Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 455 / 494

 

die beiden Brautführer die Braut wieder auslösen, sie mußten den Dieben ein Lösegeld bezahlen, das sofort in Bier, Wein und ein gutes Essen umgesetzt wurde. Während des Nachmittags wurden verschiedene Spiele und Volkstänze aufgeführt, die leider größtenteils der Vergessenheit anheimfielen. Am Abend gingen diejenigen, die dem Brautpaar etwas schenken wollten, zur Hochzeit. Jedem Schenkenden wurde vom Brautpaar ein Wecken ausgehändigt. Gegen die zwölfte Stunde in der Nacht verließen Braut und Bräutigam die Wirtschaft. Ehe sie weggingen, nahmen die Brautführer der Braut das Brautkränzlein ab und sagen dabei:

Hopsa Lisele, d'Freud ist aus,
d's Kränzte ra und d's Häuble nauf!
D's Häuble wär jo so net so schwer,
wenn i no ledig wär!

Die Braut ging ohne Brautkranz in ihr neues Heim. Am anderen Tag brachten die Brautführer der Braut das Brautkränzchen in die Wohnung, wo beide gut bewirtet wurden.

Sobald das Brautpaar die Wirtschaft verlassen hatte, durfte die Musik nicht mehr spielen; auch durfte nicht mehr getanzt werden, denn dies würde dem Brautpaar Unglück bringen, sagte man.

Die Sitte, daß am Hochzeitstage die fünf Ärmsten der Gemeinde auf Kosten des Brautpaares mit einem Essen bedacht wurden, blieb lange Zeit erhalten. Auch war es früher üblich, die Brautleute mit Bettkissen zu beschenken, die den Tag über zu den Fenstern des Hochzeitssaales herausgehängt und abends mit Musik nach Hause gebracht wurden.

 

In Haus und Hof, Landwirtschaft

a) Einbringung der Ernte. Früher war es Sitte, daß der Bauer mit allen Schnittern ein Gebet (Vaterunser) verrichtete, bevor man die Frucht schnitt. Ärmere Leute beschenkte man gerne mit einer Garbe. Zu dem Schnitter, der den letzten Halm auf dem Acker schnitt, sagte man: »Der hat Mockel«. Abends bekam dieser eine Dampfnudel mit nach Hause.

Der erste Garbenwagen wurde bei der Einfahrt ins Dorf von den Geistlichen mit der Schuljugend und den Erwachsenen empfangen und nach Gesang, Gebet und Ansprache durchs Dorf geführt.

Beim Einfahren des letzten Garbenwagens setzten sich die Schnitter auf denselben und stimmten fröhliche Lieder an. Ein mit bunten Papierstreifen geschmücktes Tännlein stand oben auf dem Wagen. Bei der Einfahrt in die Scheune wurde auch manchmal ein Lob- und Danklied gesungen.

Nach beendigter Ernte lud der Bauer seine Schnitter zur Belohnung ihres Fleißes zur »Sichelhenket« ein. In manchen Häusern gestaltete sich dieselbe zu


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