Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 454 / 494

 

die Verlobung, gefeiert. Von einer dazu berechtigten Gerichtsperson wurde an diesem Tag zwischen den Brautleuten, bzw. deren Eltern ein Ehevertrag niedergeschrieben, der außer den beiderseitigen Vermögensbeibringungen auch noch gewisse Rechte und Verpflichtungen der zukünftigen Ehegatten gegenüber den lebenden Eltern und Geschwistern enthielt.

Auswärtige Mädchen brachten früher ihre Aussteuer auf schön geschmückten Wagen, auf dem die Wiege mit Bett nie fehlen durfte, ins Dorf. Vorne saßen die Brautfräulein mit der Kunkel in der Hand, an der die verschiedenen Kindsaussteuerartikel wie Hemden und Kittel befestigt waren. Bei der Einfahrt ins Dorf suchten die Kinder den Brautwagen oft aufzuhalten, indem sie eine Schnur über die Straße spannten. Gegen ein kleines Lösegeld, das ihnen das Brautpaar spendete, ließen sie ihn wieder frei. Am Tag vor der Hochzeit fand der Einzug statt. Schon morgens zwischen zehn und elf Uhr zogen die hiezu beauftragten Kinder von Haus zu Haus, indem sie vor jedem sangen: »Sind Sie auch so freundlich eingeladen zu ... s Einzug.« Im Laufe des Nachmittags wurde die Aussteuer von den Brautfräulein und den Freundinnen der Braut in das Haus des Bräutigams getragen und dort für jedermann zur Schau ausgestellt. Bei dieser Gelegenheit spielte die Musik den »Häddelesmarsch«. Nachmittags gegen 5 Uhr holte der Bräutigam seine Braut in sein Haus ab, während von einer Anzahl hiezu bestellter Burschen geschossen wurde. Alsdann gingen die Brautleute noch zu den nächsten Verwandten, um dieselben noch persönlich einzuladen zu der abends stattfindenden Einzugsfeierlichkeit. Außer diesen erschienen auch die Nachbarn, die Freunde und sonstige Bekannte. Jeder übergab dem Brautpaar ein Geschenk, wofür er auf Kosten des Bräutigams bewirtet wurde. Die auf den Einzugstag folgende Hochzeit wurde meist am Montag, Dienstag oder Donnerstag abgehalten. Der Hochzeitszug, dem die Musik voranschritt, bewegte sich vom Wirtshaus nach der Kirche. Der Musikkapelle folgten die Schulkinder, dann der Lehrer, welcher den Bräutigam an der Hand führte, dann die ledigen Mannsleute. Diesen folgte die Braut, welche links und rechts von einem Brautführer begleitet wurde. Ein jeder der beiden Brautführer trug in der rechten Hand einen blanken Hirschfänger, später einen langen, blank gezogenen Säbel. Den Schluß des Hochzeitszuges bildeten die Verwandten und Freunde der Brautleute, die — alle mit Rosmarinstengel versehen — paarweise miteinander gingen. Mit gezogener Waffe stellten sich die beiden Brautführer während der Trauung am Altar auf, der eine links, der andere rechts des Brautpaares. Während der Hochzeitszug von der Kirche zum Wirtshaus zurückkehrte, wurden Freudenschüsse abgefeuert. Nach Ankunft im Wirtshaus hob alsbald der Brauttanz an. Dreimal tanzten Braut und Bräutigam nach den Klängen der Musik im Saale umher, während die Gäste zuschauten. Vor dem Hochzeitsessen hielt der Lehrer eine Rede und beglückwünschte das Brautpaar. Gegen Abend wurde eine zweite Mahlzeit eingenommen. Wurde die Braut gestohlen, dann mußten


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