Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 453 / 494

 

nenaufgang, von ledigen Mädchen Himmelfahrtsblümchen, die hier Mausöhrle genannt werden, geholt und Kränzchen gewunden, um das Jahr über gegen Blitzschlag in der Stube aufgehängt zu werden. Ebenfalls schon in aller Frühe ging die katholische Bevölkerung auf den Rodstein zum Kreuz. Auch die verschiedenen Vereine beteiligten sich an dieser Prozession. Unter dem Kreuz wurden im Wechsel einige Kirchenlieder gesungen.

k) Pfingstmontag. Am Pfingstmontag wurde früher ein Vieh- und Krämermarkt abgehalten, der im Volksmund Zuckerles- oder Kräpflesmarkt genannt wurde. In den letzten Jahren erlebte dieser Pfingstmarkt wieder einen Aufschwung. Vieh wird aber schon viele Jahre lang nicht mehr aufgetrieben.

1) Martini (11. November) war der Wandertag der Dienstboten. Nachts kam zu den Kindern der Pelzmärtel, eine ähnliche Erscheinung wie der Nikolaus, und brachte ihnen Nüsse, Zwetschgen und Äpfel.

 

Der menschliche Lebenslauf

a) Ein Kind wird geboren. Das erste Geschenk, das die Mutter des Neugeborenen erhielt, und zwar ein Geldgeschenk, bekam sie von den Paten an der Taufe. Später wurde sie »heimgesucht«, d.h. die Paten brachten ihr eine Weinsuppe, andere Verwandte und Bekannte dagegen einen Hefekranz oder einen Gugelhopf.

Nach der kirchlichen Taufhandlung fand der Taufschmaus statt, an welchem neben den Paten auch noch die nächsten Verwandten teilnahmen (auch noch heute). »Kranzes« und Kaffee fehlten in der Regel nicht, doch begnügte man sich manchmal auch mit Käse, Weißbrot und Bier. Über den Verlauf einer Taufe berichtet uns Lehrer Günter: Kaum hatte ein Erdenbürger in der alten guten Zeit, die noch reich an idealen Gütern und voll Poesie war, das Licht der Welt erblickt, so wurde er feierlich und mit Musik in die Öffentlichkeit eingeführt. Vier Musikanten holten den Taufzug im Hause ab. Unter den rührenden Klängen des Däbelesmarsches, der in vielen Trillern und Schnörkeln an Lebhaftigkeit nichts zu wünschen übrig ließ, setzte sich der Taufzug in Bewegung. Nach der Musik kamen die Kinder der ganzen Verwandtschaft, dann der »Dote« (Gevatter) mit Hebamme, welch letztere den festlich herausgeputzten Täufling trug. Nach der Taufe ging der Zug in gleicher Ordnung wieder zurück, voraus die freudig schmetternde Musik. Solange der Zug zur und von der Kirche in Bewegung war, wurde fleißig geschossen. Beim folgenden Taufschmaus, zu dem stets Pfarrer und Lehrer geladen wurden, aß und trank man fleißig. Es wurden oft 25 bis 30 Pfund Käse verzehrt und dazu die nötige Menge Bier vertilgt. Bei Gesang und Scherz wurde den ganzen Nachmittag gefestet. In die Nachbarhäuser wurden Kaffee und Kranzes geschickt.

b) Verlobung und Hochzeit. Wenn zwischen den Partnern und deren Eltern gegenseitiges Einverständnis erzielt worden war, wurde der »Hochzeitstag«,


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