschaft in die andere gerieten: 1448 kommt die Helfensteinsche Herrschaft Heidenheim mit dem Kloster Königsbronn (und damit einem Drittel von Oberkochen) an das Haus Württemberg, zwei Jahre später an Bayern, von wo es Herzog Ulrich 1504 wieder zurückkaufte. Doch erst ab 1534 war es dann endgültig württembergischer Besitz. Ein folgenschwerer Wechsel, weil das Haus Württemberg evangelisch war und die Reformation in allen seinen Besitzungen durchführte — im Kloster Königsbronn jedoch eher behutsam, konnte doch der letzte Abt Landstandschaft und die Verwaltung der Klostergüter bis zu seinem Tode behalten. Erst 1553 setzte Herzog Christoph nach dem Wiederaufbau des Klosters (es wurde in den Wirren des Schmalkaldischen Kriegs von Markgraf Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach bis auf die Grundmauern zerstört) einen evangelischen Prälaten ein, durch die neue Klosterordnung wurde dieses schließlich in eine Schul- und Bildungsanstalt umgewandelt.

Für die Oberkochener Christen war jedoch vielleicht noch entscheidender, daß sich die Reformation in Ellwangen nicht durchsetzen konnte. Zwar fanden die lutherischen Prediger Johann Kreß und Georg Mumbach bei vielen Bürgern williges Gehör, weil diese mit dem oft als drückend empfundenen Regiment des Fürstenpropsts unzufrieden waren, oder weil sie ganz einfach auf die Umkehrung der sozialen Verhältnisse hofften. Auch im Stiftskapitel fand die Reformation ihre Fürsprecher: Die Chorherren von Gültlingen und von Hesperg versuchten sogar, im Verein mit den aufständischen Bauern 1525 die Propstei in ein weltliches evangelisches Fürstentum umzuwandeln. Als jedoch bereits am 17. Mai bündische Truppen die Stadt einnahmen, fanden alle reformatorischen Bestrebungen ein jähes Ende.

Glaubensfreiheit, das versteht sich aus unseren bisherigen Überlegungen eigentlich von selbst, wurde im Augsburger Religionsfrieden von 1555 nur den Obrigkeiten zugebilligt. Wenngleich der Grundsatz »cuius regio, eius religio« (Wessen Herrschaft, dessen Religion) im Prinzip nur für die Freien Reichsstädte galt, wurde in Oberkochen dennoch ziemlich rigoros danach verfahren: Nach der politischen Teilung erfolgte nun auch die religiöse.

Im Zuge der Gegenreformation, die von Fürstpropst Otto Truchseß von Waldburg mit großem Eifer vorangetrieben wurde, gewannen die Jesuiten große Bedeutung für Ellwangen und die zugehörigen Gebiete; dieser Einfluß der Gesellschaft Jesu wird auch dadurch dokumentiert, daß sich unter den Heiligen unserer Pfarrkirche allein drei Jesuiten befinden: Der Ordensgründer Ignatius von Loyola, Petrus Canisius, »Zweiter Apostel Deutschlands« und Gründer der Jesuiten-Missionsstation in Ellwangen, und der Missionsheilige Franz Xaver.

Sicherlich bedarf es keiner großen Phantasie, sich vorzustellen, daß sich diese glaubensmäßige Entflechtung einer bisher einheitlichen Kirchengemeinde nicht ohne Schmerzen und Bitterkeit vollzogen haben mag.


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